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DOI: 10.1055/a-2742-6184
Die Bildgebung von Schilddrüsenmetastasen
Imaging of thyroid metastasisAuthors
Das Auftreten eines Schilddrüsenknotens bei einem Patienten mit einem bekannten Malignom stellt ein diagnostisches Problem dar, da der Knoten gutartig oder bösartig sein kann und im letzteren Fall entweder ein primäres oder ein sekundäres Malignom vorliegen kann. Die vorliegende Arbeit zeigt anhand von repräsentativen Fallbeispielen die typischen bildgebenden Aspekte der seltenen Entität der Schilddrüsenmetastasen.
Obwohl die Schilddrüse ein stark perfundiertes Organ ist, ist sie ein seltener Ort für Metastasen [1]. Tatsächlich machen die sekundären Tumoren der Schilddrüse nur etwa 2% der Malignome aus. Schilddrüsenmetastasen werden bei 0–13% der Patienten gefunden, die sich einer Thyreoidektomie unterzogen haben, und bei 0–13% der Patienten, bei denen eine Feinnadelpunktion durchgeführt wurde [2].
Autopsie-Untersuchungen ergaben jedoch eine höhere Prävalenz: Intrathyreoidale Metastasen können bei bis zu 24% der Patienten mit fortgeschrittenen, disseminierten malignen Erkrankungen auftreten [3]. In einer autopsiebasierten Untersuchung wurden bei Patienten mit metastasierten Neoplasien bei 8,6% der Patienten Metastasen in der Schilddrüse festgestellt [3].
Die primären Malignome, die am häufigsten zu Schilddrüsenmetastasen führten, waren maligne Melanome (39%), Mammakarzinom (21%) und Nierenzellkarzinome (RCC) (12%) [1]. Im Gegensatz dazu ergab die systematische Untersuchung von Haugen et al. von 253 Patienten, dass das Mammakarzinom (26%) gefolgt von dem Lungenkarzinom (25%) die häufigsten primären Malignome waren, die Schilddrüsenmetastasen verursachten, während maligne Melanome, RCC und gastrointestinale Tumoren seltener auftraten (11%, 10% bzw. 8%) [4].
Die größte klinische Studie einer einzelnen Einrichtung stammt von der Mayo Clinic und umfasste den Zeitraum von 10 Jahren zwischen 1985 und 1994 [5]. Von den 43 Patienten mit Metastasen in der Schilddrüse konnte bei der überwiegenden Mehrzahl (41) der Primarius identifiziert werden. Der häufigste Primärtumor war das Nierenzellkarzinom (14/41, 34%), gefolgt vom Lungenkarzinom und Mammakarzinom (jeweils 7/41, 17%) [5].
Die größte deutsche Studie über Schilddrüsenmetastasen konnte eine Frequenz von 0,4% bei operierten Schilddrüsentumoren einer großen endokrinen Chirurgie ermitteln [6]. In dieser Studie wurde nur in einem Fall die Schilddrüsenmetastase synchron zum Diagnosezeitpunkt des Primarius diagnostiziert [6]. Klinisch präsentierten sich die Patienten In den meisten Fällen (85%) mit einer schmerzlosen Schwellung. In der überwiegenden Anzahl der Fälle zeigt sich ein unilateraler Befall mit 71% der Fälle [7].
In der Sonografie sind die Tumoren inhomogen mit einer unscharfen Berandung [6]. Lediglich eine Minderzahl mit 23% der Fälle sind von ovalärer Form. Bezüglich der Echogenität waren in einer Studie alle Fälle echoarm, und damit primär malignitätssuspekt [6]. Dieses Muster kann in [Abb. 1] gesehen werden.


In der Computertomografie sind die Metastasen überwiegend als hypodenser Knoten abgrenzbar [6]. Eine inhomogene Kontrastmittelanreicherung kann in den meisten Fällen gesehen werden. [Abb. 2] zeigt die repräsentativen CT-Bilder.


In nur wenigen Studien wurden MRT-Bilder systematisch ausgewertet. In einer Studie wurden 11 Metastasen von 9 Patienten ausgewertet [6]. Die Mehrzahl der Fälle (73%) waren inhomogen iso- bis hyperintens in der T1-Sequenz und nur die Minderheit T1-hypointens in der Signalgebung. Alle Läsionen waren T2-hyperintens, meisten Fälle mit 82% wiesen ein intermediäres T2-Signal auf. Nach Kontrastmittelgabe zeigten alle Metastasen eine gering bis mäßige Aufnahme und es konnte in 73% der Fälle eine zentrale Nekrose gesehen werden [6]. Ein Beispiel mit MRT-Bildern zeigt [Abb. 3]. Die [Abb. 4] zeigt die korrespondierende Histologie der Nierenzellkarzinom-Metastase.




Bezüglich der 18F-Fluordesoxyglucose-PET wurden bis dato nur Einzelfälle publiziert, die auch einen erhöhten Glukosestoffwechsel im Rahmen der Metastasierung nachweisen konnten [8]. Einschränkend könnte hier auch genannt werden, dass das RCC häufig in der FDG-PET negativ ist [9] und so auch die diagnostische Genauigkeit bei Schilddrüsenmetastasen eingeschränkt ist. In [Abb. 5] wird ein Fall mit einem PET-CT gezeigt.


Weiterhin verwundert es nicht, dass klinisch eine hohe Rate an Fehlinterpretationen für ein primäres Schilddrüsenmalignom vorliegen kann mit einem berichteten Anteil von 31% [7].
Bis dato wurden noch keine systematischen Analysen des TI-RADS-Score bei Schilddrüsenmetastasen veröffentlicht. Es erscheint jedoch denkbar, dass ein Großteil der Tumoren mit einem TI-RADS 4 und 5 zu bewerten sein dürften [10].
Differenzialdiagnostisch müssen verschiedene Entitäten bedacht werden. Ein Großteil der klassischen Strumaknoten wird aufgrund des sonografischen Befundes mit einem TI-RADS unter 4 bewertet werden und sollte demgegenüber als benigner Befund bewertet werden können [10]. Zu den primären Malignomen der Schilddrüse wird es rein bildgebend in einer Vielzahl der Fälle nicht möglich sein, sicher zu den Schilddrüsenmetastasen zu differenzieren und letztlich in der klinischen Versorgung eine histologische Sicherung indiziert werden müssen.
Bezüglich einer konkreten Handlungsempfehlung sind keine Leitlinien verfügbar. In den seltenen Fällen eines Patienten mit einem bekannten Karzinom und im Staging-CT neuaufgetretenen Schilddrüsenknoten sollte zunächst eine ergänzende Sonografie zur besseren Darstellung des Befundes durchgeführt werden. Bei einem TI-RADS-Score über 4 sollte eine histologische Sicherung erwogen werden, falls es das Therapiekonzept ändern könnte. So könnte in sehr seltenen Fällen die Schilddrüsenmetastase die einzige Lokalisation der Metastasierung sein und so einen relevanten Einfluss auf das weitere Therapiekonzept nehmen. Weiterhin ist die histologische Sicherung in den Fällen für die Differenzierung zum primären Schilddrüsenkarzinom essenziell, da dies rein bildgebend nicht sicher zu trennen ist.
Metastasen der Schilddrüse sind sehr selten und zeigen ein bildgebend unspezifisches Muster. Bei Patienten mit einem Nierenzellkarzinom und im Rahmen des Stagings neuaufgetretenen Schilddrüsenknoten sollte jedoch auch an diese Entität gedacht werden und bei klinischer Relevanz eine histologische Sicherung durchgeführt werden.
Publication History
Received: 17 September 2025
Accepted after revision: 10 November 2025
Article published online:
08 December 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Referenzen
- 1 Chung AY, Tran TB, Brumund KT. et al. Metastases to the thyroid: a review of the literature from the last decade. Thyroid 2012; 22: 258-268
- 2 Nixon IJ, Coca-Pelaz A, Kaleva AI. et al. Metastasis to the Thyroid Gland: A Critical Review. Ann Surg Oncol 2017; 24: 1533-1539
- 3 Sindoni A, Rizzo M, Tuccari G. et al. Thyroid metastases from renal cell carcinoma: review of the literature. ScientificWorldJournal 2010; 10: 590-602
- 4 Haugen BR, Nawaz S, Cohn A. et al. Secondary malignancy of the thyroid gland: a case report and review of the literature. Thyroid 1994; 4: 297-300
- 5 Nakhjavani MK, Gharib H, Goellner JR. et al. Metastasis to the thyroid gland. A report of 43 cases. Cancer 1997; 79: 574-578
- 6 Surov A, Machens A, Holzhausen HJ. et al. Radiological features of metastases to the thyroid. Acta Radiol 2016; 57: 444-450
- 7 Ghossein CA, Khimraj A, Dogan S. et al. Metastasis to the thyroid gland: a single-institution 16-year experience. Histopathology 2021; 78: 508-519
- 8 Vogel J, Tenev A, Solass W. et al. Thyroid Metastasis in Whole-Body 18F-FDG PET/CT Restaging of Small Cell Lung Cancer. Clin Nucl Med 2022; 47: 96-97
- 9 Liu Y. The Place of FDG PET/CT in Renal Cell Carcinoma: Value and Limitations. Front Oncol 2016; 6: 201
- 10 Yang L, Li C, Chen Z. et al. Diagnostic efficiency among Eu-/C-/ACR-TIRADS and S-Detect for thyroid nodules: a systematic review and network meta-analysis. Front Endocrinol (Lausanne) 2023; 14: 1227339
