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DOI: 10.1055/a-2742-5279
Die ALGK informiert
Präventionsstrategien langfristig stärken – zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Dass die Prävention ein enormes Potenzial besitzt, ist allseits bekannt. Vorbeugen statt heilen, Präventionsmedizin statt Reparaturmedizin braucht zur Umsetzung nicht nur gesundheitspolitische Strategien. Prävention geht jeden einzelnen von uns an, unabhängig vom Geschlecht oder Alter, unabhängig von der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, unabhängig vom sozioökonomischen Status. Angesichts der großen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen bietet Prävention auch die Chance, der stetig wachsenden Krankheitslast in der Bevölkerung entgegenzusteuern und damit indirekt Kosten zu sparen. Diesen Anspruch hat die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken beim Kongress der Prävention in Berlin im Juli dieses Jahr herausgestellt: „Wenn der Druck auf das System durch das Nichteintreten von Krankheiten sinkt, ist es jede Anstrengung wert, mehr für die Prävention zu tun“ [1]. Sie kündigte weiterhin an, dass das Bundesgesundheitsministerium die Prävention stärken möchte. Denn unter anderem sei geplant, das Präventionsgesetz weiterzuentwickeln, das vor 10 Jahren im Bundestag verabschiedet worden war [2]. In diesem Präventionsgesetz werden unter anderem bestimmte Ausgabenrichtwerte der Krankenkassen für Prävention festgelegt. Der Blick in die Realität zeigt aber, dass hier in den letzten Jahren ein Abwärtstrend zu beobachten ist. Lagen die Mittel für Prävention und Gesundheitsverbände 2024 noch bei 1,09 Milliarden Euro, so sollen 2026 nur noch 720 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Prävention als gesundheitspolitische Priorität zu behandeln, würde angesichts steigender Krankheitszahlen und hoher Behandlungskosten auch höhere Mittelzuteilungen erfordern. Allerdings in Anbetracht der jüngst vom Bundesministerium für Gesundheit angekündigten weiteren Mittelkürzungen für den Gesundheitssektor, um eine Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge bestmöglich erreichen zu können, ist ein weiterer Rückgang der verfügbaren Gelder für eine Präventionsoffensive zu erwarten [3]. Im europäischen Vergleich sind wir in Deutschland eher Nachzügler, was Präventionsangebote angeht. Es wird hierzulande zwar eines der teuersten und vielleicht auch eines der besten Gesundheitssysteme im europäischen Vergleich vorgehalten, aber andererseits wird auch seit mehreren Jahren in Folge über eine sinkende Lebenserwartung in Deutschland berichtet. Mittlerweile rangiert Deutschland auf einem der hinteren Plätze. Verantwortlich sind hierfür vor allem die Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenngleich das flächendeckende Angebot an Herzkatheter-Messplätzen überragend ist und die Zahl der durchgeführten Koronarangiografien kontinuierlich steigt. Und genau an diesem Punkt zeigt sich deutlich die Problematik: Präventive Strategien zur Vermeidung von beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht ausreichend vorhanden oder nicht ausreichend genutzt, für die Behandlung der dann eingetretenen Erkrankungen müssen kostenintensive diagnostische Maßnahmen und Therapien eingesetzt werden [4].
Publication History
Article published online:
09 December 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Kongress für Prävention und Langlebigkeit 2025. https://www.aerzteblatt.de/news/bundesgesundheitsministerium-will-pravention-starken-9f21ff4f-5b4b-4853-a50c-035819833711
- 2 Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz) des Bundesministeriums für Gesundheit (2015). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/praeventionsgesetz.html
- 3 Krankenhäuser protestieren lautstark gegen Kürzungspläne (2025). https://www.aerzteblatt.de/news/krankenhauser-protestieren-lautstark-gegen-kurzungsplane-52f50c4e-ac5c-47aa-bb7a-2ac972bfbf13
- 4 Robert Koch Institut (2024). https://www.gbe.rki.de/DE/Themen/Gesundheitszustand/KoerperlicheErkrankungen/HerzKreislaufErkrankungen/KoronareHerzerkrankungSterblichkeit/koronareHerzerkrankungSterblichkeit_node.html?darstellung=0&kennzahl=1&zeit=2022&geschlecht=0&standardisierung
- 5 Brenner H, Holland-Letz T, Kopp-Schneider A. et al. Unraveling the effects of screening colonoscopy on colorectal cancer early detection and prevention: the NordICC trail revisited. Cancer Communications 2024; 45 (03) 205-208
- 6 Hüppe D, Serfert Y, Cornberg M. et al. Deutlicher Anstieg neu diagnostizierter Hepatitis B- und Hepatitis C-Fälle nach Einführung des Screenings in die allgemeine Gesundheitsuntersuchung (ehemals „Check-up 35“) in Deutschland. Zeitschrift für Gastroenterologie 2025; 63 (01) 31-38
- 7 Gemeinsame Erklärung der UEG und DGVS zur Prävention und Früherkennung von HCC (2025). https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2025/10/UEG_Joint_Statement_HCC_Prevention_Screening_06.10.2025.pdf
- 8 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Deutschland, wie es isst. Der BMEL-Ernährungsreport 2023. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ernaehrungsreport-2023.pdf?__blob=publicationFile&v=4
- 9 DANK. (2025). Vier Maßnahmen für eine wirkungsvolle und bevölkerungsweite Prävention. Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten. https://www.dank-allianz.de/positionen.html
- 10 United European Gastroenterology. Nutrition and chronic digestive diseases: an action plan for Europe (2020). https://www.espen.org/files/UEG-Report.pdf
- 11 Behsnilian D, Bröder J, Tauer J. et al. Einordnung von Lebensmitteln nach dem Verarbeitungsgrad und Bewertung gängiger Klassifizierungssysteme in der Ernährungsforschung. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 15. DGE-Ernährungsbericht. Vorveröffentlichung Kapitel 8. Bonn (2023) V1-V37.
- 12 Lane MM, Gamage E, Du S. et al. Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: an umbrella review of epidemiological meta-analyses. BMJ 2024; 384: e077310
- 13 Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSZ und SPD der 21. Legislaturperiode (2025). Verantwortung für Deutschland. https://www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf
- 14 Nutri Score. Einfach. Besser. Essen. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittel-kennzeichnung/freiwillige-angaben-und-label/nutri-score/nutri-score_node.html
- 15 Elmadfa I, Meyer AL. „Front of Pack-Labelling“ als Beitrag zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens. Ernährungs Umschau Int 2019;
- 16 Gemeinsame Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 17.06.2024: Schutz der Kinder vor ungesunder Lebensmittelwerbung muss jetzt gesetzlich verankert werden. https://www.bundesaerztekammer.de/presse/aktuelles/detail/schutz-der-kinder-vor-ungesunder-lebensmittelwerbung-muss-jetzt-gesetzlich-verankert-werden
