Z Gastroenterol 2025; 63(12): 1305-1307
DOI: 10.1055/a-2742-5279
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Präventionsstrategien langfristig stärken – zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Dass die Prävention ein enormes Potenzial besitzt, ist allseits bekannt. Vorbeugen statt heilen, Präventionsmedizin statt Reparaturmedizin braucht zur Umsetzung nicht nur gesundheitspolitische Strategien. Prävention geht jeden einzelnen von uns an, unabhängig vom Geschlecht oder Alter, unabhängig von der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, unabhängig vom sozioökonomischen Status. Angesichts der großen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen bietet Prävention auch die Chance, der stetig wachsenden Krankheitslast in der Bevölkerung entgegenzusteuern und damit indirekt Kosten zu sparen. Diesen Anspruch hat die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken beim Kongress der Prävention in Berlin im Juli dieses Jahr herausgestellt: „Wenn der Druck auf das System durch das Nichteintreten von Krankheiten sinkt, ist es jede Anstrengung wert, mehr für die Prävention zu tun“ [1]. Sie kündigte weiterhin an, dass das Bundesgesundheitsministerium die Prävention stärken möchte. Denn unter anderem sei geplant, das Präventionsgesetz weiterzuentwickeln, das vor 10 Jahren im Bundestag verabschiedet worden war [2]. In diesem Präventionsgesetz werden unter anderem bestimmte Ausgabenrichtwerte der Krankenkassen für Prävention festgelegt. Der Blick in die Realität zeigt aber, dass hier in den letzten Jahren ein Abwärtstrend zu beobachten ist. Lagen die Mittel für Prävention und Gesundheitsverbände 2024 noch bei 1,09 Milliarden Euro, so sollen 2026 nur noch 720 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Prävention als gesundheitspolitische Priorität zu behandeln, würde angesichts steigender Krankheitszahlen und hoher Behandlungskosten auch höhere Mittelzuteilungen erfordern. Allerdings in Anbetracht der jüngst vom Bundesministerium für Gesundheit angekündigten weiteren Mittelkürzungen für den Gesundheitssektor, um eine Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge bestmöglich erreichen zu können, ist ein weiterer Rückgang der verfügbaren Gelder für eine Präventionsoffensive zu erwarten [3]. Im europäischen Vergleich sind wir in Deutschland eher Nachzügler, was Präventionsangebote angeht. Es wird hierzulande zwar eines der teuersten und vielleicht auch eines der besten Gesundheitssysteme im europäischen Vergleich vorgehalten, aber andererseits wird auch seit mehreren Jahren in Folge über eine sinkende Lebenserwartung in Deutschland berichtet. Mittlerweile rangiert Deutschland auf einem der hinteren Plätze. Verantwortlich sind hierfür vor allem die Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenngleich das flächendeckende Angebot an Herzkatheter-Messplätzen überragend ist und die Zahl der durchgeführten Koronarangiografien kontinuierlich steigt. Und genau an diesem Punkt zeigt sich deutlich die Problematik: Präventive Strategien zur Vermeidung von beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht ausreichend vorhanden oder nicht ausreichend genutzt, für die Behandlung der dann eingetretenen Erkrankungen müssen kostenintensive diagnostische Maßnahmen und Therapien eingesetzt werden [4].



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Article published online:
09 December 2025

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