Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2736-6492
Originalarbeit

Prävention in der Langzeitpflege – ein Blick auf die Empfehlungen gemäß § 18b SGB XI und deren Umsetzung

Prevention in long-term care: an overview of the recommendations according to § 18b SGB XI and their implementation

Authors

  • Jürgen Zerth

    1   Management in Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fakultät für Soziale Arbeit, Eichstätt, Germany
  • Stephan Herberg

    2   Fachgebiet Unternehmensrechnung und Wirtschaftsinformatik, Universität Osnabrück, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Osnabrück, Germany
  • Marianna Hanke-Ebersoll

    3   Leiterin Bereich Pflege des Medizinischen Dienstes Bayern, Medizinischer Dienst Bayern, München, Germany
  • Sebastian Müller

    1   Management in Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fakultät für Soziale Arbeit, Eichstätt, Germany
  • Frank Teuteberg

    2   Fachgebiet Unternehmensrechnung und Wirtschaftsinformatik, Universität Osnabrück, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Osnabrück, Germany

Zusammenfassung

Prävention und Gesundheitsförderung können bei drohender, beginnender oder bestehender Pflegebedürftigkeit ein Weg sein, bei betroffenen Personen einen Beitrag zur Verbesserung der Autonomie, der Selbstständigkeit, des Wohlbefindens und der Lebensqualität zu leisten. Der Artikel geht von der These aus, dass Gebrechlichkeit als definiertes Pflegerisiko eingedämmt, gegebenenfalls verhindert werden kann, damit Menschen länger leben und gesünder in ihrem häuslichen Umfeld altern. Es gilt als hinreichend belegt, dass verhältnis- und verhaltensbezogene Faktoren einen deutlich stärker ausgeprägten Einfluss auf die Entwicklungsmöglichkeiten im Alter haben als genetisch-biologische Dispositionen. Die Sozialgesetzgebung hat vor diesem Hintergrund neben den Präventionsleistungsangeboten im Sozialgesetzbuch V mit Einführung des Präventionsgesetzes (PrävG) im Jahr 2015 auch im Sozialgesetzbuch XI Präventionsmaßnahmen etabliert. Zur Ermittlung des Präventionspotentials wurde der Medizinische Dienst (MD) verpflichtet, in jedem seiner Gutachten zur Pflegebedürftigkeit zu prüfen, ob über die aktuelle Versorgungssituation hinaus, präventive Maßnahmen zu empfehlen sind. Auf Grundlage anonymisierter Routinedaten einer großen Pflegekasse wurden bundesweit die Gutachten der Medizinischen Dienste aus den Jahren 2022 und 2023 zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit analysiert. Es wurde ein Mixed-Methods-Ansatz genutzt, um potenzielle Hinweise zwischen versichertenbezogenen Aspekten und der Empfehlungspraxis in den Gutachten zu interpretieren. Aufgrund der Gesamtanalyse wird deutlich, dass hier offensichtlich der Präventionsempfehlung kein adäquates Angebot gegenübersteht. Hier besteht erheblicher weiterer Forschungsbedarf.

Abstract

Prevention and health promotion can be a way of helping to improve the autonomy, independence, well-being and quality of life of people who are at risk of, at the beginning of or already in need of care. This study is based on the hypothesis that frailty as a defined care risk can be contained or, if necessary, prevented so that people can live longer and age more healthily in their home environment. There is sufficient evidence that relationship and behavioral factors have a much stronger influence on development opportunities in old age than genetic and biological dispositions. Against this background, social legislation has established preventive measures in Social Code XI in addition to the preventive services offered in Social Code V with the introduction of the Prevention Act (PrävG) in 2015. In order to determine the potential for prevention, the Medical Service was obliged to check in each of its reports on the need for care whether preventive measures should be recommended beyond the current care situation. Based on anonymized routine data from a large long-term care insurance company, the Medical Service reports from 2022 and 2023 were analyzed nationwide to determine the need for long-term care. A mixed-methods approach was used to interpret potential indications between insurance-related aspects and the recommendation practice in the expert reports. Our study revealed a gap between preventive healthcare offered and recommendations for such support in the legislative codes. This gap needs to be closed to improve healthy aging.



Publication History

Received: 22 March 2025

Accepted: 28 October 2025

Article published online:
09 December 2025

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