Reisemedizin up2date 2026; 03(01): 3
DOI: 10.1055/a-2734-8352
Editorial

Editorial

Authors

  • Tomas Jelinek

Liebe Leserin, lieber Leser,

der jüngste Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den Impfquoten in Deutschland zeigt: Bei der Wahrnehmung und Umsetzung wichtiger Impfprogramme gibt es hierzulade viel Verbesserungsbedarf. Jeder Kontakt mit Patientinnen und Patienten sollte deshalb unbedingt genutzt werden, um auf die Bedeutung dieser Prävention aufmerksam zu machen. Gerade jetzt, im Vorfeld der beginnenden Fernreisesaison, bieten sich dafür die reisemedizinischen Sprechstunden an. Während die Impfquoten bei Kindern in Deutschland auf einem insgesamt hohen Niveau liegen, zeigen sich schon im Jugendalter erhebliche Lücken bei den Standardimpfungen: Die empfohlenen Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis werden von vielen Jugendlichen nicht wahrgenommen. Insgesamt haben nach aktuellem Stand nur 43% der Jugendlichen bis 16 Jahren sowohl die Auffrischimpfung im Kindesalter als auch die Auffrischimpfung im Jugendalter erhalten, schreibt das RKI Ende 2025 in einem Epidemiologischen Bulletin zu den Impfquoten in Deutschland. Und auch Erwachsene nutzen die empfohlenen Impfungen selten: So erreichte die Influenza-Impfquote den niedrigsten Stand seit 17 Jahren und liegt bei Personen ab 60 Jahren derzeit nur noch bei 34%. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Herpes Zoster-Impfung, die vor einer Gürtelrose schützt: Die Impfquote ab 60 Jahren liegt hier bei nur 24% – der Großteil der älteren Menschen ist weiterhin nicht gegen die Erkrankung geschützt. Eine Gelegenheit zum Nachholen oder zur Auffrischung der Standardimpfungen ist die reisemedizinische Beratung. Vor größeren Reisen und Auslandsaufenthalten – von Fernreisen bis zum Auslandsjahr in Schule oder Studium – besteht oftmals eine höhere Sensibilität für die Notwendigkeit von Impfungen beziehungsweise – je nach Reiseland und Erreger – mitunter auch eine Verpflichtung zur Impfung vor Einreise. Hinzu kommt, dass der Zugang zu reisemedizinischer Beratung und Reiseimpfungen oft sehr niederschwellig organisiert ist. Hier kann die Reisemedizin in der Praxis Erhebliches zur allgemeinen Impfprävention beitragen. Umso unverständlicher, dass zum Beispiel die Ärztekammer Berlin seit Jahren aktiv versucht, Initiativen zu niedrigschwelligen Impfangeboten zu blockieren. Hier ist dringend ein Umdenken unserer Standesvertreter geboten.

Passend zum breiten Themenspektrum der reisemedizinischen Beratung haben wir als Themen unserer CME-Artikel in diesem Heft zwei Beratungssituationen ausgewählt, die in der Praxis häufig vorkommen: die reisemedizinische Beratung für Backpacker und die arbeitsmedizinische Vorsorge für Auslandsaufenthalte. Ergänzt werden die beiden Beiträge um die besondere Situation der reisemedizinischen Aspekte bei Personen mit HIV-Infektion sowie um eine Übersicht zu dem in der Beratung oft vernachlässigten Thema des Sonnenschutzes auf Reisen.

Wir sind zuversichtlich, dass Ihnen auch diese Ausgabe der Reisemedizin up2date wertvolle Informationen für Ihre Tätigkeit bietet und Sie bei Ihren reisemedizinischen Herausforderungen unterstützt.

Herzliche Grüße,
Ihr Prof. Dr. Tomas Jelinek



Publication History

Article published online:
09 February 2026

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