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DOI: 10.1055/a-2728-7660
Kommentar zu: Anlage zervikaler Pedikelschrauben mithilfe individueller Führungsschablonen
Authors
Die Platzierung zervikaler Pedikelschrauben gehört zu den technisch anspruchsvollsten Eingriffen der Wirbelsäulenchirurgie. Anatomische Variabilität und die Nähe zu neurovaskulären Strukturen erfordern ein Vorgehen, das höchstmögliche Präzision und Sicherheit vereint. Vor diesem Hintergrund stellt die Arbeit von Fukushima et al. die bislang umfangreichste klinische Untersuchung zur Genauigkeit eines patientenspezifischen 3D-Template-Guide-Systems (TGS) dar und liefert einen relevanten Beitrag zur Evidenzlage. Mit einer klinisch akzeptablen Schraubenlage in 99,5% der Fälle berichtet die Studie über eine bemerkenswert hohe Präzision. Diese übertrifft sowohl bekannte Ergebnisse der Freihand-Technik, für die Perforationsraten bis zu 25% beschrieben sind [1] [2], als auch die Genauigkeitsraten navigations- oder roboterassistierter Systeme [3] [4] [5]. Das Fehlen neurovaskulärer Komplikationen unterstreicht die klinische Sicherheit. Bemerkenswert ist zudem, dass selbst bei Revisionseingriffen mit gestörter dorsaler Anatomie vergleichbare Ergebnisse erzielt wurden.
Methodisch ist das Fehlen einer direkten Vergleichsgruppe (Freihand oder Navigation) ebenso zu berücksichtigen wie die ausschließlich univariate Analyse der Risikofaktoren. Dennoch sind die identifizierten Einflussgrößen, geringes Körpermaß, weibliches Geschlecht, geringe Pedikelbreite und operative Unerfahrenheit, klinisch wertvoll. Sie können sowohl bei der Indikationsstellung als auch in der strukturierten Ausbildung eine Rolle spielen. Dass auch unerfahrenere Operateurinnen und Operateure (Fellows) keine major-Perforationen verursachten, verweist auf ein mögliches didaktisches Potenzial des TGS-Systems. Offen bleibt, ob die radiologisch hohe Präzision langfristig klinisch relevante Vorteile bewirkt, etwa hinsichtlich Stabilität, Fusionsrate oder Komplikationsreduktion. Zukünftige Studien sollten diese Aspekte prospektiv und idealerweise randomisiert untersuchen; ergänzend wären ökonomische Analysen sinnvoll, um den Ressourceneinsatz patientenspezifischer Systeme besser einzuordnen.
Insgesamt bestätigt die Studie die hohe Zuverlässigkeit und Sicherheit patientenspezifischer 3D-Template-Systeme bei der CPS-Platzierung. Trotz methodischer Einschränkungen stärkt sie den Stellenwert additiv gefertigter Führungssysteme in der modernen Wirbelsäulenchirurgie und bietet eine solide Grundlage für weitere Forschung.
Publication History
Article published online:
02 March 2026
© 2026. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Hojo Y, Ito M, Suda K. A multicenter study on accuracy and complications of freehand placement of cervical pedicle screws under lateral fluoroscopy in different pathological conditions: CT-based evaluation of more than 1,000 screws. Eur Spine J 2014; 23: 2166-2174
- 2 Mahesh B, Upendra B, Raghavendra R. Acceptable errors with evaluation of 577 cervical pedicle screw placements. Eur Spine J 2020; 29: 1043-1051
- 3 Chachan S, Bin Abd Razak HR, Loo WL. et al. Cervical pedicle screw instrumentation is more reliable with O-arm-based 3D navigation: analysis of cervical pedicle screw placement accuracy with O-arm-based 3D navigation. Eur Spine J 2018; 27: 2729-2736
- 4 Kisinde S, Hu X, Hesselbacher S. et al. Robotic-guided placement of cervical pedicle screws: feasibility and accuracy. Eur Spine J 2022; 31: 693-701
- 5 Kaneyama S, Sugawara T, Sumi M. et al. Safe and accurate midcervical pedicle screw insertion procedure with the patient-specific screw guide template system. Spine 2015; 40: E341-E348
