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DOI: 10.1055/a-2726-0435
Leitlinien-Update ERC 2025 – Reanimation von Erwachsenen
Authors
Am 22.10.2025 hat das European Resuscitation Council (ERC) im Rahmen des Jahreskongresses in Rotterdam seine aktualisierten Gesamt-Guidelines (ERC 2025) zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit den ersten Guidelines aus dem Jahr 1992 ist dies nun die 8. Gesamtüberarbeitung (seit 2000 im 5-Jahres-Rhythmus). Die aktuell 11 Kapitel des ERC 2025 befassen sich u.a. mit der CPR von Erwachsenen, Neugeborenen und Kindern sowie der Ersten Hilfe, der Lehre und der Ethik der CPR. In diesem Beitrag haben wir für Sie ausgewählte Kernaussagen und Änderungen im Vergleich zu den ERC-Guidelines 2021 aus den Kapiteln Epidemiologie, Basic und Advanced Life Support sowie zur Postreanimationsbehandlung kursorisch für die Praxis zusammengestellt [1] [2].
Kernaussagen zur Epidemiologie
Alle europäischen Länder sollen weiterhin über nationale CPR-Register verfügen. Registerdaten ermöglichen die gezielte Planung von Gesundheitssystemen und Maßnahmen, z.B. beim Out-of Hospital Cardiac Arrest (OHCA). Erstmals wird die regelmäßige Durchführung von Autopsien bei allen Opfern eines plötzlichen unerwarteten Todes unter 50 Jahren und eine genetische Analyse aus 5–10 ml EDTA-Blut empfohlen. Multidisziplinäre Teams sollen Familien gezielt beraten und screenen, da in Studien in bis zu 25% der OHCA-Fälle eine klinisch relevante Genvariante als potenzielle Ursache der CPR vorgelegen hat.
Basic Life Support und Advanced Life Support
Bei einem vermuteten Kreislaufstillstand soll unverzüglich die Notrufnummer 112 angerufen und parallel die Atmung beurteilt und ggf. sofort mit der Thoraxkompression begonnen werden. Die Thoraxkompression soll weiterhin mit einer Frequenz von 100–120/min und einer Tiefe von 5–6 cm erfolgen. Ohne BLS-Training werden für Helfer nur Thoraxkompressionen ohne Beatmung empfohlen, sonst das Verhältnis 30:2, sofern eine adäquate Beatmung möglich ist. Automatisierte externe Defibrillatoren (AEDs) sollen unverzüglich genutzt werden und frei zugänglich sein.
Neu im ALS ist die Betonung einer hochwertigen Thoraxkompression und einer effektiven Beatmung. Defibrillatorpads sollen primär korrekt apikal-lateral platziert werden (ggf. Vektorwechsel zu anterior-posterior erwägen, wenn 3 Schocks und eine höhere Schockenergie ineffektiv waren). Eine duale Defibrillation ist möglich, jedoch bei limitierter Evidenz für die Routine nicht empfohlen. Reversible Ursachen (4 Hs und HITS) sollen unverzüglich identifiziert und behandelt werden.
Weitere Empfehlungen sind:
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CPR mit höchstmöglicher inspiratorischer O2-Konzentration,
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ggf. 2-Personen-Technik bei Beutel-Masken-Beatmung,
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endotracheale Intubation (ETI) nur durch erfahrene Anwender (wenn verfügbar primär unter Videolaryngoskopie),
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bei extraglottischen Atemwegen (EGA) vorzugsweise Einsatz der I-Gel,
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kontinuierliche Kapnografie und -metrie (etCO2-Kurve) und kontinuierliche Thoraxkompressionen nach Atemwegssicherung (Ausnahme Leckage bei EGA, dann weiter mit 30:2),
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Beatmungsfrequenz unter CPR 10/min.,
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Einstellung Respirator (volumenkontrollierte Beatmung): Tidalvolumen 6–8 ml/kgKG, Inspirationszeit 1–1,5 s, PEEP 0–5 mbar, Spitzendruckalarm unter Thoraxkompression 60–70 mbar, kein Flow-Trigger,
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bei ineffektiver Respiratorbeatmung Wechsel auf manuelle Beatmung.
Zur Medikation empfiehlt das ERC weiterhin 1 mg Adrenalin i.v./i.o. bei nicht defibrillierbaren Rhythmen so bald wie möglich und bei defibrillierbaren Rhythmen 1mg Adrenalin generell nach dem 3. Schock (vorher „nach dem 3. erfolglosen Schock“). Wiederholung von 1 mg Adrenalin weiterhin alle 3–5 min unter CPR. Ebenso bleibt der Einsatz von 300 mg Amiodaron nach 3 Defibrillationen (weitere 150 mg nach der 5. Defibrillation) oder alternativ der Einsatz von 100 mg Lidocain, gefolgt von 50 mg Lidocain empfohlen. Die routinemäßige Gabe von Kalzium, Natriumbicarbonat, Magnesium oder Kortikosteroiden wird nicht empfohlen; Gabe von intravenösem Volumen nur bei Hypovolämie.
Neu ist die Empfehlung einer physiologisch gesteuerten CPR. Als Ziel gelten ein diastolischer Blutdruck von ≥ 30 mmHg (arterielle Messung) und ein etCO2 ≥ 25 mmHg (ein Anstieg des etCO2 kann auf einen ROSC hinweisen, ein niedriges etCO2 ist kein alleiniges Kriterium für den Abbruch einer CPR). Eine Kühlung unter CPR wird, außer bei schwerer Hyperthermie, nicht empfohlen. Bei Awareness unter CPR wurde nun die Verwendung von Sedativa und/oder Analgetika in die ERC 2025 aufgenommen.
Der Einsatz mechanischer Kompressionshilfen ist der manuellen Thoraxkompression nicht überlegen, kann jedoch erwogen werden, wenn dies nicht praktikabel, die Sicherheit des Helfers gefährdet oder der Einsatz für den Transport hilfreich ist. Die extrakorporale Wiederbelebung (ECMO) wird nur in ausgewählten Fällen, eine REBOA (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta) im Rahmen klinischer Studien empfohlen. Speziell beim OHCA soll der Rettungsdienst primär vor Ort reanimieren (außer bei klarer Transportindikation), für den Transport eine mechanische Reanimationshilfe erwägen und, wenn möglich, eine arterielle Blutdruckmessung etablieren. Zur Abklärung kann die Sonografie von qualifizierten Untersuchern ohne eine längere oder zusätzliche Unterbrechung der CPR erwogen werden. Ein dilatierter rechter Ventrikel sollte nicht unkritisch und isoliert zur Diagnose Lungenarterienembolie (LAE) führen. Ebenso soll die Beurteilung der Kontraktilität des Myokards nicht als alleiniger Indikator für die Beendigung einer CPR verwendet werden.
Fokus präklinische Postreanimationsbehandlung
Nach einem ROSC orientiert sich die sofortige Therapie am ABCDE-Schema. Hierzu gehört ggf. der Wechsel auf eine endotracheale Intubation, eine Normoxämie (spO2 94–98%), Normokapnie (etCO2 35–45 mmHg), systolischer RR > 100 mmHg oder MAD 60–65 mmHg und die Temperaturkontrolle (< 37,5°C bzw. Normothermie). Zum Erkennen und Behandeln der OHCA-Ursache soll ein 12-Kanal-EKG abgeleitet werden. Bei Patienten mit ST-Hebung oder hämodynamischer/elektrischer Instabilität nach ROSC soll eine sofortige Koronarangiografie organisiert werden. Weitere Ziele sind die Etablierung sicherer i.v.-Zugänge, Normovolämie, Normoglykämie und ggf. der Einsatz von Vasopressoren und positiven Inotropika, z.B. Noradrenalin oder Dobutamin. Hiernach schließt sich das Management im Schockraum auf der Intensivstation an.
Interessenkonflikt
Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Literatur
- 1 German Resuscitation Council. Reanimation 2025. Leitlinien kompakt. Accessed October 22, 2025 at: https://www.grc-org.de/files/Contentpages/document/LeitlinienKompakt2025_22.10.2025.pdf
- 2 Soar J, Böttiger BW, Carli P. et al. European Resuscitation Council Guidelines 2025 Adult Advanced Life Support. Resuscitation 2025; 215 (Suppl. 01) 110769
Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
25 November 2025
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Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 German Resuscitation Council. Reanimation 2025. Leitlinien kompakt. Accessed October 22, 2025 at: https://www.grc-org.de/files/Contentpages/document/LeitlinienKompakt2025_22.10.2025.pdf
- 2 Soar J, Böttiger BW, Carli P. et al. European Resuscitation Council Guidelines 2025 Adult Advanced Life Support. Resuscitation 2025; 215 (Suppl. 01) 110769
