Aktuelle Urol 2026; 57(01): 16-18
DOI: 10.1055/a-2708-1055
Referiert und kommentiert

Kommentar

Authors

    Contributor(s):
  • Gernot Ortner

    1   Abteilung für Urologie und Andrologie, Landeskrankenhaus Hall, Hall

10.1055/a-2642-4236

Die exakte Überlagerung von MRT und Ultraschall ist ein kritischer Faktor für die Treffsicherheit während der Fusionsbiopsie. Vor allem für kleine Zielareale bzw. peripher gelegenen Läsionen besteht per se ein hohes Risiko für einen Targetingfehler. Eine relevante Prostatavolumen-Diskrepanz zwischen MRT und Ultraschall sollte – wie in der Studie gezeigt – den Untersucher unmittelbar alarmieren, da in dieser Situation ein Risiko für eine Zielungenauigkeit bestehen kann.

In Bezug auf die Methodik in der Studie von Borde et al. muss erwähnt werden, dass für die Ausmessung im Ultraschall eine ellipsoide Form (Länge × Breite × Höhe/0,52) der Prostata als Annäherung verwendet wurde und hingegen in der MRT eine Volumenberechnung durch semiautomatische, schichtweise Segmentierung erfolgte. Vor allem bei asymmetrischen Drüsen, welche von einer ellipsoiden Form deutlich abweichen, oder Drüsen mit großem Mittellappen besteht hier also ein relevanter Bias und muss für die Interpretation der Ergebnisse beachtet werden [1] – dies wurde allerdings von den Autoren im Paper gründlich diskutiert.

Es bestehen noch weitere Limitationen, die für die klinische Einordnung der Studienergebnisse wichtig sind. So wurden weder eine PI-RADS-Klassifizierung (hierfür waren keine Daten ersichtlich) noch eine PSA-Dichte systematisch in die Analysen miteinbezogen – beides bekannte Prädiktoren für das Vorliegen signifikanter Karzinome. Ebenso waren keine Daten zur Güte der MRT-Diagnostik (Stichwort PI-QUAL) vorhanden, was bei einem Studienzeitraum von 2010–2023 wichtig erscheint [2]. Zudem wurden die systematischen und Zielbiopsien nicht verblindet vom gleichen Operateur durchgeführt – ebenfalls ein bekannter Bias bei diagnostischen Studien [3] und es fehlte eine endgültige Korrelation mit Prostatektomiepräparaten.

Trotz dieser Einschränkungen liefert die Arbeit eine klare Botschaft für die klinische Routine: Fusion ist nicht gleich Fusion. Wer Fusionstechnologie einsetzt, sollte Volumina aus MRT und Ultraschall vergleichen und bei größeren Abweichungen die Registrierung überdenken und ggf. anpassen oder prüfen, ob zusätzliche Biopsien sinnvoll sind. Vor allem bei großen Prostatadrüsen, bei denen das Risiko eines schlechten Alignment am höchsten erscheint, und insbesondere bei kleinen Zielarealen kann ein periläsionales Sampling den Zielfehler reduzieren [4]. Ebenso kann eine sichtbare Läsion im Ultraschall die Zielgenauigkeit erhöhen bzw. dem Untersucher rückversichern, dass die Fusion adäquat ist [5]. Für die Praxis bedeutet dies, dass nicht nur die Bildqualität und Software, sondern auch die kritische Interpretation der Diskrepanz zwischen den bildgebenden Modalitäten integraler Bestandteil des Workflows sein muss.



Publication History

Article published online:
16 February 2026

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