Z Gastroenterol 2026; 64(02): 184-198
DOI: 10.1055/a-2699-7377
Review

Crohnʼs Disease Exclusion Diet (CDED) und partielle enterale Ernährungstherapie (PEN) zur Remissionsinduktion bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn – Aktualisierte Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaften CEDATA und Ernährung/Diätetik/Ernährungsmedizin der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE)

Crohnʼs Disease Exclusion Diet (CDED) and partial enteral nutrition (PEN) for remission induction in children and adolescents with Crohnʼs Disease – Updated statement from the CEDATA and Nutrition/Dietetics/Nutritional Medicine Working Groups of the Society for paediatric Gastroenterology and Nutrition (GPGE)

Authors

  • Evdokia Alexanidou

    1   Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Giessen, Giessen, Deutschland
  • André Hörning

    2   Fachbereich Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Endoskopie, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Deutschland
  • Jan de Laffolie

    1   Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Giessen, Giessen, Deutschland
  • Anjona Schmidt-Choudhury

    3   Abteilung Pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Katholischen Klinikum Bochum, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland
  • Jan Däbritz

    4   Kinder- und Jugendklinik, Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam, Deutschland
    5   Kinder- und Jugendklinik, Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Deutschland
    6   Institute for Clinical Research and Systems Medicine, HMU Health and Medical University, Potsdam, Deutschland
  • AG Ernährung und CEDATA-Studiengruppe

    7   Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) e.V.
  • Mitglieder der CEDATA-AG*:
    ,
    Mitglieder der AG Ernährung:
 

Zusammenfassung

Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) im Kindes- und Jugendalter. Die Behandlung von CED-Patienten mit einer exklusiven enteralen Ernährungstherapie (EEN) hat sich bei pädiatrischen Patienten mit milder bis moderater Entzündungsaktivität des Morbus Crohn (MC) als erfolgreich erwiesen und nimmt daher einen hohen Stellenwert ein. Dennoch ist die Akzeptanz der EEN bei Patienten und ihren Angehörigen oft begrenzt und die gewonnenen Veränderungen hinsichtlich der Entzündungsaktivität und der Wechselwirkung mit dem intestinalen Mikrobiom sind nach Ende der EEN ohne Immunmodulation oder wiederholten Einsatz nicht aufrechtzuerhalten. In den letzten Jahren wurden verschiedene Formen der Ernährungstherapie entwickelt, von denen die Crohnʼs Disease Exclusion Diet (CDED) in Kombination mit partieller enteraler Ernährungstherapie (PEN) einen vielversprechenden Ansatz darstellt.

Die vorliegende Übersichtsarbeit fasst den aktuellen Wissensstand und die Datenlage zur CDED plus PEN und deren Wirksamkeit zusammen und diskutiert die aktuelle Umsetzung in der klinischen Praxis.


Abstract

Nutrition plays a central role in the development of chronic inflammatory bowel disease (IBD) in children and adolescents. Nutritional management of IBD is therefore very important, e. g. the successful treatment approach of exclusive enteral nutrition (EEN) in paediatric patients with mild to moderate forms of Crohnʼs disease. However, the acceptance of EEN by patients and their families is often limited and the effects are not easily sustained. Several nutritional therapies have been developed, of which the Crohnʼs Disease Exclusion Diet (CDED) in combination with partial enteral nutrition (PEN) seems to be promising approach.

In this review, we summarise the current knowledge and data on CDED plus PEN and its efficacy. We also discuss its implementation in clinical practice.


1. Einführung

Der Morbus Crohn (MC) ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED), deren Pathogenese nicht vollständig geklärt ist. Die Ernährung beeinflusst die Diversität des Mikrobioms, die Barrierefunktion der Darmepithelzellen oder auch direkt Zellen des intestinalen Immunsystems und spielt damit in der Prävention eines MC eine wichtige Rolle [1]. Passend zu dieser Beobachtung wurde bereits seit dem Jahr 2000 die ausschließliche enterale Ernährungstherapie (Exklusive enterale Ernährungstherapie, EEN), als Erstlinientherapie für Patienten mit mildem bis moderatem MC zur Remissionsinduktion etabliert [2]. EEN bei Kindern mit MC führt in bis zu 80 % der Fälle zu einer klinischen Remission und ist hinsichtlich mukosaler Heilung der Therapie mit systemischen Kortikosteroiden überlegen [3] [4]. Allerdings erfordert die EEN eine ausschließliche Ernährung mit dafür geeigneter Trinknahrung über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen p. o. oder über eine nasogastrale Sonde. Im Anschluss daran ist eine allmähliche Wiederaufnahme der normalen Ernährung erforderlich. Dies führt zu einem hohen Grad an Non-Adhärenz bzw. zum Abbruch der Therapie [5] [6] [7]. Weiterhin gehen erzielte Verbesserungen des Mikrobioms und der entzündlichen Aktivität nach Ende der Therapie rasch wieder verloren mit Einführung normaler Kost. Sigall Boneh et al. publizierten 2014 das Konzept einer partiellen Ernährungstherapie (PEN) mit einer spezifischen Diät, der sog „Crohnʼs Disease Exclusion Diet (CDED)“ als eine alternative Ernährungstherapie zur EEN bei Kindern und Jugendlichen mit MC zur Remissionsinduktion und Erhaltungstherapie [8]. Bei der CDED wird der Anteil an tierischen und gesättigten Fetten, glutenhaltigen Getreiden und Emulgatoren reduziert, während die Zufuhr von Obst, Gemüse und resistenter Stärke erhöht wird. Dies führt zu einer Verbesserung der Dysbiose und induziert eine klinische Remission. Die folgende Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaften Ernährung und CEDATA der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung GPGE e. V. fasst die aktuelle Datenlage zu CDED zusammen und schlägt mögliche Umsetzungen in die pädiatrisch gastroenterologischen Praxis vor.


2. Methodik

In der narrativen Übersichtsarbeit mit selektivem Literaturreview wurde der Fokus auf Studien mit hoher Relevanz für die Ernährungstherapie bei Kindern und Jugendlichen gelegt, die sich mit der Evidenz zur CDED befassen. Die Literatursuche wurde aus Rotem et al. 2024 übernommen und bildete die Grundlage für die Identifikation der relevanten Arbeiten [49]. Insgesamt konnten 18 Studien für den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis zum 1. Januar 2025 identifiziert werden. In das Screening wurden Studien eingeschlossen, die sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene untersuchten, ebenso wie Übersichtsarbeiten und Studien, die sich allgemein mit Ernährung und MC beschäftigten.

2.1 Pathophysiologie des Morbus Crohn

Die Pathogenese des MC ist noch nicht vollständig geklärt, allerdings spielen Veränderungen der mikrobiellen Besiedlung bei Patienten mit einer genetischen Prädisposition eine wichtige Rolle und sind zum Teil Jahre vor Einsetzen klinischer Symptome bei Verwandten nachweisbar [9]. Die Ernährung ist einer der am besten untersuchten Umweltfaktoren, der neben der Physiologie des Darms auch das Mikrobiom beeinflusst [10]. Die sogenannte „westliche Ernährung“, assoziiert mit einem erheblich erhöhten Risiko für MC, ist gekennzeichnet durch einen hohen Verzehr fettreicher Milchprodukte, verarbeitetem Fleisch, kalorienreicher Getränke, raffinierten Getreideprodukten, Süßigkeiten und Fertiggerichten [11]. Demgegenüber steht ein Verzehr fettarmer Milchprodukte und ballaststoffreicher Produkte, was zu einer entsprechenden Verschiebung der Mikrobiota führt [12]. Der Einfluss einer westlichen Diät auf die Pathophysiologie des Wirtes und des Mikrobioms wird in [Abb. 1] dargestellt [13].

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Abb. 1 Einfluss der westlichen Diät auf die Physiologie des Wirtes und der Mikrobiotazusammensetzung. T – regs: regulatorischer T-Zellen: Unterstützen die Aufrechterhaltung der immunologischen Homöostase des Organismus und verhindern überschießende Entzündungsreaktionen. Cathelicidine sind antimikrobielle Peptide (AMPs): Effektormoleküle des angeborenen Immunsystems. TNF – a: Signalstoff des Immunsystems (Zytokin), der an Entzündungsprozessen beteiligt ist.
Infobox 1

Eine Abnahme der überwiegend grampositiven Bifidobakterien, Firmicutes und Bacteroides, sowie eine Zunahme der gramnegativen Proteobacteria und Actinobacteria sind die am häufigsten beobachteten Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmmikrobiota bei CED-Patienten im Vergleich zum gesunden Darm [14] [15] [16] [17]. Zusätzlich wurden signifikante Veränderungen im Metabolom festgestellt [18].

Kommentar zur Infobox 1:

In früheren CED-Mikrobiomstudien wurden sowohl qualitative als auch quantitative Veränderungen der Mikrobiota bei CED-Patienten festgestellt. Daraus resultierende Ergebnisse zeigten eine signifikante Zunahme pathogener Bakterien, wie Proteobacteria und Actinobacteria bei gleichzeitiger Abnahme von Firmicutes und Bacteroidetes [14] [15] [16]. Außerdem konnte festgestellt werden, dass auch Pilze (wie z. B. Clavispora lusitaniae) bei MC-Patienten vermehrt auftraten [17]. Durch den Einsatz neuer molekularer Methoden konnten Veränderungen in den Mechanismen des bakteriellen Stoffwechsels bei MC-Patienten identifiziert werden. Dazu zählen beispielsweise eine verminderte kurzkettige Fettsäuren (SCFA) – und Butyratsynthese, eine verminderte Aminosäurebiosynthese, ein erhöhter Sulfattransport, ein erhöhter oxidativer Stress sowie ein erhöhtes Typ-II-Sekretionssystem (Sekretion von Toxinen) [18].


2.2. Alternative ernährungsmedizinische Ansätze zu CDED plus PEN

Infobox 2

Die EEN gilt als Goldstandard für die Remissionsinduktion bei pädiatrischen MC-Patienten. Im Rahmen der alternativen Ernährungstherapien wie z. B. CDED plus PEN, PEN, CD-Treat, Mediterrane Diät, FODMAP-arme Ernährung und spezifische Kohlenhydratdiät (SCD) hat nur CDED plus PEN hinreichend reproduzierbar ein zur EEN vergleichbares Ansprechen gezeigt.

Kommentar zur Infobox 2:

Die beschriebenen Ernährungstherapien unterscheiden sich in der Dauer der Behandlung, den induzierten Ergebnissen und der Zusammensetzung der Nahrung (siehe Infobox 2) [11] [19] [20].

  1. EEN: EEN gilt als Goldstandard für die Primärbehandlung von pädiatrischen MC-Patienten mit leichter bis mittelschwerer luminaler Erkrankung. EEN besteht aus einer Trink- und/oder Sondennahrung, die alle Ernährungsbedürfnisse abdeckt und für 6–8 Wochen alle anderen Nahrungsmittel ausschließt. Die Daten zur Effektivität der EEN wurden in mehreren Metaanalysen untersucht und zeigten ein klinisches Ansprechen, das mindestens dem der Steroide entspricht (18 Studien, N = 1329, Odd Ratio (OR) = 1,35, 95 % Konfidenzintervall (CI): 0,90–2,10, zugunsten der EEN; p = 0,14), wobei die meisten Studien eine signifikante Remissionsrate von 80–85 % erwiesen [21]. Gemäß bereits publizierter Studien führt die EEN bei Patienten mit ilealem oder ileokolischem Befall im Vergleich zu solchen mit isoliertem Kolonbefall zu einer deutlich nachhaltigeren Remission [22] [23]. Allerdings stellt die EEN für Patienten und Familien eine große Herausforderung dar, insbesondere aufgrund der Geschmacksmonotonie und der hohen Kosten.

  2. PEN: Im Gegensatz zur EEN werden bei der PEN weniger als 80 % des täglichen Kalorienbedarfs durch eine spezielle Flüssignahrung gedeckt. Die Wirksamkeit von PEN zur Remissionsinduktion bei MC Patienten wird durch die derzeitige Datenlage nicht belegt. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass PEN zur Remissionserhaltung bei pädiatrischer MC-Patienten eingesetzt werden kann [24].

  3. CD–Treat: Es handelt sich um eine individualisierte Diät, die die Zusammensetzung der EEN in Form von fester Nahrung nachahmt und vollständig auf flüssige Nahrung verzichtet. Es ist glutenfrei, laktosefrei, alkoholfrei und reich an anderen Makronährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Die Diät zeigte positive Effekte auf das Mikrobiom, in einer kleinen Pilotstudie am Menschen. In diese Pilotstudie wurden 5 Kinder mit aktivem MC und 25 gesunde Erwachsene eingeschlossen. Bei 4 von 5 Kindern (80 %) wurde ein klinisches Ansprechen und bei 3 (60 %) eine Remission nach 8 Wochen CD-Treat-Diät beobachtet, begleitet von einer signifikanten Abnahme des fäkalen Calprotectins. Die Wirksamkeit von CD-Treat muss jedoch im Rahmen von groß angelegten randomisierten und kontrollierten Studien weiter überprüft werden [25].

  4. Mediterrane Ernährung (MD): Besteht aus einem gesteigerten Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkornprodukten und Olivenöl. Sie beinhaltet einen mäßigen Fischverzehr und wenig gesättigte Fette, Fleisch und Milchprodukte. Es gibt keine ausreichenden Daten, um die Rolle von MD bei der Remissionsinduktion oder Remissionserhaltung bei MC zu unterstützen. MD kann derzeit nicht für die Behandlung von CED empfohlen werden, solange keine weiteren prospektiven Daten oder randomisierten kontrollierten Studien vorliegen.

  5. FODMAP-arme Ernährung: Die Abkürzung FODMAP steht für fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie (und) Polyole und beschreibt eine Gruppe von kurzkettigen Kohlenhydraten und sogenannte Zuckeralkohole. Diese Diät ist a.e. für Patienten mit Reizdarmsyndrom geeignet, da die FODMAPs erst durch die Dickdarmbakterien fermentiert (abgebaut) werden und dadurch die Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Stuhlveränderungen verbessern. Bei MC-Patienten führt diese Diätform zu einer Besserung der oben genannten Beschwerden, ohne jedoch die Entzündungsaktivität im Darm zu reduzieren [26].

  6. Spezifische Kohlenhydratdiät (specific carbohydrate diet, SCD): Basiert auf dem Ausschluss von komplexen Kohlenhydraten und verarbeiteten Lebensmitteln. Diese Diätform wurde bisher nur in Fallserien und kleinen retrospektiven Studien bei pädiatrischen Patienten mit MC untersucht. Dabei konnte eine Verbesserung der Symptome und eine mukosale Verbesserung, sowie Veränderungen des Stuhlmikrobioms nachgewiesen werden [27] [28]. Es gibt jedoch noch keine hinreichende Evidenz für den Einsatz von SCD in der Regelversorgung.

  7. Tasty & Healthy Diet (T&H): Bei der T&H werden die Mahlzeiten nach einem speziellen Kochbuch zubereitet und dabei rotes Fleisch, prozessierte/abgepackte Nahrung, Milchprodukte (außer reinem Joghurt) und Gluten gemieden. Daten zu T&H zeigen bei aktivem MC eine vergleichbare Effektivität wie die EEN bezüglicher klinischer und laborchemischer Remission, aber eine besseren Toleranz bzw. Adhärenz. Auch bei subklinischer Entzündungsaktivität ist eine 8-wöchige T&H gegenüber der gewohnten Ernährung wirksam zur Remissionsinduktion. Zudem scheint T&H auch eine effektive Behandlungsoption für eine mehrmonatige Erhaltungstherapie darzustellen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass T&H eine wirksame, sichere und vor allem besser tolerierte Alternative zu restriktiveren Ernährungstherapieoptionen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit mildem bis mittelschwerem MC darstellen könnte. Diese Daten wurden auf den Jahrestagungen der UEG (2024) und ECCO (2025) vorgestellt und sind inzwischen publiziert [29].


2.3. Grundlagen der CDED

Die CDED ist derzeit nach der EEN die klinisch am besten dokumentierte Diät zur Behandlung von MC-Patienten mit leichter bis mittelschwerer Entzündungsaktivität, definiert durch den pädiatrischen Morbus-Crohn-Aktivitätsindex PCDAI (Remission: < 10, leicht: 10–30, mittel-/schwer: > 30). Die Wirksamkeit der CDED beruht ähnlich der EEN auf drei Hauptmechanismen: 1. die Wiederherstellung der gestörten Darmbarriere. 2. Verhinderung der Adhärenz und Translokation von Bakterien. 3. Modifizierung des gastrointestinalen Mikrobioms. Die CDED ist eine standardisierte Diät, bei der Nahrungsmittelbestandteile ausgeschlossen werden, die in der westlichen Ernährung reichlich vorhanden sind und bekanntermaßen die Barrierefunktion beeinträchtigen und eine Dysbiose hervorrufen können [30] [31]. Die Patienten, die mit CDED plus PEN behandelt wurden, zeigten eine signifikante Reduktion der Proteobacteria und Actinobacteria in der 6. Woche bei gleichzeitiger Zunahme der Firmicutes. Darüber hinaus zeigte sich bei den Patienten nach Beendigung der EEN (Woche 12) wieder eine Zunahme der Proteobacteria [31]. Zwei prospektive klinische Studien, veröffentlicht von Ghiboub et al. in den Jahren 2022 und 2023, haben den positiven Einfluss von CDED plus PEN sowie EEN auf die Darmmikrobiota von pädiatrischen CED-Patienten deutlich hervorgehoben. Zudem konnten sie deren Wirkung auf den Stoffwechsel bestätigen. Metabolite im Stuhl wie Kynurenin, Ceramide, Melatonin, N-Acetylserotonin, 5-OH-Tryptophan, verschiedene Aminosäuren und andere, zeigten während der Remissionsphase bei pädiatrischen MC-Patienten unter CDED plus PEN und EEN signifikante Veränderungen. Diese metabolischen Anpassungen waren jedoch bei Patienten, die EEN erhielten, nicht nachhaltig [32] [33].


2.4. Durchführung der CDED

Die CDED plus PEN wird in drei Phasen mit jeweils unterschiedlicher Lebensmittelauswahl durchgeführt. In jeder Phase sind Trinknahrungen in unterschiedlichen Anteilen fester Bestandteil der Ernährung (siehe [Abb. 2] oben). Hierbei werden die ersten beiden Phasen als Induktionsphase und die dritte Phase als Erhaltungsphase bezeichnet. Die Zusammenarbeit mit einer in CDED geschulten Ernährungsfachkraft wird dabei dringend empfohlen, um eine günstige Lebensmittelzusammenstellung aber auch die altersentsprechende Nährstoff- und Kalorienzufuhr zu gewährleisten. In der ersten Phase werden 50 % des Kalorienbedarfs durch flüssige Trinknahrung gedeckt, die restlichen 50 % durch eine erhöhte Zufuhr von Obst, Gemüse und resistenter Stärke bei gleichzeitiger Reduktion von tierischen und gesättigten Fetten, glutenhaltigen Getreiden und Emulgatoren [31].

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Abb. 2 Die CDED plus PEN besteht aus 3 Phasen. [31].

Empfohlene, leicht verdauliche Lebensmittel, wie Hühnereier, Hühnerbrust, Kartoffeln (gekocht und abgekühlt, weil sie dann die für die Darmbakterien wertvolle resistente Stärke enthalten), Äpfel und Bananen werden hinzugefügt. Durch diese ausgewählte Lebensmittelzusammenstellung wird einerseits die hohe Aufnahme von löslichen Ballastoffen (wie z. B. Stärke, Cellulose, Lignin) mit gleichzeitiger Minimierung der unlöslichen Ballaststoffe (wie z. B. Beta-Glucane, Pektin, Inulin) begünstigt und anderseits die Produktion der kurzkettigen Fettsäuren durch resistente Stärke gefördert. Die kurzkettigen Fettsäuren dienen als wichtige Energiequelle für die Enterozyten im Dickdarm, sie haben einen positiven Einfluss auf die gestörte Darmbarrière u. a. durch den direkten fördernden Einfluss auf Tight-Junctions und die Expression von Occludin, Claudin-1, ZO-1 und ZO-2 (Transmembranproteine, die Durchlässigkeit von Epithel- und Endothelbarrieren regulieren) [34].

In der zweiten Phase der CDED plus PEN werden Nahrungsmittel, die potenziell schädliche Substanzen enthalten, in kleinen Mengen wieder eingeführt. Dazu gehören Gluten, fetter Fisch, rotes Fleisch und Hülsenfrüchte. Zusätzlich ist eine höhere Ballaststoffzufuhr erlaubt. Dementsprechend wird der Anteil an flüssiger Formula-Nahrung auf 25 % des Energiebedarfes reduziert. Ziel ist eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Stabilisierung der Remission. In [Tab. 1] sind die erlaubten Lebensmittel inklusive Mengenangaben aufgelistet [35].

Tab. 1

Erlaubte Lebensmittel inklusive Mengenangaben (Induktionsphasen 1 + 2) [35].

Vorgeschriebene Lebensmittel (Phasen 1 und 2)

Gruppe von Lebensmitteln

Erlaubt in Phase 1

(Woche 1–6)

Zusätzlich erlaubt in Phase 2

(Woche 6–12)

Getreide

weißer Reis, Reismehl und Reisnudeln (in unbegrenzten Mengen)

½ Tasse Haferflocken, Vollkornbrot 1 Scheibe/Tag, ½ Süßkartoffeln/Tag (ersetzt 1 Kartoffel) Quinoa (unbegrenzt)

Fleisch Fisch

anstelle von Hühnerbrust, einmal pro Woche eine Portion mageren weißen Fisch

Einmal pro Woche eine Portion Thunfisch in Raps- oder Olivenöl, mageres Rindersteak (max. 200 g) pro Woche

Gemüse

2 Tomaten oder 6 Kirschtomaten, 2 Gurken (geschält), 1 Karotte, frischer Spinat (eine Tasse/d), 3 Salatblätter einmal täglich

schrittweise Einführung neuer Gemüsesorten (vorerst solche, die weniger Ballaststoffe enthalten):

Zucchini (1 große oder 2 kleine) 4–6 frische Pilze, 2 Röschen Brokkoli oder Blumenkohl, ab Woche 10: alle Gemüsesorten (außer Kohl, Lauch, Spargel, Artischocke und Sellerie)

Früchte

1 Avocado (1 pro Tag; max. ½/Mahlzeit), 5 reife Erdbeeren/d, 1 Scheibe Melone/d (Honigmelone)

schrittweise Einführung von neuen Früchten:

1 Avocado/Tag (nicht mehr als ½ Avocado pro Mahlzeit), 1 Birne, Pfirsich oder Kiwi/Tag, 10 Heidelbeeren, Ab Woche 10: alle Früchte- und Obstsorten (außer Passionsfrucht, Granatapfel, Kaktus, Kaki)

Fette

Olivenöl Rapsöl

Zucker und Süßigkeiten

Honig (3 Teelöffel pro Tag) oder Zucker (4 Teelöffel pro Tag)

Flüssigkeiten

Mineralwasser, Kräutertee (vorzugsweise aus frischen Blättern), 1 Glas frisch gepresster Orangensaft

Geschmackzutaten

Salz, Pfeffer, Paprika, Zimtstange, Kurkuma, frische Kräuter: Oregano, Koriander, Rosmarin, Salbei, Basilikum, Thymian, Dill, Petersilie, frische Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer, frisch gepresste Zitronen

Nüsse

Mandeln oder Walnüsse (ungesalzen, nicht geröstet, unverarbeitet) 6–8 Stück pro Tag

Rohes Tahini (ohne Emulgatoren und Sulfite) – 2 Teelöffel pro Tag

Hülsenfrüchte

Linsen, Erbsen, Kichererbsen oder Bohnen ½ Tasse, gekocht/Tag

In der dritten Phase (Erhaltungsphase, ab Woche 13) sollten die Patienten nach dem Prinzip der kontrollierten Exposition gegenüber Nahrungsbestandteilen vorgehen, die sich potenziell negativ auf die Pathogenese und den Krankheitsverlauf auswirken. Daher sollten sie ihre Mahlzeiten auf der Grundlage der in Phase 2 zugelassenen Produkte und ausgewählter zusätzlicher Produkte an fünf Tagen pro Woche zusammenstellen. Außerdem wird der Verzehr verarbeiteter und tiefgekühlter Lebensmittel (z. B. verarbeitetes Fleisch, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, gesüßte Getränke) vermieden. Auch in dieser Phase werden 25 % des Energiebedarfs durch flüssige Nahrung gedeckt. Diese 3. Phase kann lebenslang durchgeführt werden. Eine Übersicht über die Lebensmittel bzw. Mahlzeiten, die während der CDED-Erhaltungsphase zusätzlich verzehrt werden können, ist in [Tab. 2] dargestellt [35].

Tab. 2

Zusammenfassung der Lebensmittel während der Erhaltungsphase [35].

Erlaubte Lebensmittel an 5 Tagen pro Woche

Beispiele für Produkte, die an 2 Tagen pro Woche erlaubt sind

Frühstück (z. B.)

Abendessen (z. B.)

Hühnerfleisch (außer Haut oder Innereien)

frische Meeresfrüchte, Lachs (einmal pro Woche) – 1 Portion

2 Scheiben Vollkornbrot (ohne Hefe) oder

1 Portion Nudeln pro Tag

alle Gemüsesorten außer Lauch, Sellerie und große Mengen Grünkohl

alle Früchte (auch Trockenfrüchte, ohne Sulfite) außer Passionsfrucht, Granatapfel, Kaktus, Kaki

– 1 Tasse schwarzer Kaffee (kein Instantkaffee) oder Tee

jede Brotart – Milch, Käse

Crêpes

Marmeladen

1 Schale Müsli mit Milch

Steaks, Burger, Schweinefleisch, Meeresfrüchte, Fisch, d. h. Lachs und Thunfisch,

alle Arten von Nudeln

Milchprodukte

1 Portion hausgemachte Süßspeisen (z. B. Kuchen) oder eine Kugel Speiseeis

Kakao/Bitterschokolade

*Verbotene Lebensmittel: stark verarbeitete Lebensmittel, Softdrinks, aber auch einzelne Gemüse wie zum Beispiel Lauch, roher Sellerie oder Obst wie Kaki o. Granatapfel.



3. Wirksamkeit der CDED/Ergebnisse

Infobox 3

CDED + EEN kann bei MC-Patienten mit leichter bis mittelschwerer Entzündungsaktivität zur Remissionsinduktion führen.

Kommentar zur Infobox 3:

In einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studie wurden 47 Patienten (Durchschnittsalter 16 ± 5,6 Jahre) eingeschlossen, davon 34 Kinder und Jugendliche, die 6 Wochen lang 50 % Formulanahrung und 50 % feste Nahrung nach den Vorgaben der CDED plus EEN erhielten. Einschlusskriterien waren ein PCDAI (Kinder) > 10, ein Harvey Bradshaw Index (Erwachsene) > 3 und Hinweise auf einen aktiven MC (erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) oder Koloskopiedaten). Die Ergebnisse der Studie waren vielversprechend: 13/21 Patienten (61,9 %) erreichten nach 6 Wochen Therapie eine klinische Remission (primärer Endpunkt) und 37/47 (78,7 %) ein klinisches Ansprechen (siehe Infobox 3) [8].

Infobox 4

Bei Patienten mit Biologika-refraktärem Verlauf kann eine Kombination aus CDED und partieller enteraler Ernährung (PEN) als Rescue-Therapie erwogen werden [36] [37].

Kommentar zur Infobox 4:

Eine weitere retrospektiv angelegte Studie von Sigall-Boneh et al. (2017) umfasste 11 Erwachsene und 10 Kinder, bei denen die Behandlung mit Biologika (Adalimumab und Infliximab), trotz Dosiseskalation oder Kombinationstherapie, versagte. Zur Remissionsinduktion erhielten sie CDED + PEN für insgesamt 12 Wochen. Klinisches Ansprechen und klinische Remission (definiert mit Harvey Bradshaw Index < 5) wurden in Woche 6 bei 90 % bzw. 62 % der Patienten beobachtet. Die Autoren beschreiben auch 18 Patienten, die nur CDED (ohne PEN) erhielten, von denen 77 % eine klinische Remission erreichten (14 Patienten) (siehe Infobox 4) [36]. Eine aktuelle pädiatrische Real-Life-Studie von Scarallo et al. (2024) ergänzt diese Daten und zeigt, dass CDED in Kombination mit PEN auch im klinischen Alltag zuverlässig wirkt – selbst bei Kindern mit schwerem Verlauf oder unzureichendem Ansprechen auf andere Therapien. Zudem deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass Kinder, die bereits früh unter der Diätanwendung Verbesserungen zeigten, später mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Remission erreichten [37].

Infobox 5

CDED + PEN kann als Alternative zur EEN sowohl zur Remissionsinduktion als auch zur Erhaltungstherapie bei MC-Patienten mit leichter bis mittelschwerer luminaler Entzündungsaktivität eingesetzt werden.

Kommentar zur Infobox 5:

Um die Wirksamkeit einer CDED plus PEN mit einer EEN zu vergleichen, wurde 2019 die erste multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie durchgeführt, in die insgesamt 78 Kinder mit einer leichten bis mittelschweren Form der MC-Erkrankung (PCDAI zwischen 10 und 40) aus Israel und Kanada mit einem Durchschnittsalter von 14,2 Jahren eingeschlossen wurden [31]. Die Teilnehmenden wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe (n = 40) erhielt für 6 Wochen CDED plus 50 % Formula-Trinknahrung, gefolgt von weiteren 6 Wochen mit 25 % Formula-Trinknahrung der Gesamtkalorien. Die andere Gruppe (n = 34) erhielt nur EEN für 6 Wochen, gefolgt von freier Nahrungswahl. Alle Patienten wurden in regelmäßigen Abständen (zu Beginn, nach 3, 6 und 12 Wochen) klinisch und laborchemisch (CRP, BSG, Albumin und Calprotectin im Stuhl) untersucht. Zusätzlich wurde eine 16 S-ribosomale RNA-Sequenzierung des Mikrobioms aus Stuhlproben zu Beginn und nach 3 Wochen durchgeführt, sowie die intestinale Permeabilität mit Hilfe des Lactulose-Mannit-Tests bestimmt. Ausgeschlossen waren Patienten mit extraintestinaler Manifestation, perianaler Erkrankung und Patienten, die kürzlich eine Steroidtherapie oder eine Einführung/Dosisanpassung von Immunmodulatoren oder Biologika erhielten. Der primäre Endpunkt der Studie war die Verträglichkeit der Diät, und sekundäre Endpunkte waren die klinische Remission in Woche 6 (definiert als (PCDAI) unter 10) und die kortikosteroidfreie Remission in Woche 12. In Woche 6 waren 30 (75 %) der 40 Kinder in Gruppe 1 in kortikosteroidfreier Remission, verglichen mit 20 (59 %) der 34 Kinder in Gruppe 2. In Woche 12 waren 28 (75,6 %) von 37 Kindern der Gruppe 1 in steroidfreier Remission im Vergleich zu 14 (45,1 %) von 31 Kindern der Gruppe 2. Darüber hinaus zeigte die CDED + PEN im Vergleich zur EEN eine bessere Verträglichkeit (97,5 % vs. 73,7 %, p = 0,02) und eine höhere Compliance (82,5 % vs. 76,5 %, p = 0,52). Auch hinsichtlich der Mikrobiota zeigten sich in beiden Gruppen positive Veränderungen (Zunahme der Actinobacteria und Abnahme der Proteobacteria), wobei es in Gruppe 2, 12 Wochen nach EEN, zu einer erneuten Zunahme der Proteobacteria kam. Zusammenfassend konnte kein signifikanter Unterschied in der Wirksamkeit zwischen CDED plus PEN und EEN festgestellt werden, sodass CDED + PEN als alternative Ernährungstherapie sowohl zur Remissionsinduktion als auch zur Erhaltungstherapie bei MC-Patienten mit leichter bis moderater Entzündungsaktivität evidenzbasiert empfohlen werden kann [31]. In einer Post-hoc-Analyse der oben genannten RCT-Kohorte zeigten über 80 % der Patienten, die bis Woche 6 eine Remission erreichten, bereits nach drei Wochen eine klinische Besserung. Dieses frühe Ansprechen weist auf einen ernährungsabhängigen Phänotyp hin, der potenziell frühzeitig identifiziert werden kann. Die frühe klinische Reaktion könnte dabei helfen, gezielt „diät-responsive“ Patienten zu erkennen und so eine individualisierte Ernährungstherapie zu ermöglichen [38].

Eine weitere klinische Studie von Małgorzata Matuszczyk et al. (48 Kinder) konnte zeigen, dass eine 12-wöchige Behandlung mit CDED + PEN zu einer signifikanten Abnahme des fäkalen Calprotectinwerts führte. Außerdem waren alle Patienten mit normalem fäkalen Calprotectinwert in Woche 12 in klinischer Remission und 94 % von ihnen wiesen auch normale CRP-Werte auf [39].

Über ihre Erfahrungen mit CDED im Vergleich zu EEN in einer Gruppe von 61 pädiatrischen Patienten berichteten Niseteo et al. (2021) [38]. In dieser Studie erhielten 21 (alle unbehandelt) MC-Patienten EEN und 20 (18 unbehandelt, 2 nach Verschlechterung) CDED, gefolgt von 1 bis 2 Wochen EEN. Die Gesamtzahl der Patienten, die eine Remission erreichten, betrug 42 (68,9 %), ohne Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Allerdings zeigte die Gruppe der CDED + PEN-Patienten eine signifikant höhere Gewichtszunahme und einen Anstieg des Body-Mass-Index z-score im Vergleich zu EEN allein (siehe Infobox 5).

Seit 2021 wurden noch sechs weitere Studien zur Anwendung von CDED bei erwachsenen Patienten mit MC veröffentlicht, die vergleichbare Ansprech- und Remissionsraten wie bei Kindern zeigten [41] [42] [43] [44] [46] [47] [48]. In [Tab. 3] werden die Charakteristiken der ausgewählten Studien zusammengefasst [49].

Tab. 3

Zusammenfassung der publizierten Evidenz für CDED plus PEN bei Kindern und Erwachsenen [49].

Studie

Studienpopulation

Studiendesign

Interventionsgruppe

Ergebnisse

Sigall Boneh (2014) [8]

47 Kinder – Jugendliche

Klinische Studie

CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED plus 25 % PEN für weitere 6 Wochen

Klinisches Ansprechen und Remission in Woche 6: 79 % bzw. 71 %.

Sigall Boneh

(2017)

[36]

21 Kinder – Erwachsene

Retrospektive, Nicht-randomisierte Interventionsstudie

CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED plus 25 % PEN für weitere 6 Wochen.

*In schweren Fällen: Beginn mit EEN für 2 Wochen und Fortsetzung mit CDED plus PEN

Endpunkt: 12 Wochen

Remission nach Therapieversagen mit Biologika.

Klinisches Ansprechen und Remission bei 90 % bzw. 62 %

Verbesserung der Entzündungsmarker in Woche 6.

Levine (2019) [31]

78 Kinder

Randomisiert,

klinische Studie

Gruppe 1: CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED mit 25 % PEN für weitere 6 Wochen;

Gruppe 2: EEN für 6 Wochen, gefolgt von einer freien Diät mit 25 % PEN für weitere 6 Wochen

Endpunkt: 12 Wochen

CDED plus PEN wurde besser toleriert als EEN

Gruppe 1: 75 % klinische Remission in Woche 6

Gruppe 2: 59 % klinische Remission in Woche 6

CDED + PEN war nach 12 Wochen in allen klinischen Parametern der Gruppe mit EEN überlegen.

Levine

(2020) [49]

4 Kinder

Fallbeispiele

CDED plus PEN

> 3 Jahre

Fall 1 und 2: CDED plus PEN: Wirksame Monotherapie bei unkomplizierter, leichter bis mittelschwerer CD mit dauerhafter Remission von mehr als einem Jahr.

Fall 3: Nach Remissionsinduktion mit 8/52 EEN, Antibiotika und Anti-TNF ist CDED plus PEN als kombinierte Erhaltungstherapie wirksam. Verschwinden der Fistel und perianalen Erkrankung nach 4 Monaten.

Fall 4: CDED und PEN wirksam als Rescue-Therapie bei refraktären Patienten. Erneutes Ansprechen auf Biologika und anhaltende Remission nach 5 Monaten

Sigall Boneh

(2021) [38]

73 Kinder

Randomisierte

Multizentrische Studie

Gruppe 1: CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED mit 25 % PEN für weitere 6 Wochen;

Gruppe 2: EEN für 6 Wochen, gefolgt von einer freien Diät mit 25 % PEN für weitere 6 Wochen

Endpunkt: 6 Wochen

Beide Gruppen (CDED und EEN): schnelles Ansprechen in Woche 3 (82 % bzw. 85 %).

Scarallo 2021 [55]

5 Kinder

Fallbeispiele

CDED plus PEN oder nur CDED

Endpunkt: 52 Wochen

Sowohl für die Induktions- als auch für die Erhaltungsmonotherapie ist CDED mit oder ohne PEN eine sichere und wirksame Therapieoption.

Niseteo (2021) [40]

61 Kinder

Retrospektive Kohortenstudie

2 Interventionsgruppen: EEN und CDED + PEN. In der CDED plus PEN-Gruppe erhielten 80 % der Patienten zunächst 1–2 Wochen EEN.

Endpunkt: 6–8 Wochen

CDED + PEN führte zu einer Remissionsrate von 75 %.

Genauso wirksam wie EEN bei der Remissionsinduktion und Gewichtszunahme.

Małgorzata Matuszczyk et al.

(2022) [39]

48 Kinder

Nicht-randomisierte Interventionsstudie

CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED plus 25 % PEN für weitere 6 Wochen

Endpunkt: 12 Wochen

Nach der 12. Woche war das fäkale Calprotectin negativ.

Stein (2022)

[51]

18 Kinder und Erwachsene (13–23 Jahre alt)

Prospektive Studie

Diäten nach Absetzung von Immunmodulatoren oder Anti-TNF

Gruppe 1: CDED plus PEN

Gruppe 2: Freie Diät

Endpunkt: 52 Wochen

Zwischen der CDED- (5/9; 55,6 %) und der freien Diätgruppe (5/7; 71,4 %) bestand kein signifikanter Unterschied in der 52-Wochen-Remissionsrate (p = .63).

Martin-Masot (2023) [53]

15 Kinder

Prospektiv zur Bewertung von Änderungen der Ernährungsgewohnheiten bei CDED und der Einhaltung der Vorschriften nach 1 Jahr

Endpunkt: 52 Wochen

Durch die CDED-Behandlung wurde der Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) reduziert und die Einhaltung der mediterranen Diät verbessert.

María Clara Jijón

Andrade (2023) [57]

15 Kinder

*Therapieversagen auf Biologika

Retrospektives Nicht-randomisierte Interventionsstudie

CDED + PEN

Endpunkt: 24 Wochen

CDED + PEN bei 15 Patienten Remission in Woche 6 und 12.

87 % der Patienten im Vergleich zu 67 % der Patienten, die nicht mehr auf die Biologika ansprachen, hatten in Woche 24 eine anhaltende Remission.

Bei therapienaiven Patienten verbesserten sich FCP und Albumin in Woche 6, 12 und 24 (P <.05). Bei Patienten, die nicht mehr auf Biologika ansprachen, war die FCP-Abnahme nicht signifikant.

Szezubelek

(2021) [48]

32 Erwachsene

Erfahrungen aus der Anwendung

CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED plus 25 % PEN für weitere 6 Wochen

Endpunkt: 12 Wochen

Klinische Remission nach 6 Wochen bei 76,7 % und nach 12 Wochen bei 82,1 % der Patienten.

Fäkales Calprotectin war rückläufig.

Yanai (2022) [41]

44 Erwachsene

Pilotstudie

Gruppe 1: CDED plus PEN

Gruppe 2: CDED allein für 24 Wochen.

Endpunkt: 24 Wochen

Gruppe 1: klinische Remissionsrate von 68 % in Woche 6

Gruppe 2: klinische Remissionsrate von 57 % in Woche 6

80 % der Patienten, die in Woche 6 in Remission waren, hielten die Remission bis Woche 24 aufrecht.

Fliss Isakov (2023) [43]

8 Erwachsene

Nicht-randomisierte, nicht-kontrollierte, offene, Pilotstudie

CDED plus 50 % PEN für 6 Wochen, gefolgt von CDED plus 25 % PEN für weitere 6 Wochen

Endpunkt: 12 Wochen

Klinische Remission (cPDAI Subscore 2) wurde bei 66,7 %, 60 % bzw. 46,7 % der Patienten nach 6, 12 bzw. 24 Wochen erreicht

Fliss-Isakov et al. (2023) [44]

72 Erwachsene

Retrospektiv

CDED als alleinige oder primäre Therapieoption, Endpunkt: Remissionsinduktion und -erhaltung in Woche 12 (HBI < 5)

Klinische Remission Woche 12: 62,5 %; Remissionserhaltung Woche 12: 83,3 %

Scarallo et al. (2024) [37]

66 Kinder und Jugendliche

Retrospektiv

Klinische Remission nach Phase 1

Klinische Remission nach Phase 1: 69,7 %

  • Patienten mit extraintestinalen Manifestationen: geringere Erfolgsrate

  • Höhere Erfolgsrate bei Patienten mit vorangegangener erfolgreicher EEN

Urlep et al. (2023) [45]

33 Kinder

  • 14 in der PEN + modifizierte CDED-Gruppe

  • 19 in der EEN-Gruppe

Prospektive Kohortenstudie

Endpunkte: Klinisches und endoskopisches Ansprechen sowie Remission in Woche 6

  • Endoskopisches Ansprechen: 84,6 % (PEN+mCDED) vs. 68,8 % (EEN)

  • Endoskopische Remission (SES-CD < 2): 53,8 % vs. 50,0 %

Meir et al. (2025) [47]

40 Erwachsene > 60 Jahre

Retrospektiv

Endpunkt: Remissionsinduktion und -erhaltung in Woche 12

  • Verbesserung des HBI von Median 11 → 7 in Woche 12

  • Remissionserhaltung ebenfalls effektiv

Pasta et al. (2025) [46]

45 Erwachsene

Randomisierte Studie

(24 CDED vs. 21 mediterrane Diät), Endpunkte: Woche 12 und 24 – BMI, HBI, fäkales Calprotectin, BIA

  • Signifikant höhere Remissionsraten in der CDED-Gruppe

  • BMI-Abnahme überwiegend durch Fettverlust (BIA)

Abkürzungen: RCT, randomized controlled trial; CDED, Crohnʼs disease exclusion diet; PEN, partial enteral nutrition; EEN, exclusive enteral nutrition; CDAI, Crohnʼs disease activity index; cPDAI, clinical Pouchitis Disease Activity Index; IBDQ, IBD quality of life; mPDAI, modified Pouchitis Disease Activity Index; HBI, Harvey Bradshaw Index; FCP, Fecal calprotectin.


4. CDED plus PEN zur Remissionserhaltung

Infobox 6

CDED plus PEN kann zur Remissionserhaltung bei MC-Patienten eingesetzt werden. Die aktuellen Daten sind jedoch auf einen Zeitraum von 24 Wochen beschränkt.

Kommentar zur Infobox 6:

Die publizierten Daten für CDED zur Remissionserhaltung bei MC Patienten sind begrenzt [55]. Die Studie von Yanai et al. Im Jahre 2022 konnte ebenfalls zeigen, dass die CDED mit oder ohne partielle enterale Ernährung bei Erwachsenen mit leichtem bis mittelschwerem Morbus Crohn wirksam ist, um eine Remission zu induzieren und aufrechtzuerhalten, sowie auch zu einer endoskopischen Remission zu führen. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass CDED ohne PEN nahezu identische Ergebnisse wie CDED plus PEN erzeugt [41].

In einer prospektiven Studie wurden 18 Patienten mit MC (13–21 Jahre) in klinischer Remission nach Absetzen einer Immunmodulator- (n  =  7) oder Anti-TNFα-Monotherapie (n  =  11) über 52 Wochen nachbeobachtet. Die Teilnehmenden folgten entweder der CDED oder einer freien Diät. Primärer Endpunkt war eine anhaltende, medikamentenfreie Remission (fäkales Calprotectin < 250 µg/g). Nach 52 Wochen wiesen 65 % der Patienten eine anhaltende Remission auf [51].

In einer randomisierten klinischen Studie (DIETOMICS-CD-Studie) wurden die Langzeitergebnisse von CDED + PEN mit EEN über 24 Wochen verglichen. Die erste Gruppe erhielt CDED plus EEN nach 1 bis 2 Wochen EEN und die zweite Gruppe bekam 8 Wochen EEN gefolgt von freier Kost. In Woche 24 waren 60 % der Patienten der ersten Gruppe und 42 % der Patienten der zweiten Gruppe in klinischer Remission [52].

Martin – Masot et al. analysierten 2023 die Ernährungsgewohnheiten von pädiatrischen CD-Patienten, die mit CDED behandelt wurden, in der 52. Woche und zeigten eine signifikante Veränderung in Bezug auf die Aufnahme von Obst, Gemüse, Ballaststoffen und Eisen im Vergleich zu den Ernährungsgewohnheiten dieser Patienten vor der Diagnose der Krankheit [53]. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten von entscheidender Bedeutung ist.

Um CDED als Langzeittherapie zur Remissionserhaltung bei Patienten mit MC einzusetzen, müssen eine Reihe von Aspekten berücksichtigt werden. Zum einen ist es erforderlich, dass die Patienten und ihre Familienmitglieder ausführlich über CDED plus PEN aufgeklärt und bei der Durchführung der Diät unterstützt werden. Zum anderen ist der richtige Zeitpunkt für die Umstellung von einer stark limitierenden auf eine freie Lebensmittelauswahl ebenfalls essenziell, um eine vermeidende/restriktive Essstörung (ARFID) zu verhindern [49].


5. Indikation für CDED plus PEN

Infobox 7

Die CDED plus PEN kann bei pädiatrischen und erwachsenen MC-Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Dünndarmbefall eingesetzt werden. Basierend auf Daten von Erwachsenen und einer begrenzten Anzahl an Auswertungen bei Kindern kann die CDED plus PEN bei Patienten mit refraktärem bzw. schwerem MC als adjuvante Therapie in Kombination mit Biologika angewendet werden.

Kommentar zur Infobox 7:

Aus den oben beschriebenen randomisierten kontrollierten Studien geht hervor, dass die CDED plus PEN die höchste Wirksamkeit bei leichten bis moderaten, unkomplizierten pädiatrischen MC-Patienten mit ileokolischer Beteiligung (L1 und L3 nach Paris Klassifikation des MC) und relativ kurzer Krankheitsdauer (a.e. Therapienaiv) aufweist. Neuere Studien haben ähnliche Indikationen bei erwachsenen Patienten bestätigt [31]. Es bleibt jedoch fraglich, ob die CDED für die Behandlung von Patienten mit schwerer Entzündungsaktivität, perianalen Fisteln und extraintestinalen Manifestationen empfohlen werden kann. Einige Erfahrungen deuten darauf hin, dass CDED bei Patienten mit schwereren Erkrankungen als ergänzende oder Überbrückungstherapie klinisch nützlich sein kann [43] [46]. In der Studie von Szczubełek et al. wurden beispielsweise vier Patienten (12,5 % der Kohorte) mit einer schweren Erkrankung (CDAI > 450) eingeschlossen, von denen drei (75 %) nach 12 Wochen CDED eine klinische Remission (CDAI < 150) erreichten [48]. Niseteo et al. berichteten 2021 über eine erfolgreiche Remission bei Kindern mit leichtem sowie auch schwerem MC nach zweiwöchiger EEN-Behandlung vor CDED + PEN [40]. In einem Fallbericht von Levine et al. berichteten sie über die Anwendung der CDED als Erhaltungstherapie nach Induktion mit EEN bei einem schwerwiegenden Fall mit Darmfistel, und Scarallo et al. beschrieben die Anwendung von CDED bei zwei Jungen mit schwerwiegender therapierefraktärer Krankheit [54] [55]. Die beiden Fallberichte verdeutlichen, dass die CDED plus PEN ein vielseitig einsetzbares Therapiekonzept darstellt – sowohl als Monotherapie, in Kombination mit medikamentösen Strategien, zur medikamentösen Deeskalation als auch als Rescue-Therapie bei therapierefraktären Verläufen.

Fliss et al. untersuchten in einer Pilotstudie die Wirksamkeit der CDED plus PEN bei Patienten mit Pouchitis. Die erwachsenen Patienten (n = 15) zeigten eine signifikante Verbesserung der klinischen Messwerte: 10 von 15 (66,7 %) erreichten bis Woche 6 eine klinische Remission und 6 von 15 (40,0 %) bzw. 7 von 15 (46,7 %) eine klinische und endoskopische Remission bis Woche 12 bzw. 24 [43].

Es gibt nur sehr wenig Literatur zum Thema Ernährung als Ergänzung zur Biologikatherapie. Die derzeit verfügbaren Daten konzentrieren sich auf PEN in Kombination mit Medikamenten. Eine Metaanalyse von 4 Studien mit insgesamt 342 erwachsenen Patienten ergab, dass eine Biologika Therapie (Infliximab) in Kombination mit einer PEN und einer fettarmen oder normalen Diät eher zu einer anhaltenden Remission nach einem Jahr führte als die biologische Therapie allein [56]. Allerdings war die Anzahl der Studien gering, die meisten waren retrospektiv und wurden alle in Israel durchgeführt. Sigall-Boneh et al. konnten, wie bereits beschrieben, zeigen, dass CDED plus PEN bei Patienten, bei denen eine Anti-TNF-Behandlung fehlgeschlagen war, zu einer Remissionsinduktion führte [36]. In einer retrospektiven Studie von Jijon Andrade et al. wurde ebenfalls die Wirksamkeit von CDED + PEN über einen Zeitraum von 24 Wochen bei 15 Patienten mit MC untersucht, von denen sechs nicht mehr auf Biologika angesprochen hatten. In der vorliegenden Studie wurden die Daten von 15 Patienten ausgewertet. Davon waren 9 Patienten zu Beginn der Behandlung mit CDED plus PEN therapienaiv (Gruppe A) und 6 Patienten hatten vor der Behandlung mit CDED plus PEN ein Therapieversagen mit Biologika gezeigt (Gruppe B). Bei allen Patienten der Gruppen A und B wurde in der Woche 6 eine klinische Remission beobachtet, die bis zur Woche 12 anhielt. Die klinische Remissionsrate in den Gruppen A und B betrug 87 % bzw. 60 % am Ende der Nachbeobachtungszeit (24 Woche) [57].

Ein möglicher Algorithmus zur Anwendung von CDED bei MC-Patienten wurde im Jahr 2023 von Sigall, Boneh et al. vorgestellt [49] ([Abb. 3]).

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Abb. 3 CDED-Algorithmus: Indikationen, Kontraindikationen und grundsätzliche Erwägungen [49]. * auf der Grundlage von Fallserien. ** in einigen Fällen wird von medizinischem Personal in Erwägung gezogen. *** normalerweise nicht zu empfehlen. ARFID: Avoidant/restrictive food intake disorder.
Infobox 8

Relative Kontraindikationen für CDED plus PEN nach bisherigem Verständnis sind

  • Strikturen/Stenosen oder vorherige chirurgischen Eingriffe

  • schwerer Schub oder schwerer Malnutrition

  • extraintestinalen Manifestationen, perianale Erkrankungen oder bestehende oder drohende Essstörungen bzw. ARFID

Kommentar zur Infobox 8:

Kontraindikationen (nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung) für den Einsatz der CDED konnten aus den Ein- und Ausschlusskriterien der oben beschriebenen randomisierten klinischen Studien abgeleitet werden. Ausschlusskriterien sind linksseitige Kolitis, aktive extraintestinale Manifestation, aktive perianale Erkrankung, vorangegangene chirurgische Eingriffe (z. B. Stenose) und Fieber > 38,5 °C [49]. Weitere kontrollierte Studien zu diesem Thema sind notwendig.

Für die erfolgreiche Umsetzung der CDED ist besonders wichtig, ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Ernährungswissenschaftlern und Psychologen zusammenzustellen. Um Patienten und Gesundheitsdienstleister in jeder Phase der CDED zu unterstützen, wurde im Jahr 2019 die Patientenplattform ModuLife von Nestle entwickelt. Modulife App. ist in 10 verschiedenen Sprachen verfügbar und bietet Schulungen für Experten unter: https://modulifexpert.com [58]. Es umfasst Vorträge, unterstützende Materialien und regelmäßig stattfindende Seminare, die das aktuelle Wissen über CDED ergänzen.


6. Limitationen der CDED

Infobox 9

Limitierende Faktoren der CDED + PEN sind:

  • Die Kosten für die Lebensmittel und Formula–Nahrung.

  • Die Zubereitung von Mahlzeiten kann zeitaufwendig sein.

  • Die aktuelle Betreuungssituation (z. B. regelmäßige ärztliche Kontrolle, intensive Zusammenarbeit mit Ernährungsberatern) ist nur an wenigen Orten hinreichend, Ausstattung und Abrechnung sind in der aktuellen Gestaltung des deutschen Gesundheitswesens nicht abbildbar

Kommentar zur Infobox 9:

Es ist notwendig, eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen, bevor eine CDED verordnet wird. Diese Faktoren umfassen eine detaillierte Ernährungsanamnese des Patienten im Hinblick auf ausgewogene Ernährung und Essstörungen, Koch- und Zubereitungsfähigkeiten der Familienmitglieder, persönliche Gewohnheiten und Auswirkungen der Ernährung auf die Lebensqualität [59]. Außerdem ist es wichtig, die Motivation der Patienten und deren Angehörigen in Betracht zu ziehen. Die Kosten für Spezialnahrung, einschließlich Formula-Nahrung, können für viele Familien ein wichtiger Faktor sein. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen keine Kosten für diätetische Ansätze und nur teilweise für die Ernährungsberatung im Rahmen einer Kostenerstattung. Die Kosten für PEN werden nur in Ausnahmefällen, wie etwa bei Mangelernährung, erstattet. In vielen anderen europäischen Ländern, darunter Österreich und die Schweiz, ist die Kostenübernahme durch die Krankenkassen hingegen oft unkomplizierter. In einem Review von Herrador-López et al. wurden in diesem Zusammenhang die Kosten für die Lebensmittel, die in den verschiedenen Phasen der CDED enthalten sind, analysiert und sie kamen zu dem Schluss, dass die CDED nicht teurer ist als die Lebensmittel, die eine Person in Spanien konsumiert und im Vergleich zur EEN kostengünstiger ist [60]. Einer der signifikanten limitierenden Faktoren für die CDED plus PEN ist, dass die Patienten bzw. Familienmitglieder viel Zeit für die Nahrungsvorbereitung investieren müssen.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Frage relevant, ob unterschiedliche Formulanahrungen innerhalb der CDED zu unterschiedlichen Ergebnissen führen – etwa solche, die preislich variieren oder unterschiedlich gut verfügbar sind. Die Studie von Landorf et al. (2024) zeigte jedoch, dass die Wahl der Formula keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg bei Kindern hat. Damit kann die Auswahl der Trinknahrung stärker an praktischen Kriterien wie Kosten, Geschmack oder Verfügbarkeit orientiert werden, ohne die Wirksamkeit der CDED zu beeinträchtigen [61].


7. Besondere Hinweise

CDED + PEN bei Vegetariern, Veganern und Allergikern

Studien bezüglich CDED + PEN bei MC-Patienten mit speziellen Ernährungsgewohnheiten, wie Vegetarier, Veganer und Allergiker sind spärlich und basieren hauptsächlich auf Praxis und persönlicher Erfahrung. Das Hauptproblem ist die Sicherstellung einer ausreichenden Protein- und Vitaminzufuhr (z. B. B12), insbesondere bei Kindern. Die CDED enthält tierische Proteinquellen, wie Hähnchenbrust und Eier. Um eine ausreichende Eiweißversorgung zu gewährleisten, sollte daher die Eiweißzufuhr berechnet und durch pflanzliche Eiweißquellen ergänzt werden. Erwachsene Patienten sollten nach den neuesten ESPEN-Leitlinien 1,2 bis 1,5 g/kg Protein während der aktiven Erkrankung und 1 g/kg in der Remission aufnehmen [62]. Diese Menge kann durch die Zugabe von Formula-Nahrung, die Konzentrierung der Nahrung auf bis zu 1,5 Kcal/ml, den Verzehr von Fisch und Eiklar erreicht werden. Bei Patienten, die sich vegan ernähren, sind die Möglichkeiten begrenzt und eine engmaschige Überwachung ist erforderlich. Hülsenfrüchte können ebenfalls als Proteinquelle verwendet werden, jedoch vorzugsweise in der zweiten Phase der Diät und nach klinischer Besserung. Individuelle Risikofaktoren, wie beispielsweise familiäre Hypercholesterinämie, sollten jedoch berücksichtigt und die Ernährung entsprechend angepasst werden.

Dringende Fragen in der aktuellen Forschung zum Thema CDED umfassen:

  • Welche Nahrungsmittel triggern Krankheitsaktivität? Sind diese interindividuell unterschiedlich? Wie können wir diese non-invasiv und im klinischen Alltag identifizieren?

  • Welche noninvasiven Biomarker können das Therapieansprechen für Ernährungstherapie vorhersagen oder früh erkennen?

  • Kann auf PEN vollständig verzichtet werden? Wie können Ernährungsformen aus natürlichen Nahrungsmitteln gestaltet werden, die auf die Voraussetzungen und Gewohnheiten verschiedener globaler Regionen abgestimmt sind? Wie ist die Stellung der CDED im Vergleich zur EEN in verschiedenen klinischen Situationen?

  • Welche Einsatzformen der kombinierten Therapie Ernährung und medikamentös bieten Vorteile für den Patienten?



8. Schlussfolgerungen

Die CDED plus PEN ist ein vielversprechender Ansatz zur Remissionsinduktion und -erhaltung bei Kindern und Jugendlichen mit MC. Wie oben dargestellt kann dies für viele Patienten eine gute Alternative zur EEN im Rahmen der Remissionsinduktion sein sowie eine sinnvolle Ergänzung in vielen Situationen z. B. in Kombination mit medikamentösen und chirurgischen Therapien, als kombinierte Rescue-Therapie oder Deeskalationsstrategie sowie zur Remissionserhaltung. Eine fortwährende Beobachtung der weiteren Erfahrungen anhand von Real World Data im CEDATA-Register (https://cedata.med.uni-giessen.de/register/) sowie der CEDMO-App, bzw. die Berücksichtigung weiterer europäischer Kohortenstudien wie z. B. Swiss IBD Kohortenstudie, französischer oder britischer Kohortenstudien kann hier in Zukunft weitere Hinweise liefern.



Interessenkonflikt

EA keine Interessenkonflikte

AH at Honorare, Reisekosten und/oder Forschungsgelder/-preise und/oder Stipendien erhalten von: Abbvie, Shire/Takeda, Johnson & Johnson, Pfizer, Fresenius Kabi, Danone, Hexal, Sanofi, Mirum, Ipsen and Orphalan.

JD hat Honorare, Reisekosten und/oder Forschungsgelder/-preise und/oder Stipendien erhalten von: Abbvie, Shire/Takeda, Janssen-Cilag, Ferring, Amgen, Celltrion, Fresenius Kabi, Pharmacosmos, Mylan, Viatris, Nestlé, Bayer Vital, Steigerwald, Humana, Danone, Nutricia/Milupa, Hexal, MedLearning, Centogene, Campro Scientific and GlaxoSmithKline.

JdL hat Forschungsgelder/-preise und/oder Stipendien erhalten von: Nestlé, Danone, Sanofi


Korrespondenzadresse

Evdokia Alexanidou
UKGM
Feulgenstrasse 10–12
35392 Giessen
Germany   

Publication History

Received: 13 October 2024

Accepted after revision: 15 September 2025

Article published online:
19 February 2026

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Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany


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Abb. 1 Einfluss der westlichen Diät auf die Physiologie des Wirtes und der Mikrobiotazusammensetzung. T – regs: regulatorischer T-Zellen: Unterstützen die Aufrechterhaltung der immunologischen Homöostase des Organismus und verhindern überschießende Entzündungsreaktionen. Cathelicidine sind antimikrobielle Peptide (AMPs): Effektormoleküle des angeborenen Immunsystems. TNF – a: Signalstoff des Immunsystems (Zytokin), der an Entzündungsprozessen beteiligt ist.
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Abb. 2 Die CDED plus PEN besteht aus 3 Phasen. [31].
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Abb. 3 CDED-Algorithmus: Indikationen, Kontraindikationen und grundsätzliche Erwägungen [49]. * auf der Grundlage von Fallserien. ** in einigen Fällen wird von medizinischem Personal in Erwägung gezogen. *** normalerweise nicht zu empfehlen. ARFID: Avoidant/restrictive food intake disorder.