Krankenhaushygiene up2date 2026; 21(01): 21-41
DOI: 10.1055/a-2653-2585
CME - Präventionsmaßnahmen

Infektionsprävention in der Augenheilkunde

Authors

  • Tim Götting

  • Thomas Neß

  • Winfried Ebner

Mit ophthalmologischen oder -chirurgischen Behandlungen verbundene Infektionen können zu einer erheblichen Verschlechterung des Sehvermögens bis hin zur völligen Erblindung führen. Seit dem Erscheinen des Beitrags zur „Infektionsprävention in der Augenheilkunde“ im Jahr 2019 haben sich manche Rahmenbedingungen verändert. Deshalb wurden seine Inhalte umfassend neu bearbeitet und aktualisiert.

Kernaussagen
  • Die postoperative Endophthalmitis und die Keratoconjunctivitis epidemica sind die wichtigsten nosokomialen Infektionen in der Augenheilkunde.

  • Auch wenn eine postoperative Endophthalmitis generell ein seltenes Ereignis ist, sind durch die Häufigkeit der durchgeführten Eingriffe, vor allem Kataraktoperationen und intravitreale Medikamentengaben (IVOM), die absoluten Zahlen trotzdem nicht unerheblich.

  • In der Regel stammen die Erreger einer postoperativen Endophthalmitis von der Augenoberfläche des Patienten selbst; am häufigsten werden koagulasenegative Staphylokokken nachgewiesen.

  • Eine prä- oder postoperative Gabe von Antibiotika hat keinen positiven Effekt auf die Endophthalmitis-Rate. Beides sollte unterlassen werden. Die intraoperative Gabe von Cefuroxim senkt die Endophthalmitis-Rate, allerdings bei einer hohen NNT.

  • Adenoviren können eine Vielzahl von Krankheitsbildern hervorrufen. Meistens handelt es sich aber um okuläre, respiratorische oder gastrointestinale Infektionen.

  • Unbelebte Oberflächen, gemeinsam benutzte Gegenstände und Utensilien können bei der Übertragung der Adenoviren-verursachten Keratokonjunktivitis eine wichtige Rolle spielen. In augenärztlichen Einrichtungen wurde die Übertragung über Tonometer-Messkörper beobachtet.

  • Zur Hände- bzw. Flächendesinfektion im Falle einer Keratoconjunctivitis epidemica werden als „viruzid“ gekennzeichnete Mittel empfohlen, auch Desinfektionsmittel mit der Kennzeichnung „begrenzt viruzid plus“ haben eine ausreichende Wirksamkeit gegen Adenoviren.

  • Auch respiratorische Erreger, wie SARS-CoV-2 oder Influenza A/B spielen als Infektionserreger für Patienten und Mitarbeitende in der Augenheilkunde eine Rolle.

  • Die filigranen chirurgischen Instrumente der Ophthalmochirurgie verlangen eine besondere Sorgfalt der Aufbereitung und Ausbildung der damit betrauten Mitarbeiter der AEMP. Vor allem darf es bei der maschinellen Aufbereitung nicht zu einer Partikelverschleppung in die engen Lumina kommen.

  • Bei den semikritischen Medizinprodukten stehen die Tonometer-Messkörper und Kontaktgläser im besonderen Fokus der Aufbereitung, da sie sicher Adenovirus-wirksam desinfiziert werden müssen. Aufgrund der Probleme mit der Aufbereitung kommen immer mehr Einmalprodukte zur Anwendung.



Publication History

Article published online:
27 February 2026

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