Frauenheilkunde up2date 2026; 20(01): 21-40
DOI: 10.1055/a-2576-5774
Operative Gynäkologie

Operative Therapie der Patientin mit einem Zervixkarzinom

Autor*innen

  • Oliver Schleicher

  • Julius Lange

  • Matthias W. Beckmann

  • Tanja N. Fehm

  • Frederik A. Stübs

  • Julius Emons

Die Wahl des operativen Verfahrens beim Zervixkarzinom wird durch Faktoren wie Tumorstadium, histologische Risikofaktoren, Alter und patientenindividuelle Aspekte (z. B. Familienplanung) bestimmt. Das operative Standardverfahren ist die radikale Hysterektomie. Bei jungen Patientinnen mit Kinderwunsch können in frühen Stadien Operationstechniken zum Fertilitätserhalt, wie die Konisation oder Trachelektomie, eingesetzt werden.

Kernaussagen
  • Die operative Therapie ist vorrangig beim frühen Zervixkarzinom – bis maximal FIGO-(2009)-IIA – indiziert.

  • Die Sentinel-Lymphonodektomie stellt ein onkologisch sicheres Verfahren bei geringerer Morbidität für Primärtumoren ≤ 2 cm dar.

  • Fertilitätserhaltende Verfahren wie Konisation und Trachelektomie sind bei Tumoren ≤ 2 cm ohne Vorliegen von Risikofaktoren möglich. Radikalere Operationstechniken sind mit höheren Raten an Schwangerschaftskomplikationen assoziiert.

  • Die Ovariopexie ist eine wichtige Maßnahme, um bei geplanter Radiochemotherapie die endokrine Ovarialfunktion zu erhalten.

  • Eine Adnexektomie soll in Abhängigkeit der Tumorausdehnung, des Menopausenstatus und des Vorliegens von Risikofaktoren erfolgen (Adenokarzinom).

  • In der LACC-Studie zeigten minimalinvasive radikale Hysterektomien beim frühen Zervixkarzinom im Vergleich zur offenen Operation ein schlechteres krankheitsfreies Überleben. Aktuelle Studien (z. B. G-LACC und RACC) prüfen, inwieweit eine Risikostratifizierung der Patientinnen und perioperative Schutzmaßnahmen (präoperative Konisation oder vaginale Kolpotomie) die onkologische Sicherheit des laparoskopischen Operationsverfahrens verbessern.

  • Die SHAPE-Studie zeigte, dass bei frühen Zervixkarzinomen ≤ 2 cm eine einfache Hysterektomie möglicherweise in Zukunft eine sichere komplikationsärmere Alternative zur radikalen Hysterektomie sein könnte. Es handelt sich jedoch noch nicht um ein Verfahren der klinischen Routine und sollte nur als Einzelfallentscheidung nach Risikoaufklärung der entsprechenden Patientinnen zur Anwendung kommen.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
12. Februar 2026

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