Frauenheilkunde up2date 2026; 20(01): 41-58
DOI: 10.1055/a-2574-0182
Gynäkologische Onkologie

Fertilitätserhalt in der gynäkologischen Onkologie

Autor*innen

  • Laura Lotz

  • Ralf Dittrich

Maligne Erkrankungen im gebärfähigen Alter stellen Patientinnen und das interdisziplinäre Team vor besondere Herausforderungen. Mit verbesserten Überlebensraten rückt der Erhalt der Lebensqualität – insbesondere der Fertilität – in den Fokus. Dieser CME-Artikel gibt einen praxisnahen Überblick zu Indikationsstellung, Beratung und modernen Möglichkeiten des Fertilitätserhalts in der Gynäkoonkologie.

Kernaussagen
  • Etwa 10 % der onkologischen Patientinnen sind unter 45 Jahre alt und häufig noch ohne abgeschlossene Familienplanung.

  • Chemotherapien, insbesondere Alkylanzien wie Cyclophosphamid, sind hoch gonadotoxisch; das Risiko steigt mit dem Alter und der Kombinationstherapie.

  • Die Datenlage zu gonadotoxischen Effekten von zielgerichteten Therapien und Immuntherapien ist begrenzt; Beratung über Unsicherheiten ist wichtig.

  • Die Kryokonservierung von Oozyten gilt als ein Standardverfahren, Random-Start-Protokolle verkürzen die Zeit bis zur Stimulation; Letrozol senkt Östradiolspitzen bei HR-positiven Tumoren.

  • Die Kryokonservierung von Ovarialgewebe ist als Methode zum Fertilitätserhalt etabliert und besonders bei Zeitdruck oder Stimulationskontraindikationen relevant; Schwangerschaftsraten liegen bei ca. 30 %.

  • GnRH-Agonisten können das Risiko für prämature Ovarialinsuffizienz senken, ersetzen jedoch keine Kryokonservierung.

  • Beim frühen Zervixkarzinom sind Konisation und radikale Trachelektomie bei selektierten Patientinnen onkologisch sicher; Ovartransposition schützt vor Strahlenschäden.

  • Ein fertilitätserhaltendes operatives Vorgehen beim Ovarialkarzinom ist nur bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen mit einem einseitigen, gut differenzierten Tumor im FIGO-Stadium IA möglich. Bei Borderline-Tumoren sind konservative Eingriffe häufig möglich.

  • Das Endometriumkarzinom im frühen Stadium kann bei streng selektierten Patientinnen konservativ mit Gestagenen behandelt werden, oft kombiniert mit assistierter Reproduktion.

  • Zur Einschätzung der ovariellen Reserve sollte der AMH-Wert sowohl vor Beginn als auch 1 Jahr nach Abschluss der onkologischen Therapie bestimmt werden, um beurteilen zu können, ob eine spontane Konzeption realistisch ist oder eine fertilitätsmedizinische Behandlung eingeleitet werden sollte.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
12. Februar 2026

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