Pneumologie 2026; 80(01): 18-19
DOI: 10.1055/a-2560-2051
Leserbrief

Management des Malignen Pleuraergusses – Thorakoskopie in Lokalanästhesie ohne Bedeutung?

Authors

  • Ralf Heine

    1   Medizinische Klinik III, Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale) GmbH, Halle, Deutschland
  • Wolfgang Frank

    2   MEOCLINIC, Abteilung für Pneumologie, Berlin, Deutschland
  • Franz Stanzel

    3   Klinik für Pneumologie II, Lungenklinik Hemer, Hemer, Deutschland

In der Publikation von Christopher Larisch et al. [1] wird das Management des malignen Pleuraergusses aus chirurgischer Sicht beschrieben. In der gesamten Arbeit findet die im Hinblick auf Aufwands- und Ergebnisrelation zumindest gleichwertige, wenn nicht in bestimmten Situationen vorzuziehende und bislang bestens publizierte und praktizierte internistische Thorakoskopie (syn. Thorakoskopie in Lokalanästhesie, Pleuroskopie) keine Erwähnung. Stattdessen wird die VATS als nächster diagnostischer Schritt empfohlen, falls die zytologische Ergussdiagnostik keine Klärung erbringt. Um die diagnostische Erfolgsrate zu erhöhen, kämen in diesem Zusammenhang eine partielle Pleurektomie, ein mediastinales Lymphknotensampling oder eine pulmonale Wedge-Resektion in Betracht, wobei Lungen- und mediastinale Lymphknotenresektionen nicht Gegenstand der Diagnostik bei malignen Pleuraergüssen sind. Das in diesem Zusammenhang angeführte Zitat [2] betrifft allein die thorakoskopische oder bildgestützte Biopsie aus der Pleura und nicht die VATS.

Im internationalen Schrifttum wird entweder die Thorakoskopie in Lokalanästhesie oder die VATS als interventionelle Methode im Rahmen des Managements maligner Pleuraergüsse empfohlen [3] [4] [5] [6]. Die NIVATS, Non intubated VATS [7], ist ebenfalls ein thoraxchirurgischer Eingriff und nicht mit der Thorakoskopie in Lokalanästhesie gleichzusetzen. Für die Wahl des geeigneten Verfahrens müssen die folgenden Überlegungen Berücksichtigung finden:

Das Vorliegen eines malignen Pleuraergusses ist Ausdruck einer fortgeschrittenen Krebserkrankung mit geringer Lebenserwartung [8]. Oft haben die Patienten schwere Begleiterkrankungen und befinden sich in einem reduzierten Allgemeinzustand [9]. Aus diesem Grund müssen die eingesetzten Diagnostik- und Therapieverfahren möglichst wenig invasiv sowie für den Patienten schonend und verhältnismäßig sein.

Die Thorakoskopie in Lokalanästhesie ist ein wenig belastendes Verfahren. Sie wird meist mit zusätzlicher milder Sedierung durchgeführt [10] und erfolgt über einen kleinen (4–6 mm) Zugang mit Optiken, die 5 mm und kleiner sind. Die Methode erlaubt neben Pleurabiopsien auch partielle Pleurektomien, Adhäsiolysen, die Blutstillung, Talkumpoudrage, die Überprüfung der Lungenausdehnung und die Einlage einer Pleuradrainage oder eines getunnelten Pleurakatheters unter Sicht [11] . Bei Zufallsbefunden auf der viszeralen Pleura können diese auch thorakoskopisch biopsiert werden [12]. Alternativ kommt die Anwendung eines semirigiden Thorakoskops mit einem 3,2-mm-Arbeitskanal in Betracht, welches ebenfalls nur einen Trokarzugang (8 mm) erfordert [13] [14].

[ Abb. 1 ] zeigt die Durchführung der Thorakoskopie in Lokalanästhesie mit Pleurabiopsie über einen 6-mm-Zugang.

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Abb. 1 Thorakoskopie in Lokalanästhesie mit 4-mm-Optik über einen 6-mm-Trokar. Thorakoskopische Biopsie aus der Pleura.

Die Ergebnisse sind mit der VATS vergleichbar [9]. Die Sensitivität der Thorakoskopie in Lokalanästhesie liegt zwischen 90 und 100 % [15] [16]. Die gepoolte Sensitivität (n: 5652) beträgt 92,9 % [17]. Die Methode kann für diagnostische und therapeutische Zwecke (Talkumpoudrage) eingesetzt werden [12] [18] [19]. Die Effizienz der Talkumpoudrage ist unabhängig davon, ob diese im Rahmen einer VATS oder einer Thorakoskopie in Lokalanästhesie vorgenommen wird [20] [21] [22].

Eine Thorakoskopie in Lokalanästhesie erfordert keine operationssaalgestützte Logistik. Der Eingriff wird von der KRINKO als Eingriff mit geringem Infektionsrisiko eingestuft und kann in geeigneten Endoskopieräumen durchgeführt werden [23].

Eine Operation in Narkose mit Intubation des Patienten und Einlungenanästhesie im Sinne eines videoassistierten thorakoskopischen chirurgischen Eingriffs, d. h. VATS [24], erfordert Operationssaalkapazität, ein Anästhesieteam und geht mit einer höheren Patientenbelastung sowie einem zusätzlichen Narkoserisiko einher. Dieses Vorgehen ist für die Abklärung eines Pleuraergusses und eine Talkumpoudrage nicht erforderlich [5]. Im Rahmen des Stagings bei potenziell operablen Lungenkarzinomen und kleinen ipsilateralen Ergüssen oder kleinsten Pleuraläsionen oder auch bei Pleuraempyemen wird die Thorakoskopie in Lokalanästhesie auch von Thoraxchirurgen mit Erfolg eingesetzt [25] [26].

Die Thorakoskopie in Lokalanästhesie ist ein seit mehr als 100 Jahren bewährtes, einfaches, hoch leistungsfähiges, ressourcensparendes, für den Patienten wenig belastendes und risikoarmes Verfahren [27] [28] [29]. Es ist hinsichtlich der Belastung für den Patienten vergleichbar mit der Einlage einer Thoraxdrainage und damit das zu präferierende Standardverfahren im Management des malignen Pleuraergusses, unabhängig davon, ob es von interventionellen Pneumologen oder Thoraxchirurgen ausgeführt wird.



Publication History

Article published online:
21 January 2026

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