Frauenheilkunde up2date 2026; 20(01): 61-83
DOI: 10.1055/a-2558-8676
Allgemeine Gynäkologie

Kinder- und Jugendgynäkologie

Autor*innen

  • Theresa Bozzetti

  • Patricia G. Oppelt

  • Nesrin Ünlühan

  • Matthias W. Beckmann

Die Kinder- und Jugendgynäkologie ist ein eigenständiges Teilgebiet der Gynäkologie mit besonderen Anforderungen an Diagnostik, Therapie und Gesprächsführung. Im Mittelpunkt stehen entwicklungsabhängige Fragestellungen, funktionelle Beschwerden und der sensible Umgang mit den jungen Patientinnen und ihren Familien. Eine altersgerechte Herangehensweise und solides Grundlagenwissen speziell in diesem Bereich sind entscheidend für eine umfassende Betreuung der Mädchen.

Kernaussagen
  • Bei der gynäkologischen Vorstellung von Kindern ist es wichtig, sie selbst aktiv in das Anamnesegespräch einzubeziehen; ergänzend sollten enge Bezugspersonen wie Mutter oder Vater anwesend sein, um die Angaben zu vervollständigen und Angst zu nehmen.

  • Für eine adäquate Beurteilung des äußeren Genitales muss der Östrogenisierungszustand der Vulva je nach Alter des Kindes berücksichtigt werden.

  • Bei der gynäkologischen Vorstellung von Jugendlichen ist vor allem das Thema Pubertät anzusprechen und zu berücksichtigen. Eine Untersuchung ist der Fragestellung entsprechend durchzuführen und z. B. bei Vorstellung zur Verhütungsberatung nicht unmittelbar erforderlich.

  • Als wichtigste Hautveränderungen im Genitalbereich sind bei Kindern und Jugendlichen Vulvovaginitis, Labiensynechien und Lichen sclerosus zu nennen.

  • Zu den genitalen Fehlbildungen zählen eine Labienhypertrophie/-asymmetrie sowie Atresien und weitere Anomalien des Hymens. Weiterhin sind Vaginalsepten und -aplasien mögliche Befunde.

  • Die Pubertät kann durch einen verfrühten oder einen verspäteten Eintritt gestört sein. Eine mögliche Ursache einer Pubertas tarda ist das Ullrich-Turner-Syndrom.

  • Bei den Zyklusstörungen unterscheidet man wie im Erwachsenenalter zwischen Dauerblutungen, (primärer oder sekundärer) Amenorrhö, Dysmenorrhö und Hypermenorrhö.

  • Zu Varianten der Geschlechtsentwicklung gibt es eine aktualisierte S2k-Leitlinie (2025) als Orientierungshilfe. DSD können z. B. auf einer kompletten Androgenresistenz beruhen.

  • Bei der Beratung zur Kontrazeption werden prinzipiell dieselben Aspekte berücksichtigt wie im Erwachsenenalter: Vor- und Nachteile östrogenhaltiger Präparate, zusätzlicher Schutz durch Kondome vor sexuell übertragbaren Krankheiten und die Option einer intrauterinen Verhütung.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
12. Februar 2026

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