Reisemedizin up2date 2026; 03(01): 49-62
DOI: 10.1055/a-2550-9638
Reisen mit besonderem Risiko

Reisemedizinische Aspekte bei Personen mit HIV-Infektion

Authors

  • Amrei von Braun

Dank der heute verfügbaren antiretroviralen Therapie (ART), die Beschwerdefreiheit und eine normale Lebenserwartung ermöglichen kann, planen auch immer mehr Menschen mit HIV-Infektion Reisen in alle Welt. Eine gut kontrollierte HIV-Infektion stellt dafür kein Hindernis dar. Ebenso wie bei Menschen ohne HIV, ist es jedoch sinnvoll und empfehlenswert, je nach Reiseziel eine gezielte reisemedizinische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Kernaussagen
  • Eine unter ART (antiretrovirale Therapie) gut kontrollierte HIV-Infektion stellt grundsätzlich kein Hindernis für Reisen dar, auch nicht in tropische oder medizinisch unterversorgte Regionen.

  • Eine reisemedizinische Beratung sollte bei jeder Reise systematisch erfolgen, um Impfschutz, Medikamentenmanagement und spezielle Risiken individuell abzuklären.

  • Im Zuge der Reiseberatung sollte auch die Empfehlung zum Abschluss einer privaten Auslandskrankenversicherungen ausgesprochen werden.

  • Bei HIV-Neudiagnose sollten Reisen erst nach stabiler Einstellung unter ART erfolgen, insbesondere bei fortgeschrittener Immunsuppression.

  • Reiseimpfungen müssen individuell abgestimmt werden, insbesondere bei Lebendimpfstoffen, die bei CD4 <200/µl kontraindiziert sind.

  • Die Kombination von ART und Malariaprophylaxe erfordert eine Interaktionsprüfung.

  • Der Inhalt der Reiseapotheke sollte ebenfalls auf Wechselwirkungen mit der ART geprüft werden.

  • Menschen mit HIV sollten ihre ART in ausreichender Menge mitführen, inklusive einer Reserve von mindestens einer Woche für Reisen von kurzer bis mittlerer mehrwöchiger Dauer sowie ggf. ärztlichem Attest in englischer Sprache.

  • Adhärenzprobleme treten gehäuft während Reisen auf. Eine frühzeitige Planung und digitale Erinnerungen können helfen, Einnahmelücken zu vermeiden.

  • Mögliche Einreisebeschränkungen in Länder mit restriktiver HIV-Politik sollten vorab geprüft werden.



Publication History

Article published online:
09 February 2026

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