Mit dem Begriff „Beweglichkeit“ wird die Fähigkeit umschrieben, verschiedene Gelenkpositionen
einzunehmen und Bewegungen in einem notwendigen Ausmaß auszuführen. Als eine Komponente
der physischen Fitness oder eine motorische Grundeigenschaft wurden der Beweglichkeit
leistungsbestimmende, leistungsbeeinflussende oder leistungslimitierende Charaktere
zugeordnet. Der Einfluss der Beweglichkeit in den einzelnen Sportarten und Disziplinen
kann von leistungsbestimmend bis nur leistungsbeeinflussend reichen. Der leistungslimitierende
Charakter der Beweglichkeit findet sich vor allem in der Therapie und Rehabilitation
wieder. In dieser Diversität des Konstrukts liegt möglicherweise auch die Begründung
ihrer bislang erfolglosen Einordnung und Abgrenzung vgl. [1].
Einen Perspektivwechsel leitet Nuzzo [2] mit seiner Übersichtsarbeit ein und stellt die Bedeutung der Beweglichkeit grundsätzlich
in Frage. Im Vergleich mit anderen Komponenten der physischen Fitness oder motorischen
Grundeigenschaften weist die Beweglichkeit lediglich eine geringe Vorhersage- sowie
Übereinstimmungsvalidität mit Gesundheits- und Leistungsindikatoren auf. In einer
weiteren Übersichtsarbeit von Studienergebnissen zu statischem Dehnen [3] hingegen wurden Argumente vorgelegt, die sich für die weitere Berücksichtigung der
Beweglichkeit als Komponente der physischen Fitness oder motorischen Grundeigenschaft
aussprechen. Die Aussagen beider Arbeiten stützen sich auf Ergebnisse gesunder Individuen.
Von der Schwunggymnastik über das Stretching zu den Movement Preps: Die Akzente des
Beweglichkeitstrainings haben sich in den letzten Jahrzehnten stetig verschoben. Zu
Beginn ging dabei das Erfahrungswissen voran, später dominierten Schlussfolgerungen
aus Forschungsarbeiten die praktische Umsetzung. In diesem Themenheft wird unter anderem
neben einer historischen Einordnung mit wesentlichen Meilensteinen des Merkmals Beweglichkeit
und des Beweglichkeitstrainings auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu limitierenden
Faktoren der Beweglichkeit und auf alternative Formen des Beweglichkeitstrainings
näher eingegangen.
Viel Spaß bei der Lektüre wünschen
Eduard Kurz und Hans-Josef Haas