Neonatologie Scan 2024; 13(03): 217-230
DOI: 10.1055/a-2296-4952
CME-Fortbildung

Qualitätsmaßnahmen zur Reduktion von intraventrikulären Hämorrhagien beim Frühgeborenen

Helmut D. Hummler
,
Jochen Essers
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Die zunehmende Überlebensrate sehr unreifer Frühgeborener in den vergangenen Jahrzehnten führte zu vermehrten Bestrebungen, Begleitmorbiditäten in der Neonatologie zu vermeiden. Insbesondere peri- oder intraventrikuläre Hämorrhagien (IVH) verschlechtern das neurologische Outcome von Frühgeborenen entscheidend. Wenn effektive Präventionsstrategien die Rate an IVH reduzieren können, ist deshalb zu erwarten, dass die neurologische Prognose der sehr unreifen frühgeborenen Kinder verbessert wird.

Kernaussagen
  • Die Pathogenese der Hirnblutungen beim Frühgeborenen ist multifaktoriell, komplex und nur zum Teil verstanden. Schwankungen der zerebralen Perfusion führen zu Läsionen der Gefäße im Bereich der Germinalmatrix.

  • Aufgrund der multifaktoriellen Genese sind Maßnahmen zur Vermeidung einer IVH auf vielen Ebenen anzuwenden.

  • Präpartal gelten eine abgeschlossene Lungenreifebehandlung und die Vermeidung eines AIS als wirksame Maßnahmen zur Vermeidung einer IVH.

  • Unmittelbar peripartal werden Maßnahmen zur Stabilisierung der Zirkulation durch „Delayed Cord Clamping“ von mindestens 45–60 Sekunden, sowie die Vermeidung von Hypothermie, Hypoglykämie und einer Hypo- und schweren Hyperkapnie als protektive Maßnahmen angesehen.

  • Innerhalb der ersten 3 Lebenstage stehen auf der Station die Vermeidung von Hypoxie, Hypokapnie und schwerer Hyperkapnie, sowie einer Hypothermie im Vordergrund. Ein Regime zur Vermeidung von Blutdruckschwankungen und Volumenüberladung scheint eine günstige Auswirkung auf die Vermeidung einer IVH zu haben.

  • Pflegemaßnahmen zur Reduktion äußerer Reize und von Stressfaktoren scheinen sich ebenfalls positiv auf die Vermeidung einer IVH auszuwirken.

  • Die Einrichtung einer interdisziplinären und berufsgruppenübergreifenden Arbeitsgruppe zur Identifikation und Vermeidung von Risikofaktoren erscheint sinnvoll.

  • Um Maßnahmen zur Vermeidung von Hirnblutungen insbesondere in einem großen Team uniform umzusetzen, erscheinen regelmäßige Fallbesprechungen wichtig, um durch systematische kritische Diskussion und Überprüfung der gewünschten Maßnahmen deren Umsetzung im Alltag zu prüfen (Prozessmanagement).

  • Regelmäßige Ergebnispräsentationen und ein positives Feedback an das Team bei erfolgreicher Reduktion der IVH-Rate scheinen sehr wichtig zu sein.



Publication History

Article published online:
20 August 2024

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