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DOI: 10.1055/a-1925-6197
Tacrolimus erzielt bei oralem Lichen planus sehr gute Behandlungsergebnisse
Authors
Outcome and long-term treatment protocol for topical tacrolimus in oral lichen planus.
J Eur Acad Dermatol Venereol 2022;
DOI: 10.1111/jdv.18457
Patienten mit einem refraktären Verlauf eines oralen Lichen planus (OLP) erhalten zur therapeutischen Behandlung topische Calcineurin-Inhibitoren. Die positive Wirkung von topischem Tacrolimus konnte in zahlreichen früheren Studien nachgewiesen werden, die Nachbeobachtungszeit war jedoch zu kurz, um das langfristige Ergebnis zu bewerten. Utz et al. analysierten das klinische Ansprechen von OLP auf Tacrolimus in der täglichen klinischen Praxis.
Topisches Tacrolimus kann eine wirksame Zweitlinientherapie für OLP sein, die sich mittels starken topischen Kortikosteroiden nicht ausreichend behandeln lässt. Die Anwendungshäufigkeit kann während der Erhaltungsphase oftmals sogar reduziert werden. Die Forscher aus Bern, Schweiz und Bergamo, Italien untersuchten Patienten der Hautklinik des Universitätsspitals Bern und der Klinik für Oralchirurgie und Stomatologie, bei denen sie im Vorfeld eine OLP nach den klinischen und histopathologischen Kriterien der WHO diagnostiziert hatten und die zwischen dem 01. Januar 2015 und dem 01. Oktober 2020 nach einem Therapieversagen unter potenten topischen Kortikosteroiden mit topischem Tacrolimus behandelt wurden. Die Wissenschaftler wiesen die Patienten an, eine 5-minütige Mundspülung mit einer Zubereitung von 0,03%iger Tacrolimuslösung durchzuführen. Die klinische Remission bewerteten die Forscher nach 3, 6, 9, 12, 24, 36 und 60 Monaten. Die Experten klassifizierten den klinischen OLP-Typ als entweder nur hyperkeratotisch (alle nicht erosiven Unterformen), sowohl erosiv als auch hyperkeratotisch oder nur erosiv. Die klinische Remission bewerteten die Ärzte anhand der folgenden 4-Punkte-Skala:
-
CR (vollständige Remission): Rückbildung aller sichtbaren oralen Läsionen;
-
MR (Hauptremission): Rückbildung von >50% der Läsionen;
-
PR (partielle Remission): Rückbildung von 25–50% der Läsionen;
-
keine Reaktion (<25% Rückbildung).
Darüber hinaus bewerteten die Experten die subjektive Beeinträchtigung als schwer (eingeschränkte Nahrungsaufnahme), mäßig oder keine Beeinträchtigung. Als weitere Parameter erhoben die Wissenschaftler Anpassungen des Therapieschemas bei jeder Nachuntersuchung, adjuvante Behandlung, maligne Transformation und unerwünschte Arzneimittelwirkungen.
Die Forscher schlossen 57 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 66 Jahren in die Studie ein. 46 (80,7%) der Patienten zeigten eine Kombination aus hyperkeratotischen und erosiven Läsionen der OLP, 7 (12,3%) nur hyperkeratotische und 4 (7,0%) nur erosive Läsionen. Vor der Behandlung mit Tacrolimus nutzten 56 Patienten (98,2%) starke topische Steroide – entweder als Mundspülung oder mit Fluocinonid-Gel. Nach Einführung von Tacrolimus erreichten 28%, 62%, 87% und 97% der Patienten nach 3, 6, 12 bzw. 24 Monaten eine objektive Remission. Über eine subjektive Remission berichteten 16%, 48%, 69% und 83% nach 3, 6, 12 bzw. 24 Monaten Behandlung. Die Behandlungshäufigkeit konnte bei 28%, 61%, 78% und 87% nach 3, 6, 12 bzw. 24 Monaten schrittweise von anfänglich zweimal täglich auf einmal täglich oder weniger reduziert werden. 41% der Patienten setzten die Behandlung zu einem bestimmten Zeitpunkt vollständig ab, von diesen erlitten jedoch 67% nach einer mittleren Zeit von 3,3 Monaten einen Rückfall. Vier Patienten (7%) entwickelten während des Beobachtungszeitraums ein Plattenepithelkarzinom. Es traten nur wenige und geringe Nebenwirkungen auf.


Topisch verabreichtes Tacrolimus kann eine sehr gute Option für eine Zweitlinienbehandlung eines oralen Lichen planus sein, welches auf starke topische Kortikosteroide nicht ausreichend anspricht, so die Autoren. Die Therapie sollte sich sowohl an Zeichen der klinischen Aktivität als auch an subjektiven Beschwerden und Schmerzen orientieren. Die Experten weisen darauf hin, dass regelmäßige Nachuntersuchungen zwingend erforderlich sind, um bösartige Transformationen im Frühstadium zu erkennen.
Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
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Publication History
Article published online:
14 November 2022
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