Aktuelle Dermatologie 2022; 48(12): 549
DOI: 10.1055/a-1925-6008
Derma-Fokus

Vitiligo prädisponiert zu Psoriasis

Authors

    Contributor(s):
  • Susanne Krome

Kridin K. et al.
Investigating the epidemiological relationship between vitiligo and psoriasis: a population-based study.

Arch Dermatol Res 2022;
DOI: 10.1007/s00403-022-02358-8
 

Die Vitiligo und Psoriasis teilen inflammatorische Signalwege und genetische Loci. Die Autoren der retrospektiven populationsbasierten Studie mit 123326 Personen überprüften den Zusammenhang genauer. Patienten mit Vitiligo erkrankten häufiger an Psoriasis als Kontrollen ohne Vitiligo. Umgekehrt war die Assoziation nicht signifikant.


Die Vitiligo ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung mit scharf begrenzten depigmentierten Flecken durch zerstörte Melanozyten. 0,5–2% der Bevölkerung sind von der multifaktoriellen Erkrankung betroffen, die genetisch veranlagt ist und durch Umweltfaktoren getriggert wird. Ähnlich der Vitiligo spielt auch bei der Psoriasis die Subgruppe der Th1- und Th17-Helferzellen eine besondere Rolle. Auch genetische Gemeinsamkeiten legten den Schluss nah, dass eine bidirektionale Beziehung besteht. Die Arbeitsgruppe um Kridin verglich in der israelischen Studie die Psoriasisinzidenz von Patienten mit Vitiligo und von Kontrollen. In einer Fall-Kontroll-Studie ermittelten sie darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit für eine Vitiligo bei an Psoriasis Erkrankten. Bei komorbiden Personen wurden klinische Charakteristika ermittelt.

102475 Kontrollen (gematched nach Alter, Geschlecht und Ethnie) standen 20851 Patienten mit Vitiligo gegenüber. Bei der Erstdiagnose betrug das Lebensalter durchschnittlich 34,7 Jahre. 50,7% waren Frauen und 73,4% waren Juden. Verglichen mit den Kontrollen erkrankten Patienten mit Vitiligo häufiger zusätzlich an Psoriasitiden:

  • Inzidenzrate 7,9 vs. 4,7/10000 Personenjahre,

  • HR 1,71 (95%-KI 1,35–2,17; p<0,001),

  • Frauen HR 1,81 (95%-KI 1,28–2,56; p=0,001) und

  • Alter <32,4 Jahre HR 1,93 (95%-KI 1,28–2,91; p=0,002).

In der Fall-Kontroll-Studie war das Risiko für eine Vitiligo bei Patienten mit Psoriasis nicht signifikant erhöht. In der multivariaten Analyse war die Wahrscheinlichkeit um 19% gesteigert und verfehlte das Signifikanzniveau knapp (OR 1,19; 95%-KI 1,01–1,40; p=0,051). Nur bei jungen Erkrankten mit Psoriasis bestand eine signifikante Risikosteigerung (<32,4 Jahre OR 1,89; 95%-KI 1,32–2,69; p<0,001).

Patienten mit Vitiligo und Psoriasis waren älter, öfter Raucher und hatten häufiger jüdische Wurzeln, Übergewicht, ischämische Herzerkrankungen, Diabetes, eine Hyperlipidämie und arterielle Hypertonie. Das in der univariaten Analyse erhöhte Mortalitätsrisiko bei Komorbidität bestätigte sich unter Berücksichtigung zahlreicher demografischer und klinischer Variablen nicht.

Fazit

Die pathophysiologischen Mechanismen der Assoziation von Vitiligo und Psoriasis sind nicht aufgeklärt. Die Autoren diskutieren verschiedene Hypothesen, darunter das „Spreading-Phenomenon“. Dabei lösen immuninflammatorische Prozesse gegen Vitiligo-Epitope die Exposition nahegelegener, versteckter epidermaler Epitope aus und begünstigen eine Immunantwort gegen diese Antigene. Gemeinsame Genloci der Erkrankungen seien HLA-C/HLA-brs9468925 und der AIS1-Abschnitt in PSOR7 auf dem Chromosom 1p31.3-p.32.2. Bei beiden Krankheiten produzieren Th1 und Th17 die inflammatorischen Zytokine IFN-Gamma, TNF-α, IL-2, IL-17 und IL-23.



Korrespondenzadresse

Dr. med. Susanne Krome
Melle
Deutschland

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Article published online:
09 December 2022

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