Aktuelle Dermatologie 2022; 48(12): 546-547
DOI: 10.1055/a-1925-5862
Derma-Fokus

Langzeitveränderungen von Nävuszellnävi im Hochrisikokollektiv

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Reiter O. et al.
The long-term evolution of melanocytic nevi among high-risk adults.

J Eur Acad Dermatol Venereol 2022;
DOI: 10.1111/jdv.18470
 

Wie sich Nävuszellnävi im Erwachsenenalter im Lauf der Jahre und Jahrzehnte verändern, ist wissenschaftlich kaum untersucht. Ein Forscherteam aus den USA beschäftigte sich nun mit dieser Fragestellung: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York werteten anhand fotografischer Aufnahmen von Personen mit hohem Melanomrisiko die Morphologie von Pigmentnävi im Langzeitverlauf aus.


Das Studienkollektiv umfasste 106 Männer und Frauen, die sich aufgrund eines erhöhten Melanomrisikos zweimal zu einer Früherkennungsuntersuchung vorgestellt hatten. Zwischen den beiden Untersuchungen lagen im Median 16,4 Jahre (Variationsbreite 14,2–19,8 Jahre). Von allen Personen waren zu beiden Terminen hoch auflösende Fotoaufnahmen des gesamten Körpers angefertigt worden. Bei ihrer Analyse konzentrierten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun ausschließlich auf Pigmentnävi am Rumpf, die zu einem der Untersuchungszeitpunkte mindestens 4 mm maßen. Sie prüften die Gesamtzahl der Nävi, objektivierten im Verlauf neu hinzugekommene bzw. verschwundene Nävi und erfassten die Zahl seborrhoischer und aktinischer Keratosen. Ferner untersuchten sie, inwiefern sich jeder einzelne melanozytäre Nävus im Zeitverlauf bezüglich des Durchmessers, der Farbe, klinischer Atypiezeichen sowie – sofern vorhanden – dermatoskopischer Befunde verändert hatte.

Ergebnisse

71 Personen (67%) hatten eine positive Melanomanamnese, wobei der Tumor in 50 Fällen (47%) vor und in 21 (20%) nach der Basisuntersuchung aufgetreten war. Obwohl die Patientinnen und Patienten beim ersten Untersuchungstermin im Schnitt bereits 40 Jahre alt waren, entwickelten 69 (65,1%) im Verlauf weitere Nävi: Die Forschenden verzeichneten durchschnittlich 2,6 zusätzliche Nävi pro Person. In 27 Fällen (25,5%) war dagegen mindestens ein Nävus verschwunden – im Schnitt bildeten sich 0,3 Nävi pro Person zurück. Bei insgesamt 62 Patientinnen und Patienten (58%) stellten die Forschenden eine absolute Zu- und bei 9 (8%) eine Abnahme ihrer Gesamt-Nävuszahl fest. Der Durchmesser von 1416 der 2890 Nävi (49%), die zu beiden Untersuchungszeitpunkten vermessen werden konnten, nahm um mindestens 25% zu, wogegen der Durchmesser von nur 159 Nävi (6%) um mindesten 25% abnahm. Bei Personen mit positiver Melanom-Anamnese beobachteten die Forschenden im Vergleich zu Personen ohne Melanom-Belastung häufiger ein Verschwinden von Nävi sowie eine Größenzunahme der Nävi. Die Auswertung der Dermatoskopiebefunde ergab: Die Mehrzahl der Nävi (76%) veränderte sich im Zeitverlauf nicht wesentlich.

Fazit

Personen mit hohem Melanomrisiko entwickeln im Zeitverlauf am Rumpf neue Nävuszellnävi, bestehende Nävi nehmen eher an Größe zu und nur wenige verschwinden oder schrumpfen, so die Forschenden. Die Ergebnisse sind allerdings nicht uneingeschränkt auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar, da sie nicht nur das biologische Verhalten der Nävi, sondern auch die klinische Praxis widerspiegeln, geben sie zu bedenken: Im Hochrisikokollektiv werden bspw. Nävi deutlich großzügiger exzidiert.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



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Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
Deutschland

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Article published online:
09 December 2022

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