Aktuelle Dermatologie 2022; 48(12): 547-548
DOI: 10.1055/a-1925-5847
Derma-Fokus

Kaposisarkom: Indolente und aggressive Tumore unterscheiden sich genetisch

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Malouf GG. et al.
Genetic landscape of indolent and aggressive Kaposi sarcomas.

J Eur Acad Dermatol Venereol 2022;
DOI: 10.1111/jdv.18463
 

Das durch Humanes Herpesvirus 8 verursachte Kaposisarkom ist ein seltener Hauttumor, der häufig bei Immunsuppression – bei einer HIV-Infektion oder nach Organtransplantation – aber auch sporadisch auftritt. Die meisten Tumore verhalten sich indolent und müssen lediglich beobachtet oder exzidiert werden. Einige Kaposisarkome zeigen dagegen eine aggressive Biologie. Wie unterscheiden sich diese beiden Tumorentitäten im Hinblick auf die Genetik?


Dieser Frage ging ein französisches Forscherteam nach. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzogen 22 Kaposisarkome von 21 Patientinnen und Patienten einer Exom-Sequenzierung (Whole Exome Sequencing), um die Mutationslast der Tumore zu bestimmen. Zum Vergleich analysierten sie anhand von Blutproben die DNA der Patientinnen und Patienten. Mittels Chemotherapie behandelte Kaposisarkom stuften die Forschenden als aggressiv ein. Die genetische Analyse umfasste u.a. die Detektion somatischer Mutationen im Tumorgewebe sowie die Detektion von DNA-Kopienzahlveränderungen.

Ergebnisse

Die 19 Männer und 2 Frauen waren im Schnitt 66 Jahre alt. Alle Tumore waren positiv auf Humanes Herpesvirus 8 getestet worden und 8 Patientinnen und Patienten hatten eine systemische Tumortherapie erhalten. Mittels Exom-Sequenzierung identifizierten die Forschenden insgesamt 214 somatische Mutationen. Die Mutationslast betrug pro Fall im Median 7 (Variationsbreite 1–29). 81 Mutationen stufte die Arbeitsgruppe als deletär ein. Die aggressiven Kaposisarkome zeigten im Vergleich zu den indolenten eine signifikant größere Mutationslast sowie eine signifikant höhere kumulative Anzahl deletärer Mutationen. Im Cancer Gene Census (Sammlung karzinogener Mutationen) gelistete deletäre Mutationen detektierten die Forschenden ausschließlich bei den Personen mit einem aggressiven Kaposisarkom. In den indolenten Tumore wiesen sie dagegen neutrale Mutationen nach. Alle aggressiven Tumore hatten mindestens 3 und maximal 16 deletäre Mutationen (Median: 6), die indolenten wiesen dagegen keine oder maximal 5 deletäre Mutationen (Median: 1) auf. Den Berechnungen der Arbeitsgruppe zufolge bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Chemotherapiebedarf und der Tumormutationslast sowie dem Tumorstadium. Kaposisarkome mit hoher Krankheitsaktivität hatten zudem eine höhere Mutationslast als wenig aktive Tumore. Die Analyse im Hinblick auf die chromosomale Instabilität ergab: Aggressive Kaposisarkome wiesen tendenziell eine höhere Anzahl somatischer Kopienzahlveränderungen auf.

Fazit

Indolente Kaposisarkome beherbergen keine Mutationen bekannter Onkogene oder Tumorsuppressorgene und unterscheiden sich zudem im Hinblick auf die Mutationslast und die Anzahl somatischer Kopienzahlveränderungen von aggressiven Tumoren, so die Autorinnen und Autoren. Angesichts dessen schlagen sie vor, indolente Kaposisarkome zukünftig nicht mehr als maligne Tumore, sondern als opportunistische Hauterkrankung anzusehen und die Nomenklatur entsprechend zu ändern.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



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Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
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Article published online:
09 December 2022

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