Pneumologie 2023; 77(01): 27-32
DOI: 10.1055/a-1916-1466
Übersicht

Tabakrauchen und Krebsrisiko

Tobacco smoking and cancer risk

Authors

  • Hans Scherübl

    1   Klinik für Innere Medizin II, Gastroenterologie, GI Onkologie, Diabetologie und Infektiologie, Vivantes-Klinikum Am Urban, Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité-Universitätsmedizin Berlin

Zusammenfassung

Tabakrauchen ist die wichtigste vermeidbare Krebsursache in Deutschland. Je mehr und je länger jemand raucht, desto stärker steigt sein Krebsrisiko. Wird Tabakrauch kombiniert mit Alkohol, vervielfacht sich das Krebsrisiko. Bis zu 30 % der Krebstodesfälle können auf das Rauchen zurückgeführt werden. 23,3 % der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung rauchen und weitere 11 % sind hierzulande regelmäßig einer Passivrauch­belastung ausgesetzt. Zu den Tabakrauch-assoziierten Malignomen zählen Karzinome der Mundhöhle, der Nase, der Nebenhöhlen, des Pharynx, des Larynx, der Lunge, des Ösophagus, des Magens, des Pankreas, der Leber, der Gallenwege, des Dickdarms, der Nieren, der Ureteren, der Harnblase, der Zervix und der Eierstöcke sowie Leukämien. Bei stattgehabter Tabakexposition soll den Betroffenen frühzeitig zu etablierten Krebsfrüh­erkennungsmaßnahmen geraten werden. Rauchern soll eine professionelle Tabakentwöhnung angeboten werden. Das tabakbedingte Krebsrisiko wird durch den Rauchstopp effektiv und zeitabhängig gesenkt.

Abstract

Smoking tobacco is the most important and potentially modifiable risk factor for cancer in Germany. Combining tobacco with alcohol can multiply cancer risks. Up to 30 % of cancer deaths are due to tobacco smoking. 23,3 % of 18–64 year-old Germans are current smokers; in addition, 11 % of the population are regularly exposed to secondhand tobacco smoke. Tobacco smoking is causally associated with oropharyngeal, laryngeal, nose, paranasal sinus, lung, esophageal, gastric, pancreatic, hepatocellular, biliary, colorectal, kidney, ureter, urinary bladder, uterine cervix and ovary cancers and leukemia. Smokers should be supported to stop smoking and join programmes of cancer screening. Smoking cessation effectively reduces tobacco-associated cancer risk.

Kernaussagen
  • Nichtrauchen verringert das Krebsrisiko von 15 verschiedenen Tumorentitäten.

  • Es besteht eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen konsumierter Tabakmenge und Krebsgefahr.

  • Effektive Gesundheitsberatung, Aufklärung und Vorbeugung sind sinnvoll und erforderlich.

  • Kombinationen von verschiedenen Risikofaktoren (Tabak plus Alkohol, Tabak plus tumorigene chronische Infektionen, Tabak plus übermäßiges Körpergewicht) sollen unbedingt vermieden werden.

  • Bei stattgehabtem Tabakkonsum wird die Teilnahme an den GKV-Vorsorgeuntersuchungen mit besonderer Dringlichkeit empfohlen.

  • Die Krebsfrüherkennung soll um eine lebensstilbasierte, personalisierte Risikostratifizierung erweitert werden.



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Article published online:
23 January 2023

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