Pädiatrie up2date 2022; 17(04): 271-272
DOI: 10.1055/a-1910-6094
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Fred Zepp

heute liegt die 4. Ausgabe von Pädiatrie up2datePädiatrie up2date vor Ihnen. Für dieses Heft haben wir vier Beiträge aus den Bereichen Entwicklung/Sozialpädiatrie, Neonatologie, Chirurgie/Orthopädie und Rheumatologie vorbereitet.

Knapp drei Jahre Pandemie haben Ihre Spuren hinterlassen. Permanente Einschränkungen mit wiederkehrenden Lockdown-Perioden, Schulschließungen, passageren oder auch anhaltenden Versorgungsengpässen, der seit Monaten andauernde Krieg in der Ukraine, Kostensteigerung und Inflation, Sorgen um den zunehmend gravierenden Klimawandel beeinträchtigen unsere Lebensführung und erschüttern unser Bild von einer sicher geglaubten Lebenswelt. Die anhaltenden Krisenzustände belasten die Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in ganz besonderem Maße. Psychische Auffälligkeiten wie Angstzustände, Schlafstörungen, Depressionen und andere Verhaltensauffälligkeiten haben sich in der Altersgruppe nahezu verdoppelt. Zudem werden gut etablierte Präventionskonzepte wie die Früherkennungsuntersuchungen oder allgemeine Impfungen teilweise nur verzögert wahrgenommen. Die körperlichen und psychosozialen Folgen der vergangenen Jahre werden unsere Gesellschaft auf viele Jahre in der Zukunft belasten. Es ist ein großes Glück, dass wir mit den verschiedenen, in die Begleitung von Kindern und Jugendlichen eingebundenen sozialen und medizinischen Institutionen grundsätzlich gut gerüstet sind, die gesundheitlichen Risiken zu adressieren und es ist zu hoffen, dass Politik und Gesellschaft, die dafür dringend benötigten Ressourcen perspektivisch auch bereitstellen werden.

In diesem Kontext verdient der Beitrag von Susanne Carai, Ralf Weigel, Carsten Krüger und Martin Willi Weber „Global Child Health – Kindergesundheit auf der ganzen Welt“ besondere Beachtung. Obwohl die Weltgemeinschaft in den letzten 30 Jahren Fortschritte bei der Reduktion der Kindersterblichkeit gemacht hat, sind die Verbesserungen sowohl regional als auch Bevölkerungsgruppen-bezogen immer noch ungleich verteilt. Unverändert sterben weltweit noch zu viele Kinder aufgrund mangelnden Zugangs zu Prävention und angemessener medizinischer Versorgung. Zudem haben die Ereignisse der letzten zwei Jahre, mit den globalen sozioökonomischen Folgen der SARS-CoV-2-Pandemie und der, durch den Krieg in der Ukraine, infrage gestellten Nahrungssicherheit, nicht nur das Erreichte, sondern auch die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in der ganzen Welt gefährdet. Es wird befürchtet, dass dies erheblichen Einfluss auf die Kindersterblichkeit gerade in den ärmeren Ländern haben wird.

Die Autoren geben einen umfassenden Überblick zur aktuellen gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in der Welt. Die Unterschiede zwischen „unserer Welt“ und der Situation in „Low- und Middle Income Countries“ (LMIC) sind bedrückend. Selbst in Europa bestehen erhebliche Unterschiede in der Verfügbarkeit von Gesundheitsversorgung, wie u.a. auch der Vergleich der Altersgrenzen von Jugendlichen für die Zustimmungsfähigkeit zu medizinischen Leistungen und dem Strafmündigkeitsalter illustriert. Im Artikel werden aktuelle Probleme wie auch Programme und internationale Anstrengungen zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen dargestellt. Für uns alle eine wirklich lesenswerte Lektüre.

Der Beitrag „Neonatologie Impfungen bei Risikoneugeborenen und -säuglingen“ der Autorengruppe Lukas Galow, Jakob Armann und Reinhard Berner befasst sich mit den aktuellen Impfprogrammen für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Neben einer umfassenden Darstellung der allgemeinen STIKO-Impfempfehlungen, liegt der Schwerpunkt des Artikels auf den speziellen Impfindikationen für Kinder mit erhöhten Erkrankungsrisiken, insbesondere Früh- und Risikogeborene und Kindern mit Immundefizienz oder unter Immunsuppression.

Anne-Karoline Ebert und Annette Schröder führen in das Thema der genitalen Hemmungsfehlbildungen ein. Während eine Epispadie nur sehr selten auftritt, handelt es sich bei der Hypospadie mit einer Inzidenz von einem Fall pro 200–300 männlichen Geburten um eine häufige Fehlbildung. Beide Formen der Hemmungsfehlbildungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, nicht jede muss einer operativen Therapie zugeführt werden. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Bandbreite der Erscheinungsformen und die Behandlungsoptionen. Die inhaltliche Darstellung wird durch instruktives Bildmaterial hervorragend unterstützt. Wesentlich sind zudem die Hinweise zur psychosozialen und medizinischen Beratung von Patienten und Eltern.

Gerd Horneff beschreibt in seinem Artikel „Innovationen in der Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis“ die beeindruckenden Fortschritte in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen im Kindesalter. Neben der ständig wachsenden Zahl an Biologika spielen sogenannte „small molecules“, die wie die Janus-Kinase-Inhibitoren gezielt in den Entzündungsprozess eingreifen, eine zunehmend bedeutende Rolle. Über die Beschreibung langjährig etablierter konventioneller Behandlungskonzepte führt der Autor hin zu den modernen pathophysiologisch begründeten Interventionskonzepten. Besonders spannend sind die neuen „Targeted synthetic small molecules”, die gezielt in den autoimmunen Inflammationsprozess eingreifen. Ziel ist es, mit individualisierten hocheffektiven Therapieprotokollen zukünftig rascher Remissionen und einen langfristig optimales Therapieergebnis zu erreichen.

Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen mit unserer aktuellen Pädiatrie-up2date-Ausgabe für Sie nicht nur medizinisch-wissenschaftliche hochinteressante, sondern auch gesundheitspolitisch relevante Themen vorbereitet zu haben. Wir wünschen Ihnen Spaß bei der Lektüre und für den anstehenden Jahresabschluss alles Gute und vor allem Gesundheit.

Ihr Fred Zepp



Publication History

Article published online:
12 December 2022

© 2022. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany