Aktuelle Dermatologie 2022; 48(10): 427-432
DOI: 10.1055/a-1887-4306
Eine Klinik im Blickpunkt

Die wechselvolle Geschichte der Klinik für Dermatologie und Phlebologie im Friedrichshain

The eventful history of the Department of Dermatology and Phlebology in Friedrichshain, Berlin

Authors

  • Barbara Hermes

    1   Klinik für Dematologie und Phlebologie, Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin, Deutschland
  • Wiebke Ludwig-Peitsch

    1   Klinik für Dematologie und Phlebologie, Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin, Deutschland
 

Zusammenfassung

Der Artikel beschreibt die Geschichte der Hautklinik im Klinikum im Friedrichshain, Berlin von ihren Anfängen 1943 in Berlin-Buch als Ersatz für die zerstörte Hautklinik der Charité bis zur modernen zertifizierten Klinik mit breitem dermatologischen Angebot von heute. Zwischenzeitlich galt es, sowohl politischen Wandel und zwei Umzüge zu bestehen, als auch Schwerpunkte zu setzen und neue Entwicklungen in der Dermatologie in das Klinikspektrum zu integrieren.


Abstract

The essay delineates the history of the Department of Dermatology in Friedrichshain, Berlin from the beginnings 1943 in Berlin-Buch as replacement of the destroyed Department of Dermatology of the Charité to the modern certified hospital with a broad dermatological spectrum of today. In the meantime, the department had to cope with political changes and with two relocations, to set focuses and to integrate novel developments in dermatology into the profile.


Die Hautklinik in Berlin-Buch 1943–2000

Im November 1943 wurde die Hautklinik der Charité, die im sogenannten Sommerlazarett untergebracht und seit Jahren in zunehmend schlechtem Zustand war, bei einem britischen Bombenangriff weitgehend zerstört. Der damalige Direktor war seit 1932 Walter Frieboes, ein Schüler von Edmund Lesser, dem ersten Ordinarius für Dermatologie in Berlin [1]. In den verbleibenden Kriegsjahren konnte lediglich eine Poliklinik in beschränkten Räumlichkeiten auf dem Charité-Gelände aufrechterhalten werden. Für die stationäre Behandlung wurde unter Leitung von Frieboes eine dermatologische Station in den Krankenanstalten Berlin-Buch im Haus 305 eingerichtet [1]. Walter Frieboes, der unter den Nationalsozialisten selbst Opfer von Denunziation wurde, starb am 02.05.1945 vermutlich an einer Zyankali-Vergiftung [2]. Seine Arbeitsbedingungen hatten sich in den 1940er-Jahren kontinuierlich und dramatisch verschlechtert. Wissenschaftliches Arbeiten war unmöglich geworden [1].

Die Hautklinik in Buch zog 1945 in das Haus 213 um [1]. Die Heilanstalten Berlin-Buch waren von 1898–1930 von Ludwig Hoffmann, prominenter Architekt und Stadtbaurat in Berlin, im Pavillonstil errichtet worden, den er ebenso für das Rudolf-Virchow-Klinikum verwendete [3].

1945 wurde Friedrich Jacobi Chefarzt. Er war Schüler von Georg Arndt, Direktor der Charité-Hautklinik von 1919–1929. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren die Hauttuberkulose und die Dermatohistologie [1]. Zwei Abteilungen für Gonorrhoe-Patientinnen wurden eingerichtet und bis 1950 betrieben. Die Hautklinik in Buch blieb bestehen, auch als 1949 in der Charité wieder eine stationäre dermatologische Behandlung möglich war [1].

Ein weiterer Umzug innerhalb des Bucher Klinik-Geländes führte zur Wiedereröffnung der Hautklinik am 12.02.1951 im Haus 114. Chefarzt wurde Karl Linser, seit 1950 auch Direktor der Hautklinik der Charité. Wegen der auf dem Charité-Gelände äußerst eingeschränkten Bedingungen und der geringen Bettenzahl von 48 in einer Behelfsklinik beanspruchte er die 170 Betten in Buch zur stationären Behandlung von Patienten bis 1956, als der erste Teil des Neubaus der Charité-Hautklinik fertiggestellt war [1]. Er engagierte sich sowohl für die Verhütung von Geschlechtskrankheiten als auch für deren Therapie. Im wissenschaftlichen Fokus standen die Klimatherapie der atopischen Dermatitis, die Hauttuberkulose, außerdem die Sklerosierungsbehandlung von Varizen mit hochprozentiger Kochsalzlösung. Erwähnung verdienen die Hochseeklimakur für an Ekzem und Asthma Erkrankte 1965 an Bord des Schiffes „Völkerfreundschaft“ und eine 1958 eröffnete Klimastation auf der Insel Rügen. Mit der Nachtbehandlung von Psoriasispatienten verfolgte er den auch heute aktuellen Ansatz einer teilstationären Behandlung, die den Patient:innen erlaubt, ihren täglichen Aktivitäten nachzugehen [1] [4] [5] [6].

1956 übernahm Erich Thiel, bisher Oberarzt der Klinik, die Chefarztposition. Sein Spezialgebiet war der Lupus erythematodes. 1961 kehrte er von einer Urlaubsreise nicht zurück [1].

1962 folgte ihm als Chefarzt Rolf Stäps, bis dahin Oberarzt in der Hautklinik der Charité. 1963 habilitierte er bei Prof. Wolfgang Gertler zu Aspekten der Psoriasis. Er modernisierte und erweiterte die Klinik durch eine Kinderstation und Kosmetik-Abteilung sowie Vergrößerung von OP- und Labor-Bereichen. Gleichzeitig hatte er die Funktion des Ärztlichen Direktors des Klinikums Buch inne, damals mit ca. 3000 Betten der größte Medizinstandort der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) [3]. 1967 wurde er Lehrstuhlinhaber der Dermatologischen Klinik an der Martin-Luther-Universität Halle bis zu seinem frühen Tod im Folgejahr [1] [7].

1968 begann Günter Elste seine 20-jährige Amtszeit als Chefarzt der Hautklinik Berlin-Buch. Wie Rolf Stäps war er zuvor Oberarzt in der Hautklinik der Charité. Er entwickelte einen national und international anerkannten venerologischen Schwerpunkt und war seit 1975 Vertreter der DDR im „Expert Panel on Bacterial and Venereal Infections“ bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) [1] [8]. Die „Zentralstelle zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten“ in der Christburger Straße, Prenzlauer Berg, wurde an die Klinik angegliedert [1].

1971 wurde in der Bucher Hautklinik eine geschlossene venerologische Abteilung (114 C) für „weibliche uneinsichtige Gefährdete und dringend krankheitsverdächtige Personen“ mit 11 Betten eröffnet [1]. Einrichtungen dieser Art gab es in der DDR außerdem in Halle, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Rostock und weiteren Städten [9] [10] [11] [12].

Die geschlossenen Stationen gerieten nach der Wende durch Berichte von Betroffenen nur allmählich in den Fokus der Öffentlichkeit. 2013 begannen die Medizinhistoriker Florian Steger und Maximilian Schochow, die Gegebenheiten in diesen Einrichtungen zu erforschen und darüber zu publizieren. Bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit konnten Mädchen und Frauen ab 12 Jahren dort aufgenommen, diagnostiziert und behandelt werden. Der Aufenthalt sollte außerdem „erzieherischen Funktionen“ dienen und eine „pädagogische Betreuung“ bieten [9] [13]. Die Verordnung zur Verhütung und Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten von 1961 sah bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit ein Stufenverfahren vor. An dessen Ende stand die freiheitsentziehende Unterbringung geschlechtskrankheitsverdächtiger Personen in einer geschlossenen Abteilung für Geschlechtskranke. Zur Gruppe „dringend Krankheitsverdächtiger“ gehörten häufig „Herumtreiberinnen“. Das Stufenverfahren wurde oft nicht beachtet. Letztlich ließ sich nur bei etwa 30% der Eingewiesenen eine venerologische Infektion nachweisen [9] [14] [15]. Steger und Schochow sprechen in diesem Zusammenhang von einer politisierten Medizin, die der Disziplinierung und Umerziehung unliebsamer Personen dienen sollte [9].

Betroffene berichten über gefängnisähnliche Zustände und einen menschenunwürdigen Umgang [9] [10] [11] [12] [13]. Auf der Station in Berlin-Buch gab es bis auf sporadische Besuche einer Fürsorgerin keinerlei Kontakte nach außen. Arbeitseinsätze wie in Halle in Wäscherei und Küche oder zum Putzen fanden nicht statt. Die Tage der meist mehrwöchigen Aufenthalte verliefen monoton ohne jede Abwechslung bis auf wenige Bücher und das Rauchen. Aggressionen untereinander sowie Zerstörung von Einrichtung und Fenstersicherungen, außerdem Verletzungen bei Ausbruchsversuchen traten immer wieder auf [9]. Elste beklagte die Unterbesetzung der Station und erkannte, dass geschultes Personal für solche Probleme fehlte. 1977 schlug er folgende Maßnahmen vor: Verbesserungen der Sicherungseinrichtungen, der Arbeitsbedingungen, der materiellen Grundlagen und schließlich der Regulierung von Schäden. Vor allem der erste Punkt wurde realisiert [9]. In Berlin-Buch wurden ohne Aufklärung und Einverständnis der Probandinnen Tests mit Kosmetika sowie Epikutantests durchgeführt [9] [10] [11].

2016 teilte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zu diesem Thema mit, dass eine Rehabilitierung nach dem Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetz möglich ist, wenn Freiheitsentzug und Leben unter haftähnlichen Bedingungen durch die Einweisung im Einzelfall als rechtsstaatswidrig anerkannt werden [11] [16]. Die Publikationen von Steger und Schochow haben nicht nur zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels, sondern auch wesentlich zum Rehabilitierungsanspruch der Opfer beigetragen.

Nach dem Tod von Elste 1988 übernahm Wolf-Günter Masius, Oberarzt der Klinik, die Chefarztposition bis 1992. Anschließend wurde Sigrid Jenke kommissarische Chefärztin bis 1994 [1]. Beide kämpften in der Wende- und Nachwendezeit um den Erhalt der Klinik, mussten jedoch eine Reduktion der Betten von 111 auf 50 hinnehmen.

1995 folgte Ulrich Schultz-Ehrenburg als Leiter der Klinik. Er hatte 1980 bei Constantin Orfanos an der Freien Universität Berlin mit dem Thema „Die Epidermisentwicklung im In-vitro-Modell, vergleichende Licht-, elektronenmikroskopische und autoradiographische Studien an der Extremitätenknospenkultur“ habilitiert. Zuvor war er als außerplanmäßiger Professor an der Universität Bochum tätig. Neben der Vertretung des gesamten Fachgebietes einschließlich der Dermatohistologie waren seine Schwerpunkte die dermatologische Angiologie und Phlebologie, die er in der Bucher Hautklinik mit nationalen und internationalen Aktivitäten etablierte. Zur Behandlung der Stammvarikose führte er die endovenöse Radiowellen-Therapie als schonende Alternative zum Varizen-Stripping ein [1].


Die Hautklinik an den Standorten Prenzlauer Berg und Friedrichshain 2000–2015

Gemäß dem Krankenhausplan des Berliner Senats wurde die Hautklinik aus dem Klinikum Buch mit 40 Betten zum 01.04.2000 in das Krankenhaus Prenzlauer Berg verlagert ([Abb. 1]). Wiederum hatte Sigrid Jenke die kommissarische Leitung inne und bewältigte mit dem gesamten Team erfolgreich den Umzug der Klinik mit Integration in das neue Klinikgefüge.

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Abb. 1 Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg (Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) [rerif]

Barbara Hermes übernahm die Klinikleitung der Hautklinik im Klinikum Prenzlauer Berg zum 01.04.2001 ([Abb. 2]). Sie war Allgemeinmedizinerin, als sie ihre dermatologische Weiterbildung in der Fachklinik Hornheide in Münster begann, einem überregionalen und interdisziplinären Zentrum für Haut- und Kopf-Hals-Tumore. Nach Beendigung der Weiterbildung in der Hautklinik des Virchow-Klinikums der Freien Universität Berlin bei Beate Czarnetzki entwickelte sie ihre onkologischen und dermatochirurgischen Schwerpunkte ebenso wie die Dermatohistologie weiter. Ihre Habilitation beschäftigte sich mit unterschiedlichen Aspekten humaner Mastzellen bei Wundheilung und Urtikaria.

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Abb. 2 Barbara Hermes (Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) [rerif]

Infolge des Standortwechsels gehörte die Hautklinik zum Vivantes-Netzwerk für Gesundheit GmbH in öffentlicher Trägerschaft, die am 01.01.2001 zunächst unter dem Namen Net-Ge Kliniken für Gesundheit GmbH gegründet wurde. Eine hohe Schuldenlast drückte das kommunale Klinikunternehmen. Im Rahmen der Sanierung übernahm das Land Berlin zwar die Schulden, im Unternehmen musste aber der Gürtel enger geschnallt werden. In allen Bereichen wurde eingespart. Die Beschäftigten verzichteten über Jahre auf Gehaltserhöhungen. Dafür wurden keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen.

Für den Aufbau einer Klinik in neuer Umgebung war das eine denkbar ungünstige Phase. Dank des äußerst engagierten und spezialisierten ärztlichen und pflegerischen Teams sowie der Funktionskräfte konnte sich die Klinik zunehmend behaupten und Kooperationen entwickeln. Die Fallzahlen stiegen kontinuierlich. Um Bruchteile von Personalstellen musste gerungen werden.

Die Benennung „Klinik für Dermatologie und Phlebologie“ spiegelt das phlebologische und lymphologische Angebot. Die Dermatoonkologie etablierte sich zusehends. Jens Kimmritz, Oberarzt, Chirurg und Dermatologe, trieb die Dermatochirurgie mit anspruchsvollem dermatochirurgischem Spektrum voran. Er führte die gesamte Tumorchirurgie einschließlich kompletter Lymphknotendissektionen und Metastasenresektionen durch, außerdem aufwändige plastische Deckungen, die Phlebochirurgie und ästhetische Eingriffe. Bald gelang es, mit einer tagesklinischen Behandlungsoption das Angebot für Patient:innen zu erweitern. Regelmäßige Fortbildungen für niedergelassene und klinisch tätige Kolleg:innen fanden statt.

Zum 01.07.2004 folgte Wolfgang Harth als leitender Oberarzt auf Sigrid Jenke, die sich über Jahrzehnte für die Klinik engagiert hatte. Wolfgang Harth hatte sich an der Universität Leipzig über sozio-kulturelle und psychische Einflussfaktoren in der Dermatologie habilitiert und zuletzt in der Hautklinik des Klinikums Erfurt gearbeitet. Fortan brachte er seine Schwerpunkte Psychodermatologie und Männermedizin in das Klinikspektrum ein.

Inzwischen reifte die Erkenntnis, dass die Dermatologie als ausgesprochen interdisziplinäres Fach ihren Platz in einem größeren Umfeld wie dem Klinikum im Friedrichshain der Vivantes GmbH, einem Maximalversorger mit damals 17 Fachabteilungen, haben sollte. Im Oktober 2005 erfolgte schließlich ein weiterer Umzug der Hautklinik in das nur drei Kilometer vom Klinikum Prenzlauer Berg entfernt liegende Klinikum im Friedrichshain ([Abb. 3]).

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Abb. 3 Vivantes Klinikum Im Friedrichshain 2005 (Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) [rerif]

Das Krankenhaus im Friedrichshain, in Pavillonbauweise errichtet, wurde 1874 als erstes städtisches Krankenhaus Berlins mit 620 Betten eröffnet. Zu den Befürwortern des Bauprojektes gehörte Rudolf Virchow. Den gewählten „hochgelegenen Platz inmitten des Friedrichshains“ bezeichnet er als „vielleicht den schönsten Platz, der jemals für ein Krankenhaus ausgewählt worden ist“ [17].

In der Abteilung für Pathologie des Klinikums im Friedrichshain war von 1908 bis 1909 Fritz Juliusberg (1872–1939) tätig, ein jüdischer Dermatologe, der zwei Hautkrankheiten erstmals beschrieben hat, nämlich die Pityriasis lichenoides chronica Juliusberg und das Eczema herpeticatum oder Pustulosis varicelliformis Kaposi-Juliusberg [18]. 1939 starb er durch Suizid als Verfolgter des nationalsozialistischen Regimes. Auf Initiative von Volker und Ulrike Wendt, Dermatologe und Psychiaterin und Psychotherapeutin aus Westerstede, wurde zum Gedenken an Fritz Juliusberg in Kooperation mit der Klinik für Dermatologie und Phlebologie eine Berliner Gedenktafel am historischen Pathologiegebäude angebracht und am 19.10.2011 in einem Festakt enthüllt.

Eine dermatologische Abteilung befand sich seit ca. 1932 am Standort. Leiter war Heinrich Winkler, 1952 gefolgt von seinem Sohn Kurt Winkler. Etwa 1958 wurde der Betrieb eingestellt infolge einer Empfehlung Karl Linsers, Direktor der Charité-Hautklinik, kleinere Hautabteilungen zu schließen [1].

Nach dem neuerlichen Umzug, der dem Friedrichshain nach 47 Jahren eine Hautklinik zurückgab, gelang die Integration auch dieses Mal mit fruchtbaren Kooperationen mit Angiologie, Gefäßchirurgie, plastischer und ästhetischer Chirurgie, Onkologie, Pädiatrie, Infektiologie, Pathologie und weiteren Fachrichtungen. Für die Tagesklinik, den Funktionsbereich und die Sprechstunden war der Sterilisationstrakt nach den Wünschen der Klinik komplett umgebaut worden, da die Sterilisation im Konzern inzwischen zentral erfolgte. Allerdings geriet die Tagesklinik trotz Zweischichtbetriebs zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen, so dass Lösungen für die Erweiterung gesucht werden mussten.

Austausch und Kooperation mit den beiden anderen Vivantes-Hautkliniken waren im sogenannten Medical Board im Konzern vorgegeben, wo man sich fachlich austauschte und u.a. die seit 2008 dreimal jährlich stattfindenden Hautkrebskonferenzen etablierte. Längerfristige Ziele wie Zertifizierungen wurden vereinbart. Außerdem erfolgten strategische Planungen zum Wohle des Fachs angesichts der sich jährlich ändernden Diagnosis Related Groups (DRG)-Kataloge, des Vorgehens des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen sowie der Vorgaben der Geschäftsführung.

Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hautärzten und -ärztinnen entwickelte sich positiv. B. Hermes war über viele Jahre im Vorstand des PsoNet Berlin Brandenburg, 2013 und 2014 als erste Vorsitzende. Gleiches gilt für den Vorstand der Berliner Dermatologischen Gesellschaft, deren Präsidentin sie von 2012 bis 2014 war. Die jährlich stattfindenden Tagungen dienen der Fortbildung ebenso wie dem fachlichen und persönlichen Austausch sowie der Nachwuchsförderung.

2012 wurde die Klinik nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert als Schritt auf dem Weg zur mittlerweile erfolgten Zertifizierung als Hautkrebszentrum durch Onkozert. Das ermöglichte dem gesamten Team Auseinandersetzung mit Grundlagen und Anwendung des Qualitätsmanagements, eine Herausforderung, die erfolgreich bewältigt wurde.

Dank engagierter Mitarbeiter:innen konnten in der Klinik neue Methoden wie die Elektrochemotherapie vor allem von kutanen Metastasen eingeführt werden. In diesen Jahren entwickelte sich ein dramatischer Wandel der Behandlungsoptionen des metastasierten Melanoms mit Targeted Therapies und Immuncheckpoint-Inhibitoren. Außerdem standen mit den Biologika Game-Changer für die Therapie der Psoriasis zur Verfügung. Im Rahmen von klinischen Studien konnte die Klinik an einigen dieser spannenden Entwicklungen teilhaben. Wiederholt gehörte die Hautklinik zu den besten der in den Ärzteumfragen des Tagesspiegels empfohlenen Berliner Kliniken bezüglich Hauttumor-Operationen und Psoriasis-Behandlung

Im 4. Quartal 2013 begannen die Bautätigkeiten für zwei dringend benötigte neue Bettenhäuser auf dem Klinikgelände. Die Bettenhäuser sollten eine moderne, der allgemeinen Entwicklung angepasste Ausstattung für Patienten sowie kurze Wege für optimale Arbeitsabläufe für die Beschäftigten bieten. Zusätzlich war eine Komfortstation für besondere Ansprüche vorgesehen. Im Juni 2017 wurde der erste Bauabschnitt termingerecht abgeschlossen. Trotz Baulärms und weiterer Einschränkungen durch die Arbeiten lag die Auslastung 2015 mit 2072 vollstationären und 839 tagesstationären Patienten bei 98%.


Die Klinik für Dermatologie und Phlebologie im Friedrichshain heute

Im Januar 2016 übernahm Wiebke Ludwig-Peitsch die Chefarztposition ([Abb. 4]). Sie hatte ihre dermatologische Weiterbildung am Klinikum Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg absolviert und über das Aktin-bindende Protein Drebrin E2 habilitiert. Seit 2012 bekleidete sie dort eine außerplanmäßige Professur in Dermatologie und Venerologie. Sie brachte mit breit gefächerter Weiterbildung, Zielstrebigkeit und großem Engagement die besten Voraussetzungen für die Leitung der Hautklinik im Friedrichshain mit. Von ihrer Vorgängerin durfte sie eine hervorragend geführte Klinik und ein hoch motiviertes, eingespieltes und sympathisches Team übernehmen.

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Abb. 4 Wiebke Ludwig-Peitsch (Quelle: Wiebke Ludwig-Peitsch) [rerif]

Die Klinik verfügt heute über eine Station mit 30 Betten, Betten für Wahlleistungspatienten auf zwei interdisziplinären Komfortstationen und eine Tagesklinik mit 10 Behandlungsplätzen im Zweischichtsystem. Da letztere kontinuierlich überbucht und die Warteliste auf einen tagesstationären Behandlungsplatz lang ist, sind eine Aufstockung auf 2 × 20 Plätze und eine räumliche Erweiterung vorgesehen.

Zur Verbesserung des ambulanten Versorgungsangebots, das sich bis dahin auf Privatsprechstunden und prästationäre Spezialsprechstunden beschränkte, wurde im Frühjahr 2017 im Vivantes MVZ Friedrichshain eine Praxis für Dermatologie gegründet und in den folgenden Jahren ausgebaut.

Schwerpunkte der Klinik sind die Dermatochirurgie, die Phlebologie, die Dermatoonkologie, chronisch-entzündliche Dermatosen und Autoimmundermatosen. Die Dermatochirurgie wird nach dem Ausscheiden von Herrn Kimmritz mit einem gleichermaßen großen Spektrum durch zwei sehr versierte und erfahrene operative Oberärzt:innen, Friderike Benzel und Axel Zahn, abgedeckt. Herr Zahn leitet auch die Phlebologie. Auf dem Gebiet der Dermatoonkologie ist das Team stolz auf die gemeinsam mit den anderen beiden Hautkliniken des Vivantes Konzerns erlangte Zertifizierung als deutschlandweit erstes dreistandortiges Hautkrebszentrum.

Zusammen mit der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie wurde 2018 das Vivantes Ästhetik Zentrum gegründet. Mit dieser Klinik wird auf dem Gebiet der ästhetischen Dermatologie, aber auch bei der Therapie komplizierter Wunden und Weichteilinfektionen eine intensive Kooperation gelebt, ebenso wie mit dem Gefäßzentrum.

Persönliche Spezialgebiete der Chefärztin W. Ludwig-Peitsch sind die Psoriasis und die dermatologische Versorgungsforschung. Diese konnte sie gemeinsam mit dem Team der Klinik weiter entwickeln. Für die Therapie der Psoriasis wird die Klinik regelmäßig durch den Berliner Tagesspiegel als eine der besten, durch zuweisende Ärzt:innen meist empfohlene Kliniken ausgezeichnet. Fokus der Versorgungsforschung ist die Patienten-zentrierte Versorgung in der Dematoonkologie und bei chronisch-entzündlichen Dermatosen. Zu diesen Themenkomplexen laufen mehrere medizinische Dissertationen, die Frau Ludwig-Peitsch im Rahmen ihrer nach Umhabilitation 2017 erworbenen außerplanmäßigen Professur an der Medizinischen Fakultät der Charité Universitätsmedizin Berlin betreut. Frau Ludwig-Peitsch ist Mitglied im Vorstand des Psoriasisnetzwerks Berlin-Brandenburg, dessen Vorsitz sie von 2019 bis 2021 innehatte, und im Vorstand der Berliner Dermatologischen Gesellschaft.

Als Krankenhaus der Maximalversorgung beherbergt das Klinikum im Friedrichshain 24 Kliniken und Fachabteilungen und bietet damit optimale Voraussetzungen für eine interdisziplinäre Versorgung der oft multimorbiden Patienten. Ein hoch engagiertes und kompetentes Klinik-Team ([Abb. 5]), ein sehr kollegiales Arbeitsklima innerhalb der Klinik und zwischen den Fachabteilungen und hervorragende Kooperationen auch mit den zuweisenden Ärzt:innen tragen wesentlich dazu bei, die aktuellen Herausforderungen infolge der COVID-19-Pandemie und bei der Gewinnung von Pflegepersonal erfolgreich zu meistern und die Klinik in dieser bewegten Zeit weiter zu entwickeln.

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Abb. 5 Team der Klinik für Dermatologie und Phlebologie im Friedrichshain heute (Juni 2022) (Quelle: Wiebke Ludwig-Peitsch) [rerif]


Interessenkonflikt

Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.


Korrespondenzadresse

PD Dr. Barbara Hermes
Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Klinik für Dematologie und Phlebologie
Landsberger Allee 49
10249 Berlin
Deutschland   

Publication History

Article published online:
24 October 2022

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Abb. 1 Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg (Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) [rerif]
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Abb. 2 Barbara Hermes (Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) [rerif]
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Abb. 3 Vivantes Klinikum Im Friedrichshain 2005 (Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) [rerif]
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Abb. 4 Wiebke Ludwig-Peitsch (Quelle: Wiebke Ludwig-Peitsch) [rerif]
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Abb. 5 Team der Klinik für Dermatologie und Phlebologie im Friedrichshain heute (Juni 2022) (Quelle: Wiebke Ludwig-Peitsch) [rerif]