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DOI: 10.1055/a-1857-2820
Händehygiene im Krankenhaus: Verschiedene Methoden im Vergleich
Authors
Assessment of hand hygiene strategies on skin barrier function during COVID-19 pandemic: A randomized clinical trial.
Contact Dermatitis 2022;
86: 276-285
DOI: 10.1111/cod.14034
Während der COVID-19-Pandemie gewann die Händehygiene erheblich an Bedeutung. Welche Auswirkungen haben verschiedene Reinigungsstrategien – das Händewaschen, die Nutzung alkoholischer Händedesinfektionsmittel sowie die Verwendung von Desinfektionstüchern – auf die Hautbarrierefunktion von Klinikpersonal? Dieser und anderen Fragen ging ein spanisches Forscherteam von der Abteilung für Dermatologie der Universität Granada nach.
An der zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 durchgeführten randomisierten Studie beteiligten sich 62 Personen verschiedener Berufsgruppen, darunter 34 Ärztinnen und Ärzte (54,8%) sowie 6 Personen aus dem Pflegepersonal (9,7%). Entzündliche Hauterkrankungen sowie eine Infektion der Haut stellten Ausschlusskriterien dar. Gemäß Randomisierung wusch sich etwa ein Drittel der Studienteilnehmenden vor jedem Patientenkontakt die Hände mit Wasser und Seife, ein Drittel nutzte Alkohol-basierte Händedesinfektionsmittel und ein Drittel verwendete Desinfektionstücher. Die Basiserhebung inklusive Entnahme eines mikrobiologischen Abstrichs erfolgte morgens vor Antritt der achtstündigen Dienstschicht. Alle Probandinnen und Probanden erhielten eine Einweisung in die Hygieneprozedur und wurden dazu angehalten, so selten bzw. so kurz wie möglich Handschuhe zu tragen. Sie dokumentierten während des Arbeitstages, wie oft sie sich die Hände desinfiziert hatten. Nach Schichtende nahmen die Forschenden mikrobiologische Proben von den Händen der Studienteilnehmenden und prüften die epidermale Barrierefunktion. Hierzu maßen sie unter anderem den transepidermalen Wasserverlust, die Temperatur, die Hydrierung des Stratum corneum, die Rötung der Haut sowie den pH-Wert. Zusätzlich bestimmten sie mithilfe einer elektrochemischen Methode die antioxidative Kapazität und befragten die Probandinnen und Probanden zur Verträglichkeit und Akzeptanz der einzelnen Hygienemaßnahmen bzw. -produkte.
Ergebnisse
Die Studienteilnehmenden waren im Schnitt 38,3 Jahre alt. Während der achtstündigen Dienstschicht reinigten sie ihre Hände durchschnittlich 8,5-mal. Nach der Schicht stellten die Forschenden den größten transepidermalen Wasserverlust bei den Anwenderinnen und Anwendern von Desinfektionstüchern fest, gefolgt von den Personen, die Wasser und Seife zum Händereinigen genutzt hatten (+5,45 vs. +3,87gh-1m-2), wogegen das alkoholische Händedesinfektionsmittel den Wasserverlust sogar verringert hatte (-1,46gh-1m-2; p = 0,023). Der Haut-pH hatte in der Wasser/Seife-Gruppe um 0,37 zugenommen, war in den beiden anderen Gruppen aber unverändert geblieben (p = 0,014). Die Temperatur nahm bei Anwendung von Wasser und Seife signifikant um 1,62°C und bei Anwendung alkoholischer Händedesinfektionsmittel um 1,73°C ab. Die Gesamt-Antioxidationskapazität sank in allen Gruppen signifikant. Im Hinblick auf die Keimbelastung zeigte sich: Wasser und Seife reduzierten sowohl bakterielle CFUs (colony-forming units) als auch mykotische CFUs prozentual signifikant schlechter als das flüssige Desinfektionsmittel und die Desinfektionstücher (65,7 vs. 90,5 vs. 87,4%; p = 0,002 bzw. 41,4 vs. 80,3 vs. 82,8%; p = 0,017). Händewaschen führte allerdings deutlich weniger zu Hautrötungen als die beiden anderen Desinfektionsmethoden. Die Befragung der Probandinnen und Probanden ergab: Die Desinfektionstücher schnitten im Hinblick auf die Farbe, die Trocknungszeit und die Anwenderfreundlichkeit signifikant schlechter ab als das Alkohol-basierte Desinfektionsmittel.


Die tägliche Händehygiene mit einem alkoholischem Desinfektionsmittel, so das Fazit der Autorinnen und Autoren, stört im Vergleich zum Händewaschen mit Wasser und Seife bzw. zur Anwendung von Desinfektionstüchern die Hautbarriere weniger stark, reduziert dabei jedoch die Keimbelastung am effektivsten. Das Klinikpersonal schätzt dieser Methode aufgrund ihrer einfachen und bequemen Anwendbarkeit.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell
Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
23 August 2022
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