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DOI: 10.1055/a-1857-1827
Fragen für die Facharztprüfung
Als Auffrischung oder für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung veröffentlichen wir in der „Aktuellen Dermatologie“ ab jetzt regelmäßig Fragen aus dem Buch „Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 1000 kommentierte Prüfungsfragen“.
Entzündliche Dermatosen – Pruritus und Prurigo 2
Welche Möglichkeiten stehen zur topischen Therapie des chronischen Pruritus zur Verfügung?
Pflegende Basistherapie mit rückfettenden Cremes mit juckreizstillenden Substanzen,
wie z. B. Polidocanol, Menthol, Campher etc. Bei entzündlicher Haut topische Kortikosteroide
oder Calcineurin-Antagonisten, bei neuropathischem Juckreiz können capsaicinhaltige
Cremes zum Einsatz kommen.
Eine Basistherapie zur täglichen Rückfettung ist essenziell bei allen Patienten mit
chronischem Pruritus. Darüber hinaus sollte alles die Haut möglicherweise Schädigende
vermieden werden, so v. a. die Verwendung von Seife, das Kratzen der Haut durch lange
Fingernägel oder die Haut verletzende Kratzhilfen. Wenn eine entzündliche Hautveränderung
besteht, sollte unbedingt eine entsprechende antientzündliche Therapie mit Kortikosteroiden
oder Calcineurin-Antagonisten durchgeführt werden. Insbesondere bei neuropathischem
Pruritus wie einer postherpetischen Neuralgie oder der Notalgia paraesthetica kann
eine Creme mit Capsaicin Linderung bringen.
Welche wesentlichen diagnostischen Maßnahmen sollten bei Patienten mit Prurigo durchgeführt werden?
– Erhebung des Hautstatus, ggf. mit Biopsie
– Laboruntersuchung inkl. Differenzialblutbild, Nieren- und Leberwerte, Glukose, Gallensäuren
– weiterführende laborchemische und apparative Diagnostik je nach klinischem Verdacht
Die Prurigo ist gekennzeichnet durch einen starken Juckreiz und meist ausgeprägte
sekundäre Kratzeffloreszenzen. Zahlreiche Ursachen können einer Prurigo zugrunde liegen;
nicht immer kann eine einzelne identifiziert werden. Zumeist findet sich eine Kombination
verschiedener Ursachen bzw. es können keine Ursachen identifiziert werden. Abgeklärt
werden sollten Hinweise auf eine Hauterkrankung wie z. B. Neurodermitis, Skabies oder
bullöses Pemphigoid, auf internistische Erkrankungen wie Nieren- und Leberfunktionsstörungen,
Hinweise auf einen Diabetes und auf weitere Erkrankungen je nach individueller Anamnese.
Das klinische Bild der chronischen Prurigo kann ein breites Spektrum aufweisen. Durch das hauptsächliche Auftreten welcher Effloreszenzen werden entsprechende Prurigosubtypen unterschieden?
– Papeln (Typ papulosa)
– Knoten (Typ nodularis)
– Plaques (Typ plaqueartig)
– ulzerierte Knoten (Typ Kyrle)
Häufig treten mehrere Prurigosubtypen am gleichen Patienten auf. Die Anzahl und Verteilung
der Läsionen kann von Patient zu Patient stark variieren, häufig findet sich jedoch
ein generalisiertes Auftreten mit Betonung der Schulterregion und der Extremitäten.
Welche wesentlichen Therapiemöglichkeiten gibt es bei der chronischen Prurigo nodularis?
– topische antientzündliche Therapie
– UV-Therapie
– systemische antipruriginöse Therapie
Bei der chronischen Prurigo nodularis müssen einerseits die sekundär entzündlichen
Hauterscheinungen therapiert werden, andererseits muss auch immer versucht werden,
den chronischen Juckreiz durch systemische Medikamente zu behandeln. Für die topische
Therapie kommen hauptsächlich hochpotente Steroide infrage, zusätzlich gibt es gute
Ergebnisse mit UV-A- oder UV-B-Therapie. In der systemischen Therapie kommen hochdosierte
Antihistaminika sowie in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache eine antipruriginöse
oder antiinflammatorische Behandlung z. B. mit Neuroleptika, Opioid-Rezeptor-Antagonisten,
Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonisten oder Ciclosporin
A zum Einsatz.
Welche Hauterkrankungen gehen häufig oder immer mit Juckreiz einher?
– Urtikaria
– Neurodermitis und andere Ekzemerkrankungen
– chronische Prurigo
– kutanes T-Zell-Lymphom, v. a. Sézary-Syndrom
– Lichen ruber
– Skabies und andere Epizoonosen
– Psoriasis
– bullöses Pemphigoid, Dermatitis herpetiformis Duhring
Bei Urtikaria, Prurigo und Neurodermitis gehört ausgeprägter Pruritus zum Krankheitsbild.
Erythrodermatische kutane T-Zell-Lymphome gehen ebenso wie der Lichen ruber der Haut
in aller Regel mit Juckreiz einher. Bei der Skabies ist insbesondere ein rein nächtlicher
Juckreiz typisch. In unterschiedlicher Ausprägung tritt Juckreiz bei über 80 % aller
Patienten mit Psoriasis im Bereich der Hautläsionen auf. Bei bullösem Pemphigoid kommt
Juckreiz häufig vor und dieser kann auch prämonitorisch auftreten.
In welcher Applikationsform kommen Kortikosteroide bei der Prurigo zum Einsatz?
Als topische und intraläsionale Applikation.
Entzündliche Hautveränderungen bei chronischer Prurigo nodularis oder Prurigo simplex
sollten mit hochpotenten topischen Steroiden therapiert werden. Für einen kurzfristigen
Einsatz bietet sich hier Clobetasol an, für eine mittel- bis langfristige Therapie
kann z. B. Mometason eingesetzt werden. Bei der nodulären Prurigo nodularis kann im
Bereich der hyperkeratotischen Knoten Clobetasol auch über einen längeren Zeitraum
angewandt werden. Zusätzlich bzw. alternativ können auch intraläsionale Glukokortikoid-Kristallsuspensionen
(z. B. Triamcinolonacetonid verdünnt mit Lokalanästhetika) eingesetzt werden. Systemische
Steroide werden für die Therapie der Prurigo nicht empfohlen.
Wie wird chronischer Pruritus nach der aktuellen klinischen Klassifikation eingeteilt?
– chronischer Pruritus auf primär veränderter, entzündlicher Haut
– chronischer Pruritus auf primär nicht unveränderter, nicht entzündlicher Haut
– chronischer Pruritus mit chronischen Kratzläsionen (z. B. Prurigo)
Grundsätzlich kann chronischer Pruritus nach unterschiedlichen Systemen klassifiziert
werden. Neben einer neurophysiologischen Klassifizierung wurde die klinische Klassifikation
wie oben beschrieben entwickelt. Basierend auf der klinischen Klassifikation wird
nach differenzialdiagnostischen Überlegungen eine Verdachtsdiagnose gestellt und nach
zugrunde liegenden Ursachen gesucht.
Was sind mögliche Ursachen für einen chronischen Juckreiz auf primär unveränderter, nicht entzündlicher Haut?
– Nierenerkrankungen
– Lebererkrankungen
– Diabetes mellitus
– endokrine Störungen
– Infektionskrankheiten
– hämatologische und lymphoproliferative Erkrankungen
– solide Malignome
– neurologische Störungen
– Arzneimittelnebenwirkungen
– psychische Erkrankungen
Es gibt bislang keine belastbaren Daten zu den Häufigkeiten bestimmter zugrunde liegender
Ursachen für Juckreiz auf primär unveränderter, nicht entzündlicher Haut. Aus klinischer
Erfahrung sind Leber- und Nierenerkrankungen jedoch am häufigsten. Weitere Ursachen
sind endokrine und metabolische Störungen wie Hyper- oder Hypothyreose oder Hyperparathyreoidismus.
Sowohl bei soliden Malignomen wie Zervix-, Prostata- und Dickdarmkarzinomen als auch
bei lymphoproliferativen Erkrankungen wie Polycythaemia vera und Morbus Hodgkin kommt
es – in unterschiedlicher Häufigkeit – zu chronischem Juckreiz.
Woran ist zu denken, wenn einige Tage bis Wochen nach einer Infusionstherapie starker Juckreiz auf primär nicht entzündlicher Haut auftritt?
Es muss an Pruritus nach HES-Infusionen gedacht werden.
Bei bis zu 40 % der Patienten, die eine Infusionstherapie mit Hydroxyethylstärke (HES)
erhalten haben, entwickelt sich ein z. T. schwerer und persistenter Juckreiz, der
bis zu 2 Jahre anhalten kann. HES-Infusionen werden häufig im Notfall als Volumenersatzmittel
intravenös verabreicht und können zu einer Anreicherung von HES in der Haut und damit
zu Juckreiz führen.
An welche Erkrankungen muss bei aquagenem Pruritus gedacht werden?
An eine Polycythaemia vera.
Aquagener Pruritus (Juckreiz, der wenige Minuten nach Kontakt mit Wasser entsteht)
kann ohne eine zu identifizierende Grunderkrankung auftreten. Bei einer Polycythaemia
vera wird in 40–50 % aller Fälle ein meist sehr schwer zur therapierender aquagener
Pruritus angegeben. Auch bei anderen myeloproliferativen Erkrankungen wurde das Auftreten
eines aquagenen Pruritus beschrieben.
Prof. Dr. med. Martin Metz, Berlin
Zitierweise für diesen Artikel
Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version des Kapitels: Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version des Kapitels: Metz M. Pruritus und Prurigo. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.
Publication History
Article published online:
24 October 2022
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