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DOI: 10.1055/a-1857-1802
Fragen für die Facharztprüfung
Als Auffrischung oder für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung veröffentlichen wir in der „Aktuellen Dermatologie“ ab jetzt regelmäßig Fragen aus dem Buch „Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 1000 kommentierte Prüfungsfragen“.
Entzündliche Dermatosen – Pruritus und Prurigo
Bei welchen internistischen Erkrankungen tritt gehäuft ein chronischer Pruritus auf?
– Leber- und Nierenerkrankungen
– Schilddrüsenerkrankungen
– Diabetes
– Malignome
Bei Patienten mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz besteht bei 50–90 % ein chronischer
Juckreiz, bei Lebererkrankungen mit Cholestase findet sich bei bis zu 70 % chronischer
Juckreiz. Gehäuft beobachtet man chronischen Juckreiz auch bei Patienten mit anderen
internistischen Erkrankungen, z. B. bei Diabetes- und Schilddrüsenerkrankungen, allerdings
liegen hierfür keine verlässlichen Zahlen zur Häufigkeit vor. Bei bestimmten malignen
Erkrankungen wie Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen wird das Auftreten von Juckreiz
z. T. als negativ prognostischer Marker gewertet. Bei der Polycythaemia vera tritt
typischerweise ein aquagener Juckreiz auf.
Welche blasenbildenden Erkrankungen gehen häufig mit Juckreiz einher?
– lineare IgA-Dermatose
– Dermatitis herpetiformis Duhring
– bullöses Pemphigoid
Die meisten blasenbildenden Erkrankungen können mit Juckreiz einhergehen, typischerweise
tritt Pruritus jedoch bei den hier genannten Dermatosen auf. Insbesondere beim bullösen
Pemphigoid kann der Juckreiz auch prämonitorisch vorkommen, z. T. einige Jahre vor
dem Auftreten der ersten Blasen.
Was ist die häufigste Ursache von chronischem Pruritus?
Trockene Haut.
Zahlreiche Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Urtikaria, Psoriasis, infektiöse Hauterkrankungen
oder Kollagenosen können mit chronischem Juckreiz einhergehen. Die häufigste Ursache
von chronischem Juckreiz stellt jedoch trockene Haut dar.
Wie entsteht Juckreiz bei Urtikaria?
Bei der Urtikaria kommt es zur Freisetzung von Histamin und anderen Mediatoren aus
Mastzellen. Histamin aktiviert H1-Rezeptoren auf sensorischen Nerven und induziert
damit Juckreiz.
Der Juckreiz bei Urtikaria ist ein rein durch Mastzellmediatoren und hauptsächlich
durch Histamin vermittelter Juckreiz. Antihistaminika zeigen daher einen sehr guten
Effekt bei den meisten Urtikariapatienten.
Wie kommt es zum chronischen Pruritus bei Neurodermitis?
Dazu tragen verschiedene Faktoren bei, z. B. eine Aktivierung von PAR-2-Rezeptoren,
Histamin und verschiedene, v. a. aus T-Zellen freigesetzte Zytokine.
Ein Großteil des chronischen Pruritus bei Neurodermitis ist nicht durch Histamin vermittelt,
sodass Antihistaminika oft nur eine geringe Wirksamkeit auf den Juckreiz zeigen. Zahlreiche
verschiedene Faktoren werden für die Induktion und die Aufrechterhaltung des Juckreizes
bei der Neurodermitis verantwortlich gemacht. Dazu gehören Aktivatoren von Proteinase-aktivierten
Rezeptoren (PAR-2) wie z. B. aus Mastzellen stammende Tryptase, von Keratinozyten
freigesetzter Nerve Growth Factor (NGF) und T-Zell-assoziierte Zytokine wie z. B.
IL-31.
Welche systemischen Medikamente werden zur Therapie des chronischen Pruritus eingesetzt?
– Antihistaminika
– Neuroleptika
– Opioid-Rezeptor-Antagonisten
– Antidepressiva
Die einzigen zur Therapie von chronischem Juckreiz zugelassenen Medikamente sind H1-Antihistaminika.
Diese führen jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Besserung der Symptomatik,
sodass in Abhängigkeit von der Ursache des Juckreizes und basierend auf den aktuellen
Leitlinienempfehlungen v. a. Medikamente wie Neuroleptika (Gabapentin, Pregabalin),
selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Sertralin, Paroxetin) oder Opioid-Rezeptor-Antagonisten
(Naltrexon) eingesetzt werden.
Wo kann man bei Patienten mit einer chronischen Prurigo das sog. „Schmetterlingszeichen“ finden und wie kommt es zustande?
Bei chronischer Prurigo ist das Schmetterlingszeichen häufig im Bereich des zentralen
Rückens zu sehen ([Abb. 1]). Dies ist ein Bereich, in dem die Patienten nicht oder nur schlecht kratzen können
und daher keine sekundären Kratzeffloreszenzen entstehen.
Bei der chronischen Prurigo besteht ein ausgeprägter Pruritus, der zu einem Juck-Kratz-Zyklus
und damit zur Entstehung der sichtbaren Hautveränderungen (Knoten, Knötchen, Plaque,
Exkoriationen) führt. Nicht bei allen Patienten findet sich das Schmetterlingszeichen,
da manche Patienten z. B. Hilfsmittel zum Kratzen verwenden.
Kennen Sie unterschiedliche Juckreizqualitäten?
Reines Jucken, Stechen, Brennen, Beißen, Kribbeln und zahlreiche weitere.
Juckreiz wird von den Patienten unterschiedlich empfunden. Häufig sind die Qualitäten
des Juckreizes charakteristisch für verschiedene Erkrankungen; so ist z. B. bei der
Urtikaria ein reines Jucken beschrieben, wohingegen z. B. bei der Neurodermitis oft
ein zusätzliches Stechen und Brennen genannt werden. Klinisch kann dies oft an der
Art des Kratzens gesehen werden: Bei der Urtikaria wird z. B. nur gerieben, bei der
Neurodermitis oberflächlich gekratzt und bei einer Prurigoerkrankung die Haut bis
tief ins Korium aufgekratzt.
An welche Differenzialdiagnosen muss bei Juckreiz in der Schwangerschaft gedacht werden?
– Schwangerschaftscholestase
– Polymorphic Eruption of Pregnancy (PEP)
– Pemphigoid gestationis
– atopische Schwangerschaftsdermatose
In der Schwangerschaft auftretender Pruritus hat am häufigsten seine Ursache in einer
atopischen Schwangerschaftsdermatose („Atopic Eruption of Pregnancy“, AEP). Unter
diesem Begriff werden ekzematöse und/oder papulöse Hautveränderungen bei Patientinnen
mit atopischer Diathese zusammengefasst. Andere, Schwangerschaftsdermatosen und nicht
schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen müssen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen
sein. Weitere relativ häufige Ursachen von Pruritus in der Schwangerschaft sind eine
PEP oder ein Pruritus gravidarum bei intrahepatischer Schwangerschaftscholestase.
Diese Formen treten zumeist im 3. Trimenon der Schwangerschaft auf und müssen je nach
Beeinträchtigung der Patientin symptomatisch therapiert werden, da ein Sistieren des
Pruritus erst nach der Geburt eintritt. Zur Therapie stehen z. B. topische Medikamente
wie polidocanolhaltige Cremes zur Verfügung. Wenn eine systemische Therapie erforderlich
ist, sollte bei einer bestehenden Schwangerschaftscholestase Ursodesoxycholsäure zum
Einsatz kommen, bei einer PEP können systemische Steroide eingesetzt werden. Bei dem
Pemphigoid gestationis (Synonym: Herpes gestationis) handelt es sich um eine stark
juckende, selbstlimitierende Autoimmundermatose der Schwangerschaft und der frühen
Postpartalperiode.
Worum handelt es sich bei einer Notalgia paraesthetica?
Die Notalgia paraesthetica beschreibt das lokalisierte Auftreten von Juckreiz in einem
umschriebenen Bereich am Rücken.
Bei der Notalgia paraesthetica tritt zumeist zwischen den Schulterblättern oder knapp
unterhalb davon ein meist etwa handtellergroßes Areal mit Juckreiz auf. Bei vielen
Patienten zeigt sich in dem betroffenen Bereich eine gelblich-bräunliche Makula, die
am ehesten als Hyperpigmentierung durch chronisches Reiben des Hautareals zu erklären
ist. Als Ursache einer Notalgia paraesthetica werden Irritationen der Rami posteriores
der Spinalnerven gesehen, z. B. durch degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, häufiges
Rucksacktragen oder lange Bettlägerigkeit.


Prof. Dr. med. Martin Metz, Berlin
Zitierweise für diesen Artikel
Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version des Kapitels: Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version des Kapitels: Metz M. Pruritus und Prurigo. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.
Publication History
Article published online:
23 August 2022
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