Aktuelle Dermatologie 2022; 48(08/09): 345-346
DOI: 10.1055/a-1857-1802
Facharztfragen

Fragen für die Facharztprüfung

 

Als Auffrischung oder für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung veröffentlichen wir in der „Aktuellen Dermatologie“ ab jetzt regelmäßig Fragen aus dem Buch „Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 1000 kommentierte Prüfungsfragen“.

Entzündliche Dermatosen – Pruritus und Prurigo


Bei welchen internistischen Erkrankungen tritt gehäuft ein chronischer Pruritus auf?

– Leber- und Nierenerkrankungen
– Schilddrüsenerkrankungen
– Diabetes
– Malignome

Bei Patienten mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz besteht bei 50–90 % ein chronischer Juckreiz, bei Lebererkrankungen mit Cholestase findet sich bei bis zu 70 % chronischer Juckreiz. Gehäuft beobachtet man chronischen Juckreiz auch bei Patienten mit anderen internistischen Erkrankungen, z. B. bei Diabetes- und Schilddrüsenerkrankungen, allerdings liegen hierfür keine verlässlichen Zahlen zur Häufigkeit vor. Bei bestimmten malignen Erkrankungen wie Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen wird das Auftreten von Juckreiz z. T. als negativ prognostischer Marker gewertet. Bei der Polycythaemia vera tritt typischerweise ein aquagener Juckreiz auf.

Welche blasenbildenden Erkrankungen gehen häufig mit Juckreiz einher?

– lineare IgA-Dermatose
– Dermatitis herpetiformis Duhring
– bullöses Pemphigoid

Die meisten blasenbildenden Erkrankungen können mit Juckreiz einhergehen, typischerweise tritt Pruritus jedoch bei den hier genannten Dermatosen auf. Insbesondere beim bullösen Pemphigoid kann der Juckreiz auch prämonitorisch vorkommen, z. T. einige Jahre vor dem Auftreten der ersten Blasen.

Was ist die häufigste Ursache von chronischem Pruritus?

Trockene Haut.

Zahlreiche Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Urtikaria, Psoriasis, infektiöse Hauterkrankungen oder Kollagenosen können mit chronischem Juckreiz einhergehen. Die häufigste Ursache von chronischem Juckreiz stellt jedoch trockene Haut dar.

Wie entsteht Juckreiz bei Urtikaria?

Bei der Urtikaria kommt es zur Freisetzung von Histamin und anderen Mediatoren aus Mastzellen. Histamin aktiviert H1-Rezeptoren auf sensorischen Nerven und induziert damit Juckreiz.

Der Juckreiz bei Urtikaria ist ein rein durch Mastzellmediatoren und hauptsächlich durch Histamin vermittelter Juckreiz. Antihistaminika zeigen daher einen sehr guten Effekt bei den meisten Urtikariapatienten.

Wie kommt es zum chronischen Pruritus bei Neurodermitis?

Dazu tragen verschiedene Faktoren bei, z. B. eine Aktivierung von PAR-2-Rezeptoren, Histamin und verschiedene, v. a. aus T-Zellen freigesetzte Zytokine.

Ein Großteil des chronischen Pruritus bei Neurodermitis ist nicht durch Histamin vermittelt, sodass Antihistaminika oft nur eine geringe Wirksamkeit auf den Juckreiz zeigen. Zahlreiche verschiedene Faktoren werden für die Induktion und die Aufrechterhaltung des Juckreizes bei der Neurodermitis verantwortlich gemacht. Dazu gehören Aktivatoren von Proteinase-aktivierten Rezeptoren (PAR-2) wie z. B. aus Mastzellen stammende Tryptase, von Keratinozyten freigesetzter Nerve Growth Factor (NGF) und T-Zell-assoziierte Zytokine wie z. B. IL-31.

Welche systemischen Medikamente werden zur Therapie des chronischen Pruritus eingesetzt?

– Antihistaminika
– Neuroleptika
– Opioid-Rezeptor-Antagonisten
– Antidepressiva

Die einzigen zur Therapie von chronischem Juckreiz zugelassenen Medikamente sind H1-Antihistaminika. Diese führen jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Besserung der Symptomatik, sodass in Abhängigkeit von der Ursache des Juckreizes und basierend auf den aktuellen Leitlinienempfehlungen v. a. Medikamente wie Neuroleptika (Gabapentin, Pregabalin), selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Sertralin, Paroxetin) oder Opioid-Rezeptor-Antagonisten (Naltrexon) eingesetzt werden.

Wo kann man bei Patienten mit einer chronischen Prurigo das sog. „Schmetterlingszeichen“ finden und wie kommt es zustande?

Bei chronischer Prurigo ist das Schmetterlingszeichen häufig im Bereich des zentralen Rückens zu sehen ([Abb. 1]). Dies ist ein Bereich, in dem die Patienten nicht oder nur schlecht kratzen können und daher keine sekundären Kratzeffloreszenzen entstehen.

Bei der chronischen Prurigo besteht ein ausgeprägter Pruritus, der zu einem Juck-Kratz-Zyklus und damit zur Entstehung der sichtbaren Hautveränderungen (Knoten, Knötchen, Plaque, Exkoriationen) führt. Nicht bei allen Patienten findet sich das Schmetterlingszeichen, da manche Patienten z. B. Hilfsmittel zum Kratzen verwenden.

Kennen Sie unterschiedliche Juckreizqualitäten?

Reines Jucken, Stechen, Brennen, Beißen, Kribbeln und zahlreiche weitere.

Juckreiz wird von den Patienten unterschiedlich empfunden. Häufig sind die Qualitäten des Juckreizes charakteristisch für verschiedene Erkrankungen; so ist z. B. bei der Urtikaria ein reines Jucken beschrieben, wohingegen z. B. bei der Neurodermitis oft ein zusätzliches Stechen und Brennen genannt werden. Klinisch kann dies oft an der Art des Kratzens gesehen werden: Bei der Urtikaria wird z. B. nur gerieben, bei der Neurodermitis oberflächlich gekratzt und bei einer Prurigoerkrankung die Haut bis tief ins Korium aufgekratzt.

An welche Differenzialdiagnosen muss bei Juckreiz in der Schwangerschaft gedacht werden?

– Schwangerschaftscholestase
– Polymorphic Eruption of Pregnancy (PEP)
– Pemphigoid gestationis
– atopische Schwangerschaftsdermatose

In der Schwangerschaft auftretender Pruritus hat am häufigsten seine Ursache in einer atopischen Schwangerschaftsdermatose („Atopic Eruption of Pregnancy“, AEP). Unter diesem Begriff werden ekzematöse und/oder papulöse Hautveränderungen bei Patientinnen mit atopischer Diathese zusammengefasst. Andere, Schwangerschaftsdermatosen und nicht schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen müssen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen sein. Weitere relativ häufige Ursachen von Pruritus in der Schwangerschaft sind eine PEP oder ein Pruritus gravidarum bei intrahepatischer Schwangerschaftscholestase. Diese Formen treten zumeist im 3. Trimenon der Schwangerschaft auf und müssen je nach Beeinträchtigung der Patientin symptomatisch therapiert werden, da ein Sistieren des Pruritus erst nach der Geburt eintritt. Zur Therapie stehen z. B. topische Medikamente wie polidocanolhaltige Cremes zur Verfügung. Wenn eine systemische Therapie erforderlich ist, sollte bei einer bestehenden Schwangerschaftscholestase Ursodesoxycholsäure zum Einsatz kommen, bei einer PEP können systemische Steroide eingesetzt werden. Bei dem Pemphigoid gestationis (Synonym: Herpes gestationis) handelt es sich um eine stark juckende, selbstlimitierende Autoimmundermatose der Schwangerschaft und der frühen Postpartalperiode.

Worum handelt es sich bei einer Notalgia paraesthetica?

Die Notalgia paraesthetica beschreibt das lokalisierte Auftreten von Juckreiz in einem umschriebenen Bereich am Rücken.

Bei der Notalgia paraesthetica tritt zumeist zwischen den Schulterblättern oder knapp unterhalb davon ein meist etwa handtellergroßes Areal mit Juckreiz auf. Bei vielen Patienten zeigt sich in dem betroffenen Bereich eine gelblich-bräunliche Makula, die am ehesten als Hyperpigmentierung durch chronisches Reiben des Hautareals zu erklären ist. Als Ursache einer Notalgia paraesthetica werden Irritationen der Rami posteriores der Spinalnerven gesehen, z. B. durch degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, häufiges Rucksacktragen oder lange Bettlägerigkeit.

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Abb. 1 Nur im Bereich des zentralen Rückens treten keine sekundären Kratzeffloreszenzen auf. Quelle: Metz M. Pruritus und Prurigo. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

Prof. Dr. med. Martin Metz, Berlin

Zitierweise für diesen Artikel

Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version des Kapitels: Dieser Beitrag ist eine aktualisierte Version des Kapitels: Metz M. Pruritus und Prurigo. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.




Publication History

Article published online:
23 August 2022

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Abb. 1 Nur im Bereich des zentralen Rückens treten keine sekundären Kratzeffloreszenzen auf. Quelle: Metz M. Pruritus und Prurigo. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.