Aktuelle Dermatologie 2022; 48(10): 418
DOI: 10.1055/a-1856-7129
Derma-Fokus

Review: Welche Behandlung bei Kindern mit Alopecia areata?

Authors

    Contributor(s):
  • Leandra Metzger

Barton VR. et al.
Treatment of pediatric alopecia areata: A systematic review.

J Am Acad Dermatol 2022;
86: 1318-1334
DOI: 10.1016/j.jaad.2021.04.077
 

Bei Alopecia areata (AA) handelt es sich um eine autoimmune, nicht vernarbende Haarausfallerkrankung, von der schätzungsweise 2% der Weltbevölkerung betroffen sind. Sie kennzeichnet sich durch schubweise auftretenden und wiederkehrenden kreisrunden Haarausfall und kommt bei Kindern etwas häufiger vor als bei Erwachsenen. Zwar gibt es verschiedene Behandlungsmethoden für AA, doch ist über deren Wirksamkeit v.a. bei Kindern nur wenig bekannt.


Dabei zeichnet sich die pädiatrische Alopecia areata durch einen sehr variablen Krankheitsverlauf aus und kann erhebliche psychosoziale Auswirkungen haben. Eine angemessene Behandlung ist daher von entscheidender Bedeutung für die jungen Patientinnen und Patienten. Allerdings sind die therapeutischen Möglichkeiten bei Kindern und Jugendlichen eher begrenzt und die Evidenzlage meist schwach, zumal zudem das unvorhersehbare Ansprechen auf die Therapie die Auswahl der richtigen Behandlung erschwert.

Forschende der University of California, USA, überprüften angesichts dessen nun systematisch die Evidenz aktuell verfügbarer Off-Label-Therapien für die Behandlung von Kindern mit Alopecia areata. Dafür durchsuchten sie im Oktober 2019 PubMed nach Artikeln, die sich mit der Behandlung von Alopecia areata (AA) bei Patienten im Alter von <18 Jahren befassten oder sowohl pädiatrische als auch erwachsene Studienteilnehmer einschlossen, jedoch Daten auf individueller Ebene für die pädiatrischen Patienten zur Verfügung stellten. Ausgeschlossen wurden Übersichtsartikel, Tierstudien sowie Studien zur Bewertung von Behandlungen, die nicht mehr durchgeführt werden. Anschließend klassifizierten die Forschenden die Ergebnisse mithilfe der Oxford Centre for Evidence-Based Medicine 2011 Levels of Evidence.

Insgesamt 122 Artikel (mit 1032 Patienten) erfüllten die Einschlusskriterien.

  • Topische Immuntherapie mit Kontaktsensibilisatoren

    • In 8 Artikeln wurde über eine Behandlung mit Diphenylcyclopropenon bei 200 Kindern mit AA berichtet. Die vollständigen Ansprechraten reichten von 0–33,3% und die Rückfallraten von 12,5–58,3%. Zu den Nebenwirkungen zählten ekzematöse Reaktionen der Kopfhaut, Juckreiz und regionale Lymphadenopathie (LAD).

    • Die Wirksamkeit von Quadratsäuredibutylester wurde bei 78 pädiatrischen Patienten untersucht. Die vollständigen Ansprechraten reichten von 0–33,3% und die Rückfallraten lagen zwischen 62,5–100%. Nebenwirkungen waren Reizungen, Juckreiz, LAD und Kontaktdermatitis.

  • Topische und intraläsionale Kortikosteroide

    • Hochwirksame topische Kortikosteroide waren in einer klinischen Studie, an der 41 pädiatrische Patienten teilnahmen, wirksamer als niedrigwirksame topische Kortikosteroide und waren auch Tacrolimus und Anthralin überlegen. Hochwirksame topische Kortikosteroide wurden von Kindern im Allgemeinen gut vertragen. Zu den Nebenwirkungen gehörten Hautatrophie, Teleangiektasien und Follikulitis. Obwohl die intraläsionale Kortikosteroidtherapie wirksam ist, ist ihre Anwendung bei Kindern aufgrund der mit den Injektionen verbundenen Schmerzen selten.

  • Systemische Kortikosteroidtherapie

    • Diese Therapie war die am häufigsten untersuchte Behandlungsform für AA bei Kindern (27 Studien, an denen 272 pädiatrische Patienten teilnahmen). Etwa 45% der Patienten, die intravenöse oder orale Kortikosteroide in gepulster Gabe erhielten, und 34% der Patienten, die herkömmliche orale Kortikosteroidschemata erhielten, zeigten ein vollständiges Ansprechen.

    • Eine kürzere Krankheitsdauer, ein jüngeres Alter bei Krankheitsbeginn und eine multifokale Erkrankung waren mit einem besseren Ansprechen verbunden. Die Rückfallraten lagen zwischen 16,7–100% bei gepulsten und 50–100% bei kontinuierlichen Kortikosteroiden. Es wurde über erhebliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Katarakte, Infektionen, Bluthochdruck, cushingoide Merkmale, psychiatrische Störungen und Akne berichtet.

Fazit

Nach Meinung der Studienautoren haben topische Kortikosteroide den höchsten Evidenzgrad für die Therapie von Kindern mit Alopecia areata, gefolgt von der Immuntherapie mit Kontaktsensibilisatoren. Topische Kortikosteroide seien daher die bevorzugte Erstlinientherapie für pädiatrische Alopecia areata. In Zukunft seien weitere klinische Studien erforderlich, um Behandlungsrichtlinien festzulegen und bereits bestehende mit neuartigen Therapien wie bspw. den Januskinase-Inhibitoren zu vergleichen.

Leandra Metzger, Stuttgart



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Article published online:
24 October 2022

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