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DOI: 10.1055/a-1856-2908
Periphere Venenkatheter: regelmäßiger vs. indikationsbasierter Wechsel
Authors
Comparison of Routine Replacement With Clinically Indicated Replacement of Peripheral Intravenous Catheters.
JAMA Intern Med 2021;
181: 1471-1478
DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.5345
Bis 2018 wurden periphere Venenkatheter (PVK) am Universitätsspital in Genf alle 96 Stunden gewechselt; danach folgte eine Interventionsphase, in der die Katheter nur bei entsprechender klinischer Indikation ausgetauscht wurden. 2019 kehrte die Klinik wieder zu einem regelmäßigen Wechselrhythmus zurück (Reversionsphase), da das indikationsbasierte Wechselregime mit einem höheren Risiko für katheterassoziierte Infektionen einherging.
Buetti und seine Kollegen fassen in ihrer Studie die Erkenntnisse zusammen, die sie in diesen Jahren zum Katheterwechsel gewinnen konnten. Die Daten, die sie dafür nutzten, wurden im Rahmen des in Genf etablierten Infektionskontrollprogramms routinemäßig zusammengetragen. Die Maßnahmen zur Infektionskontrolle (verwendetes Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial) wurden während der drei Studienphasen (Grund-, Interventions- und Reversionsphase) nicht geändert.
Von den insgesamt 412 631 peripheren Venenkathetern, die in den Jahren 2016 bis 2020 angelegt wurden, lagen in der Interventionsphase (IP) 20,4 % mehr als vier Tage. In den anderen beiden Phasen traf dies nur auf 10,9 % (Grundphase/GP) bzw. 12,8 % (Reversionsphase/RP) zu. Signifikante Unterschiede zwischen den Phasen bestanden hinsichtlich der Lokalisation der PVK: Während zu Beginn mehr als die Hälfte der Katheter am Unterarm gelegt wurden und 28,8 % an der Hand, waren es in den nachfolgenden Phasen nur noch rund 38 % bzw. 23 %. Im Verlauf wurde zunehmend die Ellenbeuge (5,1 % vs. 16,4 bzw. 18,6 %) und das Handgelenk (6,5 % vs. 17,6 bzw. 17,4 %) genutzt.
Die Inzidenz katheterassoziierter Infektionen lag in der Interventionsphase mit 0,9 pro 10 000 Kathetertagen deutlich höher als in der Grundphase (0,13/10 000 Kathetertage). Der Großteil der insgesamt 61 PVK-Infektionen trat nach mehr als vier Tagen auf; Tag 5 bildete dabei mit 18 Infektionen den Höhepunkt. Die Verweildauer der PVK lag in der Interventionsphase bei den betroffenen Patienten im Mittel bei sieben Tagen. Bei PVK, die länger als sieben Tage am Patienten verblieben, kam es in 0,1 % der Fälle (18/17 330) zu einer katheterassoziierten Infektion. Bei Kathetern mit einer Verweildauer von weniger als sieben Tagen lag die Infektionsrate nur bei 0,01 % (7/395 240).
Als die PVK regelmäßig alle 96 Stunden gewechselt wurden, ließen sich in den entnommenen Blutkulturen 15 verschiedene Mikroorganismen feststellen; zumeist handelte es sich um koagulasenegative Staphylokokken. In der Interventionsphase waren es hingegen 46 verschiedene Mikroorganismen, wobei deutlich häufiger Staphylococcus aureus nachgewiesen wurde.
Ob ein Anstieg der Inzidenz katheterassoziierter Infektionen auf einen Fall pro 10.000 Kathetertage einen routinemäßige Wechsel alle 96 Stunden rechtfertigt, bleibt zwar fraglich. Insbesondere da es sich insgesamt um eine sehr seltene Komplikation handelt und ein häufiger Wechsel zeitaufwendig ist und für die Patienten aufgrund der wiederholten Venenpunktionen auch von Nachteil sein kann. Andererseits ist bekannt, dass katheterassoziierte Infektionen mit einer erhöhten Mortalität und einem längeren stationären Aufenthalt verbunden sind. Der optimale Wechselrhythmus muss also noch ermittelt werden.
Stephanie Gräwert, Leipzig
Publication History
Article published online:
10 August 2022
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