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DOI: 10.1055/a-1844-8977
Männer- und Frauenhaut – Genderaspekte[*]
Skin of Men and Women – Gender AspectsAuthors
Zusammenfassung
Männer- und Frauenhaut sind unterschiedlich. Männerhaut ist dicker, hat mehr Talgdrüsen und Oberflächenlipide, eine höhere, nicht so divergente Keimzahl wie Frauen, niedrigere transepidermale Wasserverlust (TEWL)-Werte und einen niedrigeren pH-Wert. Die Wundheilung und das Niveau von Antioxidantien ist bei Frauenhaut besser. Männerhaut hat mehr Kollagen, altert an anderer Lokalisation, bei Männern finden sich mehr Falten an der Stirn, bei Frauen mehr Falten perioral. Studien sollten die Auswertung der Daten nach Geschlechtern mit beachten.
Abstract
Skin of men and women is different in its structure. Skin of men is thicker, more sebaceous glands und surface lipids are found. The skin flora shows more bacteria, but less divergence compared to women, a lower level of transepidermal water loss (TEWL) und lower pH levels. Wound healing and the level of anti-oxidants is better in women. The skin of men shows more collagen, ages in different locations with more skin folds on the forehead whereas women show more skin folds in the perioral location. Studies should focus on evaluation of the data according to sex as well.
Bei unseren Bemühungen zum topischen Anti-Aging der Haut fallen schon ganz pekuniäre Aspekte ins Auge. Es werden Produkte mit identischen Inhaltsstoffen als Gesichtscreme ausgelobt, bei denen das Produkt für „Sie“ 9,20 Euro kostet, für „Ihn“ jedoch für 6,20 Euro zu haben ist. Dabei sind die Inhaltsstoffe identisch. Ist also doch kein spezieller Wirkstoff für das Anti-Aging nötig und „one fits all“ ist die korrekte Aussage für das Anti-Aging [1]? Danach sind Frauen bereit, mehr für das Anti-Aging auszugeben als Männer. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper ist bei Männern größer als bei Frauen. Untersucht wurde dies mittels Selbst-Einschätzung der Haut an 7 unterschiedlichen Körperpartien bei 2126 Studienteilnehmern [2].
Epigenetik und Hautalterung bei Männern und Frauen
In der Forschung zur Epigenetik wird z. B. der Aspekt der Methylierung beschrieben. Methylierung ist einer von mehreren Markern zur Alterung; „viel“ Methylierung der DNA heißt fortgeschrittene Alterung. In einem Experiment zu alternden Mäusen wurden methyliertes Cytosin/Guanin und methyliertes Adenin/Thymin/Cytosin untersucht. Bei jungen versus alten Mäusen zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede mit vermehrter Methylierung bei beiden Geschlechtern. Bei männlichen Tieren versus weiblichen zeigten sich jedoch signifikante Varianzen für mehr Methylierung/Alterung bei männlichen Tieren [3].
Geschlechts-spezifische Unterschiede bei Hauterkrankungen und Pharmakotherapie
Geschlechtsunterschiede im Hinblick auf Hauterkrankungen existieren. Männer leiden häufiger unter Infektionserkrankungen. Frauen sind dagegen empfänglicher für psychosomatische Erkrankungen, Pigmentstörungen, Haarerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und allergischen Erkrankungen [4]. Als Ursache werden Unterschiede in der Hautstruktur, in der Physiologie, der Einfluss von Sexualhormonen, der ethnische Hintergrund, das soziokulturelle Verhalten und die Umweltfaktoren diskutiert [4] [5]. Die Gene des X-Chromosoms können bei Frauen inaktiviert sein und schützen dann vor schädlichen X-gebundenen Varianten, die sich aber bei Männern manifestieren. Wenn XX-Menschen, üblicherweise Frauen, bereits in utero eine X-Inaktivierung etablieren, profitieren sie später im Leben von dem so geschaffenen Mosaik. Der Vorteil des XX zeigt sich in der um 20 % geringeren Sterberate bei über 75-jährigen Frauen [6].
Viele pharmakologische Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhaut wurden untersucht.
Auch das Wirkungs- und Nebenwirkungsspektrum von Therapien ist bei den Geschlechtern unterschiedlich. In der Gender-Attention-Studie wurde u. a. das Nebenwirkungsspektrum von Ciclosporin in der Psoriasis-Therapie untersucht. So reagierten Frauen mit höheren FSH-Spiegeln seltener mit Nebenwirkungen. Bei den Männern reagierten die mit höheren DHEA-Spiegeln seltener mit Nebenwirkungen. Entsprechend wurden Gender-Studien zur Pharmakotherapie etabliert und das sollte weiter verfolgt werden [7] [8].
Charakteristika der Männer- und Frauenhaut
Die Epidermis ist bei Männerhaut um 15–24 % dicker als bei Frauen. Männerhaut enthält mehr Talgdrüsen an den Haarfollikeln. Daher kommt es zu einer stärkeren Talgproduktion, induziert durch Androgene. Der Hydrolipidmantel ist üblicherweise stabil. Die Keimzahl auf der Haut ist höher. Die sog. gesunde bakterielle Hautflora – untersucht an den Handflächen – ist bei Männern weniger diversifiziert oder, anders formuliert, „eintöniger“ als bei Frauen [9] [10]. Die Verhornung ist bei der Männerhaut stärker. Stirnfalten entwickeln beide Geschlechter erst ab dem 40. Lebensjahr [11] [12] [13]. Die Faltenbildung setzt später ein, dafür sind die Falten tiefer und ab dem 60. Lebensjahr typischerweise an der Stirn ausgeprägter als bei Frauen [14]. Frauen entwickeln vermehrt radiäre Falten in der Periorbitalregion. Bei Männern finden sich periorbital vermehrt Talgdrüsen, Schweißdrüsen und eine höhere Ratio zwischen Gefäßflächen und Bindegewebsflächen [15].
Die Männerhaut ist intensiv durchblutet, was jedoch mit zunehmendem Alter deutlicher zurückgeht als bei Frauen. Auch die Vasodilatator-Kapazität der Haut bei Männern ist deutlich altersabhängig [16]. Nach körperlicher Anstrengung haben Frauen eine höhere Schwelle für kutane Vasodilatation als Männer. Vermutet wird eine andere aktive Vasodilatator-Antwort und nicht eine Zunahme im adrenergen Vasokonstriktor-Tonus [17].
Der pH-Wert der Männerhaut ist üblicherweise im sauren Bereich bei 5,4 und damit niedriger als bei Frauen. Die Hydratation der Männerhaut nimmt ab dem 40. Lebensjahr ab. Männerhaut ist dunkler als Frauenhaut. Männerhaut weist mehr Kollagen auf, die Viskoelastizität ist daher besser. Wunden heilen jedoch bei Männerhaut schlechter und Saugblasen entstehen schneller. In einem Modell experimenteller Wunden konnte gezeigt werden, dass Kollagen bei Frauen in höherem Maße nachgebildet wird als bei Männern. Dies deckt sich mit der Beobachtung, dass die Wundheilung bei Männern oft schlechter ist als bei Frauen [18].
Das Vibrationsempfinden und die konsekutive Reduktion des Blutflusses ist bei Männern geringer als bei Frauen [19]. Sagt man dem Mann nach, er sei schmerzempfindlicher, stimmt dieses Dogma nicht unbedingt. Die Schmerzempfindlichkeit bei Frauen während und nach Impfungen ist deutlich höher [20]. Mit funktionalem Magnet-Resonanz-Imaging konnte gezeigt werden, dass muskulär und subkutan gesetzter Schmerz durch Injektionen mit hypertonischer Kochsalzlösung geschlechtsspezifisch unterschiedlich den mittleren cingulären Kortex, den dorsolateralen präfrontalen Kortex und die Hippocampus- und Cerebellum-Hirnregionen anregt. Eine unterschiedliche emotionale Bewertung des Schmerzes wird vermutet [21]. Für das Schmerzempfinden während und nach Tattoo-Setzen wurden während des Vorgangs keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gefunden. Danach waren die Schmerzen bei Frauen jedoch ausgeprägter und stärker bei Blutung und Stress [22].
Mit dem Alter nimmt der Haarschaftdurchmesser üblicherweise ab. In speziellen Lokalisationen nimmt aber beim Mann der Haarschaftdurchmesser zu, und zwar an Ohren, Nase und Augenbrauen – bei der Frau dagegen an der Oberlippe und am Kinn [23]. Vellushaare werden zu kosmetisch störenden Terminalhaaren.
Geschlechtsunterschiede bestehen auch beim Gesichtskontrast. Eine Auswertung kontrollierter Fotografien zeigte, dass Frauen eine größere Luminans haben zwischen den Augen, den Lippen und der umliegenden Haut als Männer. Ein androgynes Gesicht kann durch vermehrten Kontrast im Gesicht weiblicher erscheinen. Entsprechend können Kosmetika den Gesichtskontrast erhöhen [24]. Allerdings ist es bislang nicht üblich, den Kontrast an der Gesichtshaut zu reduzieren, um Männlichkeit zu betonen . Dagegen ist die Anwendung von Kosmetik bei Frauen darauf abgestimmt, die Femininität zu betonen.
Hauttypen
Während das Geschlecht eines Kindes bei Geburt üblicherweise determiniert ist, ist es der Hauttyp nicht. Die Einteilung der Hauttypen ist umstritten. Dennoch hat sich eine Klassifikation in normale Haut, empfindliche/hypersensitive Haut, trockene Haut und seborrhoische, zu Akne neigende Haut eingebürgert. Etwa 80 % der pubertierenden jungen Männer entwickeln zumindest vorübergehend eine seborrhoische Haut bis hin zu einer manifesten Akne. Der Akne-Behandlungsalgorithmus ist hinlänglich publiziert, wird aber noch nicht in aller Breite auch so umgesetzt [25].
Trockene Haut wird von Männern beklagt nach Hitze, Wind oder Kälteexposition oder bei trockener Raumluft. Klimaanlagen und Flugreisen verschlechtern die Symptomatik. Dazu kommt die mechanische Irritation am Hemdkragen und durch Rasur. Mangelnde Rückfettung ist durchaus typisch, denn „Mann“ cremt nicht gerne. Die empfindliche, hypersensitive Haut ist ein Symptom mit endogenen und exogenen Ursachen. In Asien werden als Ursache scharfe Gewürze und Temperaturschwankungen angegeben, in Amerika der Wind und in Europa die Kosmetika. 50 % der Frauen geben an, eine empfindliche, hypersensitive Haut zu haben; bei den Männern sind es immerhin 40 %. Beklagt werden Juckreiz, Brennen, Stechen und ein Spannungsgefühl an der Haut mit oder ohne objektivierbaren Befund. Messmethoden sind der Stinging-Test nach Kligman mit 5–10 %-iger Milchsäure nasolabial, die pH-Messung und die Bestimmung des transepidermalen Wasserverlustes. Es existiert keine exakte Definition über Messparameter oder Normbereiche zu den Hauttpyen. Die beliebteste „Nachweismethode“ dürfte wohl der Rotwein-Provokationstest sein, der sich in der Tat in der Fachliteratur findet. Bei empfindlicher, hypersensitiver Haut ist Vorsicht geboten beim topischen Einsatz von Fruchtsäuren, Salicylsäuren, Retinoiden, Urea, Vitamin C und Propylenglykol u. ä, da Irritationen auftreten können. Aktive Substanzen bei trockener und empfindlicher Haut sollten schützen und den Wiederaufbau der Hautbarriere fördern. In vitro werden Marker der epidermalen Differenzierung untersucht wie Loricrin, Filaggrin etc. Natural Moisturizing Factors sind sinnvoll; ebenso für die Männerhaut Inhaltsstoffe oder Partikel, die mechanische Reibung reduzieren [26]. Dabei darf die Zubereitung nicht fetten, nicht den Hemdkragen verfärben und muss schnell einziehen. Zu beachten ist, dass Männer bei den Duftstoffallergien aufgeholt haben und fast so häufig sensibilisiert sind wie die Damen [27].
UV-Exposition und Männerhaut
Das Sonnenverhalten in 3 unterschiedlichen Populationen wurde untersucht. Männer gehörten am ehesten der Gruppe „unbesorgt und mit niedrigem Risiko“ an oder der Gruppe „besorgt und sich schützend“. In der mittleren Gruppe fanden sich eher Frauen unter den Bräunungssuchenden, mehr als 30 Sonnenstudio-Besuche im Jahr, intensiver Gebrauch von Sonnenschutzmitteln und geringster Grad an textilem Sonnenschutz [28]. In New-England wurde das Sonnenverhalten bei 2324 Strandbesuchern untersucht. Das Sonnenschutzverhalten war am besten bei Menschen mit höherem Lebensalter, weiblichem Geschlecht und hoher Sonnenempfindlichkeit [29].
Was die Reparatur des UV-Schadens (Cyclobutanpyrimidindimere und 6–4 Photoprodukte) anbelangt, so zeigten sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in der DNA-Reparatur und bei beiden Geschlechtern eine Zunahme des UV-Schaden mit dem Alter [30].
Die UV-induzierte Immunsuppression ist bei Männerhaut ausgeprägter als bei Frauenhaut. Untersucht wurde dies mit dem Mendel-Mantoux-Test zum Nachweis einer fraglichen Tuberkulose respektive zur Überprüfung des Impfstatus. Die 3-fach geringere Dosis war für Männer nötig als bei Frauen, um eine positive Testreaktion bei Geimpften zu unterdrücken [31]. Frauen leben länger als Männer. Das Radikalfängerniveau wurde in diesem Zusammenhang diskutiert. Östradiol erhöht die Expression mitochondrialer Antioxidantien. In vivo findet sich ein erhöhtes Niveau UV-induzierter Entzündung im Mausexperiment [32]. Der Frauenvorteil zieht sich durch, bis hin zum Melanom. Das weibliche Geschlecht ist prognostisch günstig in Hinblick auf das Überleben nach Melanom [33].
Mikrobiom und Geschlecht
Junge Haut hat über alle Lokalisationen hinweg ein größeres Spektrum an Hautkeimen im Vergleich zur Altershaut. Bei Männern ist das Spektrum schmaler als bei Frauen [9] [10]. Paare haben ein zu 86 % vorhersehbar ähnliches Mikrobiom-Profil, bedingt durch den Hautkontakt. In der Hüft-/Leistenregion ist das Mikrobiom jedoch eher vom Geschlecht als vom Paarkontakt bestimmt. Abgesehen von Kohabitation und Geschlecht gibt es weitere Faktoren, die das Mikrobiom an verschiedenen Lokalisationen beeinflussen, wie Körperpflegeprodukte, Haustiere und Alkohol [34].
Es scheint Sinn zu machen bei unseren Studien zur menschlichen Haut Daten geschlechtsspezifisch auszuwerten. So lernen wir mehr über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und gegenseitige Beeinflussung.
Interessenskonflikt
Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
* Nach einem Referat gehalten bei der DermKompakt in Wiesbaden, Beautiful Sunday, 2/2022, Herrn Prof. Jung zum 90. Geburtstag zugedacht, Review Dr. Beate Schwarz, Langenau
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Literatur
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Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
14 June 2022
© 2022. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
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