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DOI: 10.1055/a-1766-4952
Videokapillarmikroskopie identifiziert veränderte Mikrovaskularisation bei Patienten mit Psoriasis vulgaris
Authors
Nailfold videocapillaroscopy identifies microvascular pathologies in psoriasis vulgaris: Results of a prospective controlled study.
JDDG 2021;
19: 1736-1744
DOI: 10.1111/ddg.14606
Patienten mit einer Psoriasis vulgaris haben ein gesteigertes kardiovaskuläres Risiko und eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität. Die persistierende systemische Inflammation könnte auch Veränderungen kleiner Gefäße begünstigen. Die Kapillarmikroskopie des Nagelfalzes eignet sich wegen der parallel verlaufenden Kapillaren für die nicht invasive Beurteilung. Die prospektive Studie ergab Unterschiede bei Patienten mit Psoriasis (Gruppe A), mit Psoriasis plus assoziierter Arthritis (Gruppe B) und gesunden Kontrollpersonen (Gruppe C).
In Gruppe A waren 58, in Gruppe B 27 und in Gruppe C 80 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Aller erhielten eine digitale Videokapillarmikroskopie der Finger 2–5 beider Hände. 17 Dokumentationen mussten wegen unzureichender Bildqualität von der Analyse ausgenommen werden. Die verbleibenden 77 Patienten und 71 Kontrollen waren vergleichbar hinsichtlich des Alters, Geschlechts und der klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren. Die Erkrankten wiesen allerdings einen höheren Body-Mass-Index, häufiger Depressionen, einen Typ-2-Diabetes und die assoziierte Medikation auf. Die Psoriasis war durchschnittlich 15,8 Jahre bekannt und der PASI betrug 14,9. Die Krankheitsdauer und der Schweregrad unterschieden sich bei Patienten mit und ohne Arthritis nicht. 64% der Patienten hatten eine Nagelbeteiligung, die mit dem PASI assoziiert war.
Die Analyse von insgesamt 5920 kapillaroskopischen Aufnahmen erfolgte anhand von 21 vordefinierten morphologischen Kriterien. Die Auffälligkeiten ließen sich in 3 Gruppen einteilen:
-
Kapillarverlust mit reduzierter Kapillardichte und avaskulären Arealen,
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Kapillarvergrößerung mit höheren Durchmessern, größerer Kapillarweite, mehr geschlängelten, elongierten und ramifizierten Kapillaren sowie
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Desorganisation mit größeren Kalibervariationen, unterschiedlicher Polarität und inhomogener Verteilung.
Patienten mit Nagelbeteiligung wiesen signifikant mehr geschlängelte Kapillaren (38,2% vs. 35,4%) und Patienten mit Arthritis häufiger buschartige Kapillaren auf (3,1% vs. 0,7%). Verglichen mit den Kontrollen waren die systemische Inflammationsmarker der Patienten höher und eine Arteriosklerose häufiger (Intima-Media-Dicke). Rauchende Erkrankte hatten eine geringere Kapillardichte als nicht rauchende und rauchende Kontrollen eine höhere Kapillardichte als nicht rauchende. Ein Typ-2-Diabetes von Patienten war mit einer stärkeren Tortuosität und Ramifikation assoziiert. Die Kapillarpathologie korrelierte insgesamt nicht mit der Dauer und Schwere der Psoriasis.


Die Kapillaren des Nagelfalzes wiesen markante Auffälligkeiten auf, die von einer gesteigerten systemischen Inflammation und einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Arteriosklerose begleitet waren. Die Kapillarmikroskopie eigne sich möglicherweise für die Abschätzung des kardiovaskulären Risikos, so die Autoren. Die Arbeitsgruppe betont, dass unbedingt alle Finger untersucht werden müssen, da sich die Ergebnisse intraindividuell unterschieden. Als Ursachen der Veränderungen diskutieren Bardehle et al. Kompensationsmechanismen, das inflammatorische Milieu und eine VGEF-Überexpression. Die Ergebnisse schränkte ein, dass alle Teilnehmenden einen hellen Hauttyp hatten.
Dr. med. Susanne Krome, Melle
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Publication History
Article published online:
14 April 2022
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