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DOI: 10.1055/a-1710-8527
Teledermatologie – zwischen Hype und Realität
Teledermatology – between Hype and RealityAuthors


Telemedizin (E-Health) ist die Verwendung von Telekommunikationstechnologien zum Austausch medizinischer Informationen für Diagnostik, Konsultation, Therapie und Lehre [1]. Da die Dermatologie nicht ausschließlich, aber sehr stark bildorientiert ist, wurde schon früh darüber nachgedacht, telemedizinische Werkzeuge für eine „Dermatologie aus der Ferne“ einzusetzen. Auf Pubmed stammt der erste Beitrag zum Suchbegriff „Teledermatologie“ aus dem Jahr 1995, als Perednia und Brown über das „Oregon Teledermatology Project“ berichteten [2], mit dem dermatologische Versorgung in ländliche Gebiete gebracht werden sollte. Auch für hautärztliche Konsultationen bei Gefängnisinsassen wurde Teledermatologie schon früh populär [3]. In der Folge stieg die Zahl der Publikationen kontinuierlich an, bis sie im Zuge der COVID-19-Pandemie 2020–2021 mit über 200 Papers/Jahr geradezu „explodierte“. Aus einem Tool für Konsultationen in entlegenen Gegenden (die seinerzeit dritte Publikation stammte aus Schottland [4]) wurde ein Instrument zur Reduzierung persönlicher Begegnungen mit dem Arzt im Rahmen der Lockdowns [5]. Der Siegeszug der Personal Computer, der Digitalfotografie und des Internets seit den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrtausends, insbesondere aber der „Smartphones“ hatte der Teledermatologie die technologische Basis für eine breite Anwendung geliefert, sodass aus einem Instrument in der Forschung praktische Anwendungen für die Krankenversorgung wurden [6].
Zwei Beiträge in diesem Heft der „Aktuellen Dermatologie“ beleuchten die Teledermatologie aus dem Blickwinkel der dermatologischen Klinik und der Praxis. Beide Arbeiten stellen das Potenzial dieser Anwendung für unser Fachgebiet differenziert dar und verschweigen auch praktische Probleme und Nachteile nicht. Wie so oft sind Innovationen von viel Optimismus und „Hype“ begleitet, bis sich eine gewisse Ernüchterung einstellt. Hört man sich bei Kolleginnen und Kollegen um, die Teledermatologie in ihrer Praxis anbieten, so erfährt man vielfach, dass die Nachfrage nach Offline-Teledermatologie und Videosprechstunden doch begrenzt ist und dass auch von dermatologischer Seite der technische und Zeit-Aufwand nicht unterschätzt werden sollte. Viele Patienten bevorzugen eben doch die persönliche Konsultation „in vivo“, zumal dann, wenn die Versorgungslage mit dermatologischen Leistungen in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern nach wie vor luxuriös ist.
Dies sollte uns allerdings keinesfalls davon abhalten, die Möglichkeiten der Teledermatologie bereitzuhalten und interessierten Patienten anzubieten, zumal für die junge, Internet- und Smartphone-affine Generation. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen haben dafür mit der Teledermatologie-Guidance [7] und der jüngst erschienenen Leitline Teledermatologie [8] die Instrumente bereitgestellt, und über die Deutsche Dermatologische Akademie können sich Hautärztinnen und Hautärzte als Teledermatologen zertifizieren lassen [9]. Die anfänglichen Sorgen, die Teledermatologie könne zu einer Marginalisierung unseres Fachgebietes beitragen, dermatologische Leistungen könnten in Schwellenländer exportiert werden und die Arzt-Patienten-Beziehung leide durch die Zwischenschaltung eines Bildschirms, haben sich bislang zumindest nicht bestätigt. Wir sollten teledermatologische Anwendungen realistisch als ein zusätzliches diagnostisches Instrument betrachten und mit Vernunft einsetzen, gewahr der Warnung des großen amerikanischen Dermatologen Albert Kligman: „A fool with a tool remains a fool.“
Interessenkonflikt
Der Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Literatur
- 1 Wurm EMT, Hofmann-Wellenhof R, Wurm R. et al. Telemedizin und Teledermatologie: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. J Dtsch Dermatol Ges 2008; 6: 106-112
- 2 Perednia DA, Brown NA. Teledermatology: one application of telemedicine. Bull Med Libr Assoc 1995; 83: 42-47
- 3 Norton SA, Burdick AE, Phillips CM. et al. Teledermatology and underserved populations. Arch Dermatol 1997; 133: 197-200
- 4 Crichton C, Macdonald S, Potts S. et al. Teledermatology in Scotland. J Telemed Telecare 1995; 1: 185
- 5 Elsner P. Teledermatologie in den Zeiten von COVID-19 – ein systematisches Review. J Dtsch Dermatol Ges 2020; 18: 841-847
- 6 Dorsey ER, Topol EJ. State of Telehealth. N Engl J Med 2016; 375: 154-161
- 7 Augustin M, Wimmer J, Biedermann T. et al. Praxis der Teledermatologie. J Dtsch Dermatol Ges 2018; 16 Suppl 5: 6-57
- 8 Augustin M, Strömer K. et al. S2k-Leitlinie Teledermatologie. 2020 Im Internet (Stand: 23.11.2021): https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-097l_S2k_Teledermatologie_2021-03.pdf
- 9 Elsner P, Fritz K, Strömer K. Zertifizierung: „Teledermatologie (DDA)“. Akt Dermatol 2020; 46: 307-310
Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
22 February 2022
© 2022. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Wurm EMT, Hofmann-Wellenhof R, Wurm R. et al. Telemedizin und Teledermatologie: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. J Dtsch Dermatol Ges 2008; 6: 106-112
- 2 Perednia DA, Brown NA. Teledermatology: one application of telemedicine. Bull Med Libr Assoc 1995; 83: 42-47
- 3 Norton SA, Burdick AE, Phillips CM. et al. Teledermatology and underserved populations. Arch Dermatol 1997; 133: 197-200
- 4 Crichton C, Macdonald S, Potts S. et al. Teledermatology in Scotland. J Telemed Telecare 1995; 1: 185
- 5 Elsner P. Teledermatologie in den Zeiten von COVID-19 – ein systematisches Review. J Dtsch Dermatol Ges 2020; 18: 841-847
- 6 Dorsey ER, Topol EJ. State of Telehealth. N Engl J Med 2016; 375: 154-161
- 7 Augustin M, Wimmer J, Biedermann T. et al. Praxis der Teledermatologie. J Dtsch Dermatol Ges 2018; 16 Suppl 5: 6-57
- 8 Augustin M, Strömer K. et al. S2k-Leitlinie Teledermatologie. 2020 Im Internet (Stand: 23.11.2021): https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-097l_S2k_Teledermatologie_2021-03.pdf
- 9 Elsner P, Fritz K, Strömer K. Zertifizierung: „Teledermatologie (DDA)“. Akt Dermatol 2020; 46: 307-310


