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DOI: 10.1055/a-1698-1152
Späte Begutachtung von Patch-Tests zeigen häufig positive Befunde
Patch tests in nonimmediate cutaneous adverse drug reactions: The importance of late readings on day 4.
Contact Dermatitis 2021;
DOI: 10.1111/cod.13981
Wenn Patienten mehrere Arzneimittel einnehmen, die in Verdacht stehen, unerwünschte Arzneimittelreaktionen aufzuweisen, kann schwierig zu beurteilen sein, welches Medikament der Auslöser ist. Bhujoo et al. untersuchten die Aussagekraft einer späten Begutachtung von Patch-Tests an Tag 4 im Vergleich zum Ergebnis an Tag 2 bei Patienten mit verzögerten kutanen unerwünschten Arzneimittelreaktionen.
Die Ergebnisse der vorliegenden monozentrischen, retrospektiven Studie zeigen, dass eine Begutachtung der Haut 4 Tage nach dem Patch-Test die Anzahl positiver Befunde nach einer verzögerten kutanen unerwünschten Arzneimittelreaktion erhöht. Somit kann die Anzahl schwieriger und kostspieliger Intradermaltests reduziert werden. Die Forscher aus Créteil in Frankreich werteten Daten von Patienten aus, die zwischen Juli 2014 und März 2020 in eine allergologische Datenbank eingespeist wurden. Als Einschlusskriterien legten die Experten eine Anamnese von verzögerten kutanen unerwünschten Arzneimittelreaktionen, verfügbare Ergebnisse von Patch-Test-Messungen an Tag 2 und Tag 4 und mindestens ein positives Patch-Test-Ergebnis fest. Die Wissenschaftler erhoben außerdem Daten zum Alter und Geschlecht der Patienten, zur Art der kutanen Arzneimittelreaktion, zu getesteten Medikamenten, Zeit zwischen der unerwünschten Arzneimittelreaktion und dem Patch-Test sowie den Ergebnissen der Messungen an Tag 2 und Tag 4. Die Diagnose einer unerwünschten Arzneimittelreaktion basierte auf den üblichen klinischen und bei schwerem Verlauf auch auf biologischen und histologischen Biomarkern. Die Forscher legen ihr Augenmerk insbesondere auf makulopapulöse Exantheme, Arzneimitteleruptionen, akute generalisierte exanthematische Pustulose, Arzneimittelreaktionen mit Eosinophilie und systemischen Symptomen und Stevens-Johnson-Syndrom/toxische epidermale Nekrolyse. Die Patch-Tests wurden mit IQ-Ultrakammern 2 Tage lang auf den oberen Rücken aufgetragen und an Tag 2 und Tag 4 von einem Dermatologen begutachtet.
Die Experten werteten Daten von insgesamt 75 Patienten aus. Insgesamt 54,7 % wiesen ein positives Patch-Test-Ergebnis an Tag 2 auf, das in allen Fällen an Tag 4 positiv blieb. 45,3 % hatten ein negatives Patch-Test-Ergebnis an Tag 2, aber ein positives Ergebnis an Tag 4. Kein Patient aus der Studiengruppe wies ein positives Ergebnis an Tag 2 und ein negatives Ergebnis an Tag 4 auf. Die Experten fanden keine signifikanten Unterschiede in der Zeit bis zur Positivität bezüglich des Geschlechts, der Zeit bis zur allergologischen Untersuchung, der Art der unerwünschten kutanen Arzneimittelreaktion und getesteter Medikamente. Allerdings waren Patienten, die nur an Tag 4 positiv waren, deutlich älter als diejenigen, die bereits an Tag 2 positiv waren.


Allergologische Untersuchungen zur Ermittlung verzögerter kutaner unerwünschter Arzneimittelreaktionen sollten auch nach Ablauf von 2 Tagen per Patch-Test noch begutachtet werden, um falsch-negative Ergebnisse und unnötige Intradermaltests zu vermeiden, so die Autoren. Weitere Studien sind laut den Experten erforderlich, um den Zeitpunkt für die zusätzliche späte Messung besser abschätzen zu können, ohne falsch-positive Ergebnisse oder eine Arzneimittelreaktion-Reaktivierung zu riskieren.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
Publication History
Article published online:
16 March 2022
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