Aktuelle Dermatologie 2022; 48(04): 121-124
DOI: 10.1055/a-1690-2888
Derma-Fokus

Hohe Prävalenz für genitale Symptome bei Psoriasis und chronischer Urtikaria

Staubach P. et al.
High prevalence and little awareness in patients with chronic inflammatory skin diseases and genital involvement.

JDDG 2021;
19: 1443-1450
DOI: 10.1111/ddg.14437
 

Chronisch-entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis (PSO) oder chronische Urtikaria (CU) sind weit verbreitet und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Eine Beteiligung des Genitalbereichs ist dabei nicht selten – jedoch ist das Bewusstsein der medizinischen Fachkräfte für genitale Manifestationen und die zugehörigen psychosexuellen Einflüsse nach wie vor gering.


Genitale PSO zeichnet sich durch abgegrenzte Plaques aus, die meist nicht mit der pathognomonischen Schuppenbildung, sondern eher mit Mazerationen einhergehen. Während die Prävalenz für genitale Läsionen bei PSO etwa 29–60 % beträgt, liegen derzeit keine Daten zur Prävalenz genitaler Läsionen bei CU vor. Auch gibt es bislang kaum spezifische Therapieempfehlungen bezüglich der genitalen Beteiligung bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen, so die Autorinnen und Autoren einer aktuellen Studie des Mainzer Universitätsklinikums. Ihr Anliegen war es daher, die Prävalenz genitaler Symptome sowie den Einfluss auf die Lebensqualität bei Patienten mit PSO und CU zu untersuchen. Zudem beurteilten die Forschenden die Arzt-Patienten-Beziehung und ermittelten Therapiewünsche. Dafür nahmen sie 100 erwachsene Patienten (≥ 18 Jahre) mit PSO, 100 erwachsene Patienten (≥ 18 Jahre) mit CU sowie 50 gesunde Kontrollen (≥ 18 Jahre) in die Studie auf. Die Datenerhebung erfolgte zwischen Januar und Juni 2016 mithilfe eines Fragebogens, der von Dermatologen entwickelt wurde. Der Fragebogen enthielt insgesamt 10 Fragen, die sich auf die Prävalenz genitaler Symptome, die Art und Häufigkeit genitaler Probleme, den Einfluss auf die Lebensqualität, das Schamgefühl, die Beratung durch die Ärzte und die Therapiewünsche bezogen.

Ergebnisse

Von den 100 Patienten mit PSO waren 50 männlich und 50 weiblich, in der CU-Gruppe waren 39 männlich und 61 weiblich und in der Kontrollgruppe waren 26 männlich und 24 weiblich. Das mediane Alter der gesamten Studienpopulation betrug 49 Jahre (Bereich 18–83 Jahre), in der PSO-Gruppe 50 Jahre (23–51 Jahre), in der CU-Gruppe 45 Jahre (19–75 Jahre) und in der Kontrollgruppe 50 Jahre (18–80 Jahre).

  • Von den 250 Studienteilnehmern hatten 74 % schon einmal Symptome im Genitalbereich. Davon betroffen waren 70 % der PSO-Patienten, 58 % der CU-Patienten und 42 % der Kontrollen. Sieben von 10 Teilnehmern klagten über eine wiederholte genitale Beteiligung.

  • Der Chi-Quadrat-Test ergab einen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Prävalenz genitaler Symptome bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen im Vergleich zu den Kontrollen (p = 0,004). Dabei war die Prävalenz genitaler Läsionen bei Patienten mit PSO signifikant höher als bei den Kontrollen (p = 0,01).

  • In der Studienpopulation berichteten 50 % der PSO-Patienten und 41 % der CU-Patienten, dass die genitale Beteiligung einen Einfluss auf die Lebensqualität habe. PSO-Patienten gaben dabei die stärkste Beeinträchtigung der Lebensqualität an – im Vergleich zu CU-Patienten und den Kontrollen. Außerdem gab es eine positive Korrelation zwischen der Erkrankungsdauer und der Schwere der Beeinträchtigung der Lebensqualität.

  • Bei 41 % der PSO-Patienten und bei 41 % der CU-Patienten war genitaler Pruritus das Hauptsymptom.

  • Zudem beklagten 74 % mangelndes Bewusstsein der Ärzte: 79 % der CU-Patienten und 58 % der PSO-Patienten gaben an, niemals von ihren Ärzten zu genitalen Symptomen befragt worden zu sein.

Fazit

Ein Großteil der Patienten mit PSO und CU leidet an einer genitalen Beteiligung, was sich negativ auf die Lebensqualität der Erkrankten auswirkt. Laut den Autoren seien wiederkehrende Symptome im Genitalbereich bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen zudem häufiger als bislang angenommen, weshalb sie bei der Therapiebeurteilung berücksichtigt werden sollten. Weitere Studien seien nun erforderlich, um die genitale Beteiligung auch bei anderen Hauterkrankungen zu untersuchen.

Leandra Metzger, Stuttgart




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Article published online:
14 April 2022

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