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DOI: 10.1055/a-1661-2498
Wie sinnvoll ist der Einsatz von Teledermatologie beim Patch-Test?
lnter-rater variability in patch test readings and final interpretation using store-forward teledermatology.
Contact Dermatitis 2021;
85: 274-284
DOI: 10.1111/cod.13856
Die Teledermatologie (TD) meint den Einsatz von Technologie, um dermatologische Dienstleistungen aus der Ferne erbringen zu können. Neben asynchronen Formaten gibt es inzwischen auch eine interaktive Live-TD, bei der ein Teledermatologe in Echtzeit klinische Empfehlungen gibt. Die TD ermöglicht Kosteneinsparungen und reduziert die Anzahl persönlicher Besuche in der Klinik. Eine Studie testete nun den Einsatz der TD bei Patch-Tests.
Amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen dafür die Auswertungen und abschließende Interpretation von Patch-Tests durch 2 Dermatologen mit denen von 8 Teledermatologen. Hierfür wurden Patienten (≥ 18 Jahre), die sich zwischen 2015 und 2016 einem Patch-Test unterzogen, von einem Dermatologen einmal nach 48 h und ein weiteres Mal nach 96–168 h mithilfe der NACDG-Standards (North American Contact Dermatitis Group) bewertet: + (Erythem, Verhärtung, +/– Papeln), ++ (Erythem, Verhärtung, Papeln, Bläschen), +++ (starkes Erythem, Verhärtung, koaleszierende Vesikel, Blasen, Ausbreitung), zweifelhaftes Ergebnis (schwaches Erythem ohne Verhärtung), Irritationen oder negativ. Im Anschluss nahm der Dermatologe eine abschließende Bewertung vor (allergisch, unbestimmt, Irritationen, negativ). Gab der Patient sein Einverständnis, wurden jeweils Fotos nach 48 h und bei der 2. Auswertung von der Screening-Serie gemacht. Die Fotos wurden von 8 Teledermatologen begutachtet und die Reaktionen (+, ++, +++, zweifelhaftes Ergebnis, Irritationen, negativ) jeweils nach 48 h und bei einer 2. Auswertung bewertet. Anschließend kodierten die Teledermatologen eine endgültige Interpretation für jede Reaktion. Zusätzlich bewerteten sie u. a. auch die Gesamtqualität des Fotos. Primäres Ergebnis war die Übereinstimmung zwischen Dermatologen und Teledermatologen bei der 2. Auswertung, die auf Basis der klinischen Signifikanz (erfolgreich, teilweise unstimmig und fehlerhaft) berechnet wurde.
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„Erfolgreich“: exakte Übereinstimmung von +/++/+++, zweifelhaftes Ergebnis oder Irritationen; teilweise Übereinstimmung (Kombination von +/++/+++) und negative Bewertung vs. Irritationen.
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„Teilweise unstimmig“: +/++/+++ Bewertung vs. Irritationen, Irritationen vs. zweifelhaftes Ergebnis, negative Bewertung vs. zweifelhaftes Ergebnis und +/++/+++ Bewertung vs. zweifelhaftes Ergebnis.
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„Fehlerhaft“: vollständige Diskrepanz (+/++/+++ Bewertung vs. negativ).
Zu den sekundären Ergebnissen gehörten u. a. die Übereinstimmung nach 48 h, die Übereinstimmung bei der endgültigen Interpretation sowie die Korrelation zwischen Bildqualität und Nichtübereinstimmung.
Ergebnisse
Für 99, 101 und 66 Teilnehmer waren Daten nach 48 h, bei der 2. Auswertung bzw. bei der endgültigen Interpretation verfügbar. Von insgesamt 56 536 Paarungen (zwischen Dermatologe und Teledermatologe) bei der 2. Auswertung gab es 3365 Paarungen, bei denen eine oder beide nicht als negativ bewertet wurden.
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„Erfolgreich“ waren 43,5 % (Bereich 33,4–49,4 %) der Paarungen, „teilweise unstimmig“ waren 43,0 % (Bereich 39,3–46,6 %) und „fehlerhaft“ waren 13,6 % (Bereich 7,9–20,4 %).
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Von den 450 Fehlinterpretationen waren 72,9 % auf eine Unterbewertung des Teledermatologen zurückzuführen (Dermatologe: +/++/+++ vs. Teledermatologe: negativ).
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Nach 48 h waren 5,4 % (Bereich 2,9–6,8 %) der Paarungen „fehlerhaft“, und bei der endgültigen Auswertung waren 24,6 % „fehlerhaft“ (Bereich 10,2–36,8 %).
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Unstimmigkeiten waren mit einer niedrigen Bildqualität korreliert.
Die Übereinstimmung bei der 2. Auswertung war in 13,4 % der Fälle „fehlerhaft“, bei der endgültigen Interpretation waren die Unstimmigkeiten sogar noch höher. Weiterhin wurden die Reaktionen von den Teledermatologen häufig unterschätzt. Diese Ergebnisse belegen, dass die Teledermatologie im Hinblick auf die Auswertung von Patch-Tests erhebliche Einschränkungen aufweise, so die Autorinnen und Autoren.
Leandra Metzger, Stuttgart
Publication History
Article published online:
22 February 2022
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