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DOI: 10.1055/a-1661-2200
Biologika erhöhen Risiko für Haut- und Weichteilinfektionen nicht signifikant
Die immunmodulierende Wirkung von Biologika kann hospitalisierte Patienten für Haut- und Weichteilinfektionen (SSTI) prädisponieren. Bisher gibt es jedoch wenige Erkenntnisse, inwieweit perioperativ als auch nicht-perioperativ verabreichte Biologika das Risiko für Infektionen erhöhen. Nguyen et al. untersuchten die Häufigkeit von SSTI bei Patienten, die Adalimumab, Infliximab, Etanercept oder Ustekinumab erhielten.
Die Forscher konnten im Rahmen der vorliegenden retrospektiven Querschnittsstudie kein erhöhtes SSTI-Risiko unter Biologika-Therapie feststellen. Eine gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden jedoch erhöhte das Risiko für SSTI. Die amerikanischen Wissenschaftler schlossen Patienten in die Studie ein, die zwischen Juni 2013 und Juni 2018 am Massachusetts General Hospital und am Brigham and Womenʼs Hospital in den USA eine Biologika-Therapie erhielten. Die Experten identifizierten die Patienten mithilfe einer elektronischen Datenbank für Krankenakten (Partners Research Patient Data Register; RPDR). Die Forscher bezogen 4 verschiedene Biologika in die statistische Analyse mit ein: Adalimumab, Infliximab, Etanercept und Ustekinumab. Die Wissenschaftler extrahierten aus der elektronischen Krankenakte zu jedem Patienten Angaben zum Alter zu Beginn der Biologika-Behandlung, das Geschlecht, Komorbiditäten mit erhöhtem SSTI-Risiko (Diabetes, Fettleibigkeit, Kortikosteroidgebrauch, Raucherstatus, Bluthochdruck, frühere oder aktuelle Krebserkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und intravenöser Drogenkonsum), aufgetretene SSTI und Angaben zu Operationen innerhalb des Studienzeitraumes. Außerdem führten die Experten eine Untergruppenanalyse bei jenen Patienten aus, die während der Biologika-Therapie operiert wurden. Für diese Analyse erhoben die Forscher Angaben zur Art der Operation, zur Dauer und zum Zeitpunkt der Behandlung mit dem Wirkstoff. Als postoperative SSTI definierten die Wissenschaftler eine Hautinfektion innerhalb von 90 Tagen nach einer Operation, die eine antibiotische Behandlung erforderte.
Die Forscher schlossen 827 Patienten in die Studie ein. Die Analyse ergab, dass Bluthochdruck, ehemaliger Tabakkonsum und eine Kortikosteroideinnahme signifikant mit der Entwicklung einer SSTI einhergingen. 41,8 % der Patienten, die eine SSTI entwickelten, nahmen gleichzeitig systemische Kortikosteroide ein. Insgesamt 18,6 % der Patienten, die gleichzeitig mit Biologika und Steroiden behandelt wurden, entwickelten eine SSTI; jene Patienten, die lediglich ein Biologikum erhielten, wiesen ein signifikant niedrigeres Risiko auf. Hier erkrankten nur 10,1 % der Patienten an einer SSTI. Patienten, die Adalimumab oder Etanercept gemeinsam mit Steroiden einnahmen, erkrankten im Vergleich zu jenen mit Infliximab oder Ustekinumab statistisch etwas häufiger an einer SSTI. Von sämtlichen Patienten der Kohorte erlebten 218 Patienten einen chirurgischen Eingriff während des Beobachtungszeitraumes. Die Experten kamen zu dem Resultat, dass eine gleichzeitige Einnahme von Kortikosteroiden und Biologika statistisch signifikant häufiger zu SSTI führte. Postoperative SSTI traten bei 14,5 % der Patienten auf, die die Biologika absetzten, und nur bei 6,3 % der Patienten, die die Behandlung fortsetzten; dieser Zusammenhang erwies sich jedoch statistisch als nicht signifikant. Insbesondere Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen erkrankten an einer SSTI.
Die Experten konnten im Rahmen der Studie keinen signifikanten Zusammenhang zwischen 4 untersuchten Biologika und dem Risiko einer SSTI finden. Die gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden jedoch erhöhte das SSTI-Risiko. Die aktuellen Richtlinien für das präoperative Absetzen von Biologika sollten neu bewertet werden, da es laut den Autoren keinen Unterschied im SSTI-Risiko bei Patienten gab, die die Biologika präoperativ absetzten.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
Publication History
Article published online:
22 February 2022
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