Jung YE.
et al.
Effect and Reach of Medical Articles Posted on Preprint Servers During the COVID-19
Pandemic.
JAMA Intern Med 2021;
181: 395-396
DOI:
10.1001/jamainternmed.2020.662
Ein Autorenteam um Ye Eun (Grace) Jung von der Ben-Gurion Universität der Negev in
Beersheva, Israel, verglich den Effekt und die Reichweite von Studien zu möglichen
Therapien von COVID-19, die auf dem Preprint-Server medRxiv erstmals zugänglich gemacht
worden waren, mit Beiträgen, die nicht auf irgendeinem Preprint-Server erschienen
waren, bevor sie in einem Wissenschaftsjournal publiziert wurden. Eingeschlossen wurden
englischsprachige Veröffentlichungen zu Chloroquin und Hydroxychloroquin, Lopinavir-Ritonavir,
Angiotensin-Rezeptorenblocker, Angiotensin-converting Enzyme(ACE)-Hemmer, Rekonvaleszentenplasma
und Kortikosteroiden zur Therapie von COVID-19. Die Publikationen mussten zwischen
dem 1. Februar und 10. Mai 2020 auf medRxiv bzw. in einer medizinischen Fachzeitschrift
zwischen 1. Februar und 10. Juli 2020 veröffentlicht worden sein. Die erhaltene Aufmerksamkeit
und durch den jeweiligen Beitrag ausgelöste Online-Aktivität ermittelten die Autoren
mithilfe des Altmetric-Attention-Scores, eines kommerziell verfügbaren Online-Messinstruments
für wissenschaftliche Ergebnisse, sowie mithilfe der Auswertung individueller Posts
auf Twitter, Seitenaufrufen und der wissenschaftlichen Zitierung.
Ergebnisse
In Zeitschriften mit Peer Review wurden im besagten Zeitraum 45 Publikationen zu möglichen
COVID-19-Therapien publiziert, die nicht vorher auf medRxiv verfügbar waren, und 17,
die bereits dort vor Druck abrufbar gewesen waren. Eine vorab auf medRxiv veröffentlichte
Studie führte später auch zu 2 Peer-Review-Publikationen. Zusätzlich gab es auf medRxiv
noch 18 Preprint-Publikationen, die bis Juli 2020 nicht in Zeitschriften mit Peer
Review erschienen waren.
Peer-Review-Publikationen wurden mit median 22 Zitaten (interquartile range [IQR]
4,3–52,5) signifikant häufiger zitiert als Preprints (median 5,5 Zitate [IQR 1,3–20,3];
p = 0,01). Es gab aber bei den anderen Parametern (Altmetric-Attention-Score, Online-Abrufe,
Twitter-Posts) keine Unterschiede. Alle Parameter zeigten eine hohe Variabilität in
den einzelnen Studien. Einen signifikanten Unterschied bezüglich des Impact-Faktors
der Zeitschriften mit Publikationen ohne und mit Preprint-Veröffentlichungen gab es
nicht.
Erst preprint und dann in Peer-Review-Zeitschriften veröffentlichte Studien wiesen
höhere Altmetric-Attention-Scores, häufigere Zitierungen in Zeitschriften und mehr
Onlineabrufe auf als nur preprint veröffentlichte Studien. Auch Twitter-Meldungen
und Zitate insgesamt zeigten einen positiven Trend zugunsten der voll publizierten
Artikel. Dennoch erfuhren auch die nur preprint veröffentlichten Studien eine gewisse
Verbreitung.
Die Autoren räumen ein, dass die analysierten Parameter mit einer gewissen Ungenauigkeit
behaftet sind. Sie zeigen aber doch recht klar, dass über Preprint-Server Zeitschriftenartikel
weit verbreitet werden können, auch wenn sie kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen
haben oder erst noch durchlaufen werden.
Friederike Klein, München