Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 2021; 53(02): 91
DOI: 10.1055/a-1401-4154
Nachruf

Nachruf auf Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon

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Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon.

Als enger Freund und treuer Wegbegleiter von Hans-Peter Bantleon habe ich die große Ehre ein paar persönliche Worte über ihn als Lehrer, Wissenschaftler und international anerkannten Kieferorthopäden schreiben zu dürfen.

Mir gegenüber äußerte sich Hans-Peter Bantleon oft in den 26 Jahren unserer Freundschaft mit einem für mich prägenden „Es ist wie es ist!“. Das war sein lapidares Motto. Das Motto seines Handelns, das nicht für Resignation oder gar Rekrimination stand, sondern für Wahrnehmung einer manchmal unerwartet entstandenen Situation, für welche eine Lösung herbeizuführen war. Das war er: ein pragmatischer Kämpfer, der sehr schnell begriff, wo das Problem lag und gleich reagierte.

So war er auch als Lehrer und Kieferorthopäde an der Wiener Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, an welcher er für 26 Jahre die Abteilung für Kieferorthopädie leitete. Die spannenden Morgenmeetings dienstags früh waren durch ziel- und lösungsorientierte Fallbesprechungen gekennzeichnet. Er war streng und teilweise kompromisslos aber die gemeinsam konzipierten Planungen waren eine wichtige Voraussetzung für eine gute Behandlung. Das hat er den mehr als 100 ausgebildeten Kieferorthopäd*innen mitgegeben. Das hat heute noch vollkommene Gültigkeit und das macht das Leistungsniveau seiner Schüler*innen so hoch.

Als international anerkannter Wissenschaftler war Hans-Peter Bantleon von der kieferorthopädischen Mechanik begeistert. Bis zu zwei Wochen vor seinem Ableben, erklärte er mir am Telefon, er wolle ein paar Messungen an seiner neuen Apparatur durchführen: „Das hat noch keiner gemessen, glaub es mir!“ behauptete er überzeugt. Seine Untersuchungen im Allgemeinen waren stets ehrlich, durch echtes Interesse gesteuert und nicht nur für ihn faszinierend und treibend, sondern für uns auch klinisch relevant. Nicht selten ging er mit anderen Kolleg*innen auch auf Konfrontation, weil er der Meinung war, sie würden falsch denken und falsch messen.

Diese Leidenschaft für die Mechanik und seine tiefen Fachkenntnisse haben ihn international berühmt gemacht. Ich selbst durfte mit ihm vielen Kongressen und Kursen beiwohnen und wurde von seinem profunden Wissen immer wieder überrascht. Vor einigen Jahren – anlässlich eines deutschen Kongresses für KFO in München – wurde er im Rahmen einer der Biomechanik gewidmeten und bis zum letzten Platz gefüllten Session als absolute Koryphäe im Anschluss an jede Präsentation der jungen Wissenschaftler nach seiner Expertise und Meinung gefragt.

Aber nicht nur sein fachliches Wissen hat ihm einen Namen unten den Kolleg*innen verschafft, sondern auch seine warmherzige und extrem freundliche Art, sich um die Gäste zu kümmern. So mussten die aus der ganzen Welt eingeflogenen Referent*innen in Wien am Flughafen von seiner Mannschaft persönlich abgeholt und ins Hotel gebracht werden. Für sie gab es ein Zimmer nur in den besten Häusern Wiens. Für sie gab es das beste Essen nur in den renommiertesten Lokalen.

Das war auch ein Grund, warum seine Gäste gerne nach Wien zum International Vienna Orthodontics Symposium (IVOS) oder nach Kitzbühel zur Internationalen Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Kieferorthopädie kamen.

Von dieser Tagung – auch wenn er nicht zu den Gründern zählte – war er jahrzehntelang die Seele und die treibende Kraft. Er hat sie weiterentwickelt und zu einem „Muss“ unter den wissenschaftlichen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum gemacht. Wir werden ihn in Kitzbühel sehr vermissen, aber wir werden uns für sein Lebenswerk und seinen persönlichen Einsatz erkenntlich zeigen und stets an ihn denken. Es ist nämlich meine feste Absicht – als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kieferorthopädie – den jährlich vergebenen „Wissenschaftlichen Förderpreis“ ihm zu widmen und ab nächstem Jahr diesen Preis in „Hans-Peter-Bantleon-Preis“ umzubenennen.

Durch diese Geste versuche ich auch unter diesen sehr traurigen Umständen mit großer Dankbarkeit zu reagieren, nicht zu resignieren, nicht zu rekriminieren denn, wie er oft sagte „Es ist wie es ist!

Adriano Crismani, Innsbruck



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Article published online:
07 July 2021

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