Psychiatr Prax 2020; 47(07): 399-405
DOI: 10.1055/a-1258-6678
Mitteilungen DGGPP

Übersicht über die Gerontopsychiatrischen Zentren und Tageskliniken in Deutschland

 

In den letzten Jahren hat die Bedeutung der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie nicht nur angesichts des demografischen Wandels erheblich zugenommen, sie erkämpft sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung wachsende Aufmerksamkeit. Auch für die Gerontopsychiatrie ist „Ambulantisierung“ ein wichtiges versorgungspolitisches Stichwort. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Gerontopsychiatrischen Zentren (GZ) mit Tagesklinik, Ambulanz und Beratung. Eine systematische Übersicht über ihre Anzahl und die regionale Verteilung wurde bisher für Deutschland nicht erstellt. Für die gerontopsychiatrischen Tageskliniken gab es allerdings von Wächtler [1], Hirsch et al. [2] und Wolter-Henseler [3] Übersichten. So war es an der Zeit, eine aktuelle Erhebung dieser Einrichtungen durchzuführen.

Um eine möglichst vollständige Übersicht über GZ und Tageskliniken zu erhalten, wurden alle Mitglieder der DGGPP (Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie), des AK Gerontopsychiatrie der Bundesdirektorenkonferenz und einzelne Leiter von gerontopsychiatrischen Einrichtungen, deren Adressen nicht in den genannten Gruppen gelistet waren, angeschrieben. In einem vorgegebenen Fragebogen wurden die Daten für das Jahr 2018 im Folgejahr 2019 erhoben. Da es unterschiedliche Definitionen zum GZ gab (z. B. GZ als Überbegriff für stationäre und nichtstationäre Einrichtung, Alteneinrichtungen, die sich GZ nennen u. a.), wurde die von der Expertenkommission [4] beschriebene vorgegeben (Tagesklinik, Ambulanz, Altenberatung). Kann auch nicht von einer vollständigen Erhebung ausgegangen werden, so dürfte doch der größte Teil der GZ und TK bei dieser Befragung erfasst worden sein.

Zur Ausgangslage

In der Psychiatrie-Enquête [5] wurde für die nichtstationäre gerontopsychiatrische Versorgung empfohlen, für jedes Standardversorgungsgebiet (ca. 250 000 Einwohner) ein Gerontopsychiatrisches Zentrum (GZ) einzurichten. Das GZ sollte die „zentrale Zusammenfassung dreier für die gerontopsychiatrische Versorgung besonders wichtige Dienste darstellen: Poliklinik, Tagesklinik und eine kleine stationäre Assessment-Unit“. Als Aufgabenschwerpunkte des GZ wurden neben der Patientenversorgung auch die Weiterbildung und Forschung explizit benannt. Ein besonderes Gewicht in der Versorgung wurde auf die Verbesserung der fachärztlichen Betreuung von Heimbewohnern gelegt. Auch wurde vorgeschlagen, in einigen Standardversorgungsgebieten einen Gerontopsychiatrischen Verbund unter Einbezug aller an der Versorgung Beteiligten zu erproben. Die Expertenkommission [4] stellte fest, dass die Versorgungssituation für psychisch kranke alte Menschen durch die nach der Psychiatrie-Enquête eingeleiteten Maßnahmen nahezu nicht beeinflusst worden sei. Sie empfahl keine stationäre „Assessment-Unit“ mehr, verwies vielmehr auf die zu verbessernde ambulante Diagnostik und auf gerontopsychiatrische Tageskliniken. Die Struktur der erneut vorgeschlagenen GZ, blieb dagegen unverändert. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Träger psychiatrischer Krankenhäuser stellte im Jahr 1997 [6] ein »Aktionsprogramm gerontopsychiatrische Versorgung« vor, in dem für jedes Versorgungsgebiet von 150 000–250 000 Einwohnern ein Gerontopsychiatrisches Zentrum gefordert und 30–50 klinische Betten/Plätze als angemessenes Angebot angesehen wurde, von denen 20–25 % als teilstationär ausgewiesen sein sollten.

Entsprechend der Definition der Expertenkommission [4], die auch von den Fachgesellschaften getragen wird, spricht man von einem Gerontopsychiatrischen Zentrum (GZ), wenn in seinem Kernbestand eine teilstationäre Behandlungs- und Rehabilitationseinrichtung (Tagesklinik), ein ambulanter Dienst und eine Altenberatung einbezogen sind oder – in der Entwicklungsphase – ein Baustein (Tagesklinik) verwirklicht ist und die weiteren in Kürze hinzukommen sollen. Die Aufgabe eines GZ sei, „treibende Kraft der gerontopsychiatrischen Versorgung“ (Expertenkommission 1988 [4]) in einer Region zu sein. Dazu zählt auch die aufsuchende Behandlung der Betroffenen und die Beratung der Angehörigen. Als zusätzliches Aufgabenfeld wurden die Öffentlichkeitsarbeit und die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Versorgungsregion („Stimulator“) genannt. Das GZ sollte funktionell und räumlich eigenständig mit einem ärztlichen Leiter arbeiten. Die organisatorische Anbindung des GZ sollte je nach Gegebenheit einer Versorgungsregion erfolgen. Als Möglichkeiten wurden genannt:

  • Anbindung an eine stationäre psychiatrische Versorgungseinrichtung,

  • Anbindung an einen Träger, der für das Versorgungsgebiet maßgebende Einrichtungen der Altenhilfe betreibt,

  • eigenständige Institution mit eigenständiger Trägerschaft.

Im Zwischenbericht der Enquête-Kommission „Demographischer Wandel“ [7] wurden die Empfehlungen der Expertenkommission erneut unterstrichen. Es wurde darauf hingewiesen, dass das GZ gerontopsychiatrischen Abteilungen oder psychiatrischen Abteilungen am Allgemeinkrankenhaus angegliedert werden kann. Wie sich gezeigt hat, sind fast alle GZ, die derzeit bestehen, mit einer gerontopsychiatrischen Abteilung eines Landes-/Bezirkskrankenhauses oder einer Klinik verbunden.

Inzwischen kann die Effizienz der Arbeitsweise eines GZ schon lange als nachgewiesen gelten [8]. Wie sich gezeigt hat, tragen die derzeit bestehenden GZ und Einrichtungen, die in ähnlicher Weise arbeiten, zu einer erheblichen Verbesserung der Versorgung, der Zusammenarbeit der einzelnen Einrichtungen und einem regionalen, vermehrten und differenzierteren, öffentlichen Problembewusstsein bei [9]. Auch wenn die Angaben über die Zahl der notwendigen Versorgungsangebote im Prozess der Psychiatriereform manche Änderung erfuhren, wurde von sozialpolitischen Experten trotz geringfügiger Differenzen in der Einschätzung der zur Versorgung notwendigen Quantitäten – jüngere Quellen tendieren zu etwas niedrigeren Werten – mehrfach einhellig die Notwendigkeit eines spezifischen gerontopsychiatrischen Versorgungsangebots festgestellt [10]. Allen diesen Vorschlägen ist das Ziel gemeinsam, in Deutschland Versorgungsbedingungen zu schaffen, wie sie in anderen europäischen Ländern (z. B. Großbritannien) schon zu Zeiten der Expertenkommission bestanden und seitdem ständig weiterentwickelt wurden.


#

Übersicht über die GZs

Nach einiger Verzögerung wurden seit 1991 GZ eingerichtet. Die erste Gründung eines GZ geschah in Gütersloh 1991. Es folgten bis 1998 noch 7 weitere (Bonn, Eberswalde, Kaufbeuren, Kempten, Leipzig, Münster, Osnabrück) sowie einige Einrichtungen, die Bausteine des GZ aufwiesen und sich zu GZ weiterentwickeln wollten [11].

Aus der aktuellen Erhebung geht hervor, dass über ganz Deutschland verteilt 40 GZ bestehen, von denen 13 als Lehrkrankenhaus der DAGPP (Deutsche Akademie für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie) anerkannt sind ([ Tab. 1 ]). Daneben existieren 22 Einrichtungen, die unterschiedliche Bausteine eines GZ aufweisen und meist auch planen, ein vollständiges GZ zu schaffen. Von ihnen sind 4 auch Lehrkrankenhäuser der DAGPP. Der überwiegende Teil der GZ hat auch eine Memoryklinik (30 GZ und 12 der Einrichtungen mit Anteilen eines GZ). Eine Liste aller Memorykliniken in Deutschland wurde von der Hirnliga (http://www.hirnliga.de/frueh-erkennung) erstellt. Die Altenberatung üben einige GZ in Zusammenarbeit mit örtlichen Beratungsstellen aus.

Tab. 1

Gerontopsychiatrische Zentren (GZ) (vorl. 015–03–2020 – Hirsch).

Nr.

Ort

PLZ

Tageskl.

Ambul.

Altenber.

Mem/G.[8]

Lehrkrh.-DAGPP

01

Bernburg[1]

06406

X

X

X[4]

02

Berlin-Alexianer

12526

X

X

X

X

X

03

Güstrow

18273

X

X

X

X

04

Stralsund

18437

X

X

X

X

05

Schwerin

19055

X

X

X

X

06

Lüneburg

21339

X

X

X

X

07

Hamburg-Ochsenzoll

22419

X

X

X[4]

X

X

08

Sehnde

31319

X[7]

X

X

X

09

Detmold[5]

32756

X

X

X

10

Gütersloh

33334

X

X

X

X

11

Göttingen – Universität

37075

X

X

X[4]

X

12

Düsseldorf[1] [9]

40629

X

X

X[4]

X

13

Langenfeld

40764

X

X

X[4]

X

14

Viersen

41749

X

X

X

X

15

Solingen

42653

X

X

X[4]

X

16

Dortmund

44309

X

X

X

X

17

Essen-LVR

45147

X

X

X[4]

X

18

Krefeld

47805

X

X

X

X

X

19

Münster-LWL[1]

48147

X

X

X

X

X

20

Münster-Alexianer

48151

X

X

X

X

21

Köln-Alexianer

50996

X

X

X

22

Köln-LVR

51109

X

X

X

X

X

23

Bonn-LVR

53111

X

X

X

X

X

24

Zülpich

53901

X

X

X

25

Alzey

55232

X

X

X

X

X

26

Iserlohn

58644

X

X

X

X

27

Berkamen

59192

X

X

X

28

Mannheim

68159

X

X

X

X

29

Wiesloch

69168

X

X

X

30

Stuttgart[10]

70374

X

X

X

X

X

31

Reutlingen

72764

X

X

X

X

32

Weinsberg[3]

74189

X

X

X

X

X

33

Klingenmünster

76889

X

X

X

34

München Uni

80336

X

X

X[4]

X

35

München TU

81675

X

X

X

X

36

Kaufbeuren

87600

X

X

X

37

Memmingen

87700

X[7]

X

X[4]

X

38

Ravensburg

88214

X

X

X[4]

X

X

39

München-Haar

85540

X

X

X

X

40

Bayreuth

95445

X

X

X

X

X

Hat die Bausteine Tagesklinik (TK) und gerontopsychiatrische Ambulanz, keine Altenberatung (nennt sich GZ)

01

Bielefeld[2]

33615

X

X

nein

X

X

02

Bedburg-Hau

47551

X

X

nein

X

03

Bonn – Universität[2]

53123

X

X

nein

X

04

Kempten[2]

87435

X

X

nein

X

Hat die Bausteine TK u. gerontopsych. Amb., keine Altenberatung (nennt sich nicht GZ)

01

Altenburg

04600

X

X

nein

X

02

Berlin-Spandau

13585

X

X

X[4]

nein

03

Greifswald

17489

X

X

nein

X

04

Liebenburg

38704

X

X

nein

X

05

Duisburg

47053

X

X

nein

nein

06

Saarbrücken

66119

X

X

X[4]

X

X

07

Winnenden

71364

X

X

nein

nein

08

Landsberg am Lech

86899

X

X

nein

nein

09

Nürnberg

90419

X

X

nein

X

X

10

Ansbach

91522

X

X

nein

X

Hat die Bausteine gerontopsych. Ambulanz u. Altenberatung; keine Tagesklinik (nennt sich nicht GZ)

01

Bad Zwischenahn

26160

nein

X

X

nein

02

Reichenau[11]

78479

nein

X

X

X

X

03

Erlangen

91056

nein

X

X

X

Hat eine integrierte TK (stationär/Allgemeinpsychiatrie) und gerontopsych. Ambulanz; keine Altenberatung (nennt sich nicht GZ)

01

Bernburg

06406

X[7]

nein

nein

02

Rüdersdorf b. Berlin

15562

X[6]

X

nein

03

Haina

35114

X[6]

X

X

04

Lengerich

49525

X[6] [7]

X

X[4]

05

Andernach

56626

X[7]

X

nein

1 hat alle Bausteine des GZs: nennt sich offiziell nicht so


2 hat TK u. gerontopsych. Amb., keine Altenberatung/nennt sich GZ


3 hat TK u. gerontopsych. Amb., keine Altenberatung/nennt sich nicht GZ


4 hat GZ: Altenberatung in Zusammenarbeit mit örtl. Beratungsstellen


5 hat gerontopsych. Amb. und Altenberatung; keine TK


6 integrierte TK in stationäre u. allgemeinpsychiatrische TK


7 integrierte TK in stationäre Gerontopsychiatrie


8 Mem/G.: MemoryClinic/Gedächtnissprechstunde


9 Entwicklung zum Zentrum für Altersmedizin


10 Zentrum für Altersmedizin


11 hat keine TK, nennt sich GZ



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Übersicht über die Tageskliniken

Die Entwicklung von gerontopsychiatrischen Tageskliniken (TK) begann in Deutschland sehr zögerlich. Die erste Tagesklinik wurde in Hamburg 1976 eingerichtet. 15 Jahre später existieren 15 TK [1]. 1998 gab es 29 gerontopsychiatrische TK (die meisten in Nordrhein-Westfalen) zuzüglich 11 „gemischte“ Einrichtungen [2]. 2001 gab es schon 37 gerontopsychiatrische TK (Wächtler 2004). In der aktuellen Untersuchung konnten für das Jahr 2018 insgesamt 49 spezialisierte und 15 „gemischte“ TK identifiziert werden ([ Tab. 2 ]). Die Anzahl der Behandlungsplätze lag zwischen 6 und 34 (Durchschnitt: 16), die der „gemischten“ TK zwischen 2 und 37 (Durchschnitt: 11).

Tab. 2

Übersicht über die Tageskliniken.

Nr.

Ort

PLZ

Geronto TK

geronto/allgPsych[2]

geronto/TK geriatr.[3]

geronto/neurol.[4]

geronto/station.[6]

Plätze

Anzahl Beh. 2018[5]

gerontopsychiatrische Tageskliniken

01

Altenburg

04600

X

9

k. A.[a]

02

Großschweidnitz

02708

X

15

k. A.

03

Berlin-Spandau

13585

X

12

123

04

Berlin-Hedwigshöhe

12526

X

15

178

05

Greifswald

17489

X

10

98

06

Güstrow

18273

X

12

64

07

Stralsund

18437

X

10

98

08

Schwerin

19055

X

20

k. A.

09

Lüneburg

21339

X

10

86

10

Hamburg-Ochsenzoll

22419

X

k. A.

k. A.

11

Detmold

32756

X

20–22

k. A.

12

Paderborn

33098

X

12,5

98,5

13

Gütersloh

33334

X

X

X

24/6[6]

198

14

Bielefeld

33615

X

16

142

15

Göttingen-Universität

37075

X

25

200

16

Liebenburg

38704

X

15

k. A.

17

Düsseldorf

40629

X

25

156

18

Langenfeld

40764

X

17

k. A.

19

Viersen

41749

X

16

99

20

Solingen

42653

X

17

k. A.

21

Dortmund

44309

X

20

135

22

Essen-LVR

45147

X

k. A.

k. A.

23

Duisburg

47053

X

16

k. A.

24

Bedburg-Hau

47551

X

15

112,5

25

Krefeld

47805

X

12

100

26

Münster-LWL

48147

X

11

91

27

Münster-Alexianer

48151

X

k. A.

k. A.

28

Köln-Alexianer

50996

X

15

87

29

Köln-LVR

51109

X

2-mal 18

k. A.

30

Bonn-LVR

53111

X

18

131

31

Bonn-Universität

53123

X

15 (+ 3)

98

32

Zülpich/Hürth

53909

X

X

13 /34

460

33

Iserlohn

58644

X

18

k. A.

34

Berkamen

59192

X

20

117

35

Saarbrücken

66119

X

15

108

36

Mannheim

68159

X

12

150

37

Wiesloch

69168

X

16

131

38

Stuttgart

70374

X

24

148[b]

39

Winnenden

71364

X

19

88

40

Reutlingen

72764

X

16

k. A.

41

Weinsberg

74189

X

21

166

42

Klingenmünster

76889

X

6[6]

3

43

München-TU

81675

X

12

250

44

Landsberg am Lech

86899

X

15

90

45

Kempten

87435

X

10

k. A.

46

Kaufbeuren[6]

87600

X

k. A.

5–10

47

Ravensburg

88214

X

k. A.

k. A.

48

München-Haar

85540

X

18

Mitte 2018 eröffnet

49

Bayreuth

95445

X

6

20

„gemischte“ Tageskliniken

01

Bernburg

06406

X

5

28

02

Rüdersdorf bei Berlin

15562

X

k. A.

k. A.

03

Sehnde[1]

31319

X

15

k. A.

04

Haina

35114

X

X

3[2]/3[6]

15

05

Göttingen-Asklepios

37081

X

21

144

06

Lengerich

49525

X

X

2

k. A.

07

Alzey

55232

X

4

40

08

Bad Kreuznach

55583

X

X

15

Dez. 2019 eröffnet

09

Andernach

56626

X

X

3–6

20

10

Hochschweizen

64720

X

3–6

20

11

München Uni

80336

X

X

5 /5

k. A.

12

Memmingen

87700

X

12

129

13

Nürnberg

90419

X

37

k. A.

14

Ansbach

91522

X

6

45

15

Deggendorf-Mainkofen

94469

X

k. A.

k. A.

1 integrierte TK in stationär u. allgemeinpsychiatrische TK


2 gemischte geronto-/allgemeinpsychiatrische Tagesklinik


3 gemischte geronto-/geriatrische Tagesklinik


4 gemischte geronto-/neurologische Tagesklinik


5 Anzahl der Behandlungen im Jahr 2018


6 stationsintegrierte gerontopsychiatrische Tagesklinik


a Beginn 2018, 2019 regelhafte Behandlungen


b zuzüglich 4 Plätze in stationsbezogener TK in Bad Cannstatt



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Zusammenfassung und Ausblick

Betrachtet man die Forderungen der Psychiatrie-Enquête (1975) und der Experten-Kommission (1988), so sind diese, trotz der positiven Erfahrungen mit den bestehenden GZ, bei Weitem nicht erfüllt worden. Dies erstaunt umso mehr, da der Anteil älterer Menschen – und damit auch der psychisch Kranken – in unserer Gesellschaft stetig steigt. Zur Diskussion steht, ob eine Entwicklung zum „Zentrum für Altersmedizin“ bzw. „Zentrum für Ältere“ (Wächtler et al. [12] [13]) in Kooperation mit der Geriatrie in Zukunft versorgungsgünstiger ist und ob solche kombinierten Strukturen eine größere Realisierungschance bei Trägern von Einrichtungen und der Politik haben. Auch von einer angemessenen Versorgung durch gerontopsychiatrische Tageskliniken kann man noch nicht sprechen, obwohl ihre Position in der regionalen gerontopsychiatrischen Versorgungsstruktur gut begründet ist und sie sich vielfach als unverzichtbare Bausteine erwiesen haben. Weder ist ihre Zahl auch nach konservativsten Planungsvorgaben ausreichend (weit über 350 GZ inklusive TK wären erforderlich), noch ist der angestrebte Wert für tagesklinische Behandlungsplätze von 20–25 % der gerontopsychiatrischen stationären Plätze auch nur annähernd erreicht, wie es für die Allgemeinpsychiatrie bundesweit in Näherung bereits Standard ist.

Diverse Modellprogramme, Modellregionen, Demenznetze, Pflegestützpunkte und schließlich auch das »Leuchtturmprojekt Demenz« sowie das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) der Bundesregierung sind zu begrüßende Initiativen. Das Gerontopsychiatrische Zentrum im Versorgungsverbund als verpflichtendes Kernelement der gerontopsychiatrischen Regelversorgung harrt aber in weiten Teilen noch seiner Umsetzung. Nach dem Konsensus-Statement der Weltgesundheitsorganisation und des Weltverbands der Psychiater [14] ist eine kompetente Gerontopsychiatrie und -psychotherapie unverzichtbar und nicht durch andere Fachgebiete, etwa die Geriatrie, oder die allgemeinpsychiatrische Kompetenz zu ersetzen. Für eine angemessene Versorgung einer Region ist es nicht akzeptabel, nur einen altersübergreifenden allgemeinpsychiatrischen Dienst anzubieten, wie es an vielen Stellen in unserem Land weiterhin Standard ist. Mit dem Royal College of Psychiatrists muss ein solches Vorgehen ohne Einschränkung als Altersdiskriminierung bezeichnet werden [15].

Sehr herzlich möchten wir uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Befragung bedanken. Ohne sie wäre diese Übersicht nicht möglich gewesen.

Rolf. D. Hirsch, Hans Gutzmann, Sebastian Schwandt, Bonn/Berlin


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Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Dr. Rolf D. Hirsch
Bornheim
Deutschland   

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Publication Date:
05 October 2020 (online)

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