Aktuelle Rheumatologie 2020; 45(05): 386-387
DOI: 10.1055/a-1222-5801
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Wie anfängliche Opioidverschreibungen den langfristigen Opioidkonsum aktivieren

Contributor(s):
Richard Kessing
 

    US-amerikanische Rheumatologen untersuchten die Verschreibungsraten für Opioide bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) in den USA und evaluierten den Zusammenhang zwischen den Verschreibungsraten für Opioide zu Studienbeginn und der Wahrscheinlichkeit eines künftigen langfristigen Opioidkonsums.


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    Für ihre prospektive Beobachtungsstudie werteten die Autorinnen und Autoren die Daten des Corrona RA-Registers, der größten prospektiv verfolgten RA-Kohorte in Nordamerika, aus. Für die vorliegende Studie wurden Patientinnen und Patienten seit der Gründung des Registers im Jahre 2001 bis zum 31. Dezember 2016 nachverfolgt. Die Daten wurden in eine Basisdaten-Periode und in eine Nachbeobachtungsperiode unterteilt. In der ersten Periode wurden Angaben von Patientinnen und Patienten mit RA von den Ärzten erfasst, die innerhalb der ersten 12 Monate nach Teilnahme am Corrona RA-Register ≥10 Patienten beisteuerten. Mit diesen Informationen wurde die Grundverschreibungsrate der Ärzte für Opioide in der Basisdaten-Periode berechnet. Dazu wurde die Anzahl der Patienten mit RA, die während der ersten 12 Monate über Opioidkonsum berichteten, durch die Anzahl der Patienten mit RA dividiert wurde, die in diesem Jahr Daten lieferten.

    In der Nachbeobachtungsphase wurden die Daten von Patientinnen und Patienten erfasst, die nach der 12monatigen Basisdaten-Periode von den Ärzten Opioide verschrieben bekamen, um Assoziationen zwischen den Verschreibungsraten für Opioide und der darauffolgenden Entwicklung des langfristigen Opioidkonsums zu untersuchen. Die Patientinnen und Patienten der Nachbeobachtungsperiode unterschieden sich von denjenigen der Basisdaten-Periode.

    Insgesamt wurden mehr als 33 000 Patientinnen und Patienten mit RA im oben genannten Zeitraum in das Corrona RA-Register aufgenommen. Von diesen erfüllten mehr als 16 200 die Einschlusskriterien, wobei mehr als 6800 in die Basisdaten-Periode und mehr als 9300 in die Nachbeobachtungsperiode eingeschlossen wurden.

    Von den mehr als 9300 Patientinnen und Patienten der Nachbeobachtungsperiode wurden 2322 von Ärzten mit einer sehr geringen Opioid-Verschreibungsrate behandelt. 2254 wurden von Ärzten mit einer geringen, 2352 von Ärzten mit einer moderaten und 2409 von Ärzten mit einer hohen Opioid-Verschreibungsrate behandelt.

    In der Nachbeobachtungsperiode berichteten 7% der Patientinnen und Patienten von Ärzten mit einer sehr geringen Opioid-Verschreibungsrate über einen langfristigen Opioidkonsum. Für Ärzte mit einer geringen Verschreibungsrate waren dies 6,8% der Patienten, für die mit moderatem Verschreibungsverhalten waren dies 12,5% und für die mit hohem Verschreibungsverhalten 12,7%.

    Die Odds Ratio der Opioid-Langzeitanwendung nach der Basisdaten-Periode betrug 1,16 für Patientinnen und Patienten mit Ärzten mit geringer Opioid-Verschreibungsintensität, 1,89 für Patientinnen und Patienten mit Ärzten mit moderater Opioid-Verschreibungsintensität und 2,01 für Patientinnen und Patienten mit Ärzten mit hoher Opioid-Verschreibungsintensität, alle im Vergleich zu Ärzten mit einer sehr geringen Opioid-Verschreibungsrate als Referenz.

    Fazit

    Die Rate der Opioidverordnungen variiert stark. Nach Meinung der Autorinnen und Autoren belegen die Ergebnisse, dass die Grundverschreibungsrate für Opioide in der Basisdaten-Periode ein starker Prädiktor dafür ist, ob ein Patient in Zukunft ein langfristiger Opioidkonsument wird.

    Richard Kessing, Zeiskam


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    Publication History

    Publication Date:
    14 October 2020 (online)

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