Aktuelle Rheumatologie 2020; 45(05): 370-372
DOI: 10.1055/a-1209-1033
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Studie belegt Effektivität von rheumatologischen Fachassistenten

 

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen zählen zu den Volksleiden, allein in Deutschland sind mindestens 1,5 Mio. Menschen betroffen. Da ein Mangel an Rheumatologen besteht, kann hierzulande jedoch nur die Hälfte der Patienten angemessen behandelt werden. Der Einsatz von Assistenzpersonal, wie etwa in Dänemark und Großbritannien üblich, könnte die Situation verbessern. So zeigt eine Studie erstmals für Deutschland, dass die Versorgung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durch Rheumatologische Fachassistenten (RFA) nicht schlechter abschneidet als die alleinige Behandlung durch Rheumatologen.


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Um die Wartezeiten zu verkürzen und gesundheitliche Schäden abzuwenden, riet die Europäische Rheumaliga (European League against Rheumatism, EULAR) auf einer Pressekonferenz im Juni 2020 anlässlich ihres Jahreskongresses dringend zum Einsatz von RFAs auch in der Bundesrepublik.

RFAs sind Vertreter medizinischer Assistenzberufe wie Arzthelferin, Krankenschwester, Studienschwester oder RTA/MTA, die zusätzliches theoretisches und praktisches Wissen rund um die Versorgung von Menschen mit rheumatischen oder muskuloskelettalen Erkrankungen erworben haben. Eine solche Delegation ärztlicher Leistungen in der Rheumatologie wird international empfohlen.

Um zu prüfen, ob und wie der Einsatz von RFAs auch im deutschen Gesundheitssystem funktioniert, fand eine prospektive, randomisierte, kontrollierte und multizentrische Studie statt, die im Dezember 2019 zum Abschluss kam. „Daran nahmen insgesamt 236 Patienten aus acht deutschen Zentren teil, bei denen ein Bluttest die Diagnose rheumatoide Arthritis abgesichert hatte“, erläutert Studienautorin Dr. med. Kirsten Hoeper von der Klinik für Rheumatologie und Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Die Patienten waren im Schnitt 58 Jahre alt, zu über 70% weiblich und litten im Durchschnitt 130 (unter 12 bis etwa 144) Monate an rheumatischen Beschwerden. Während die eine Studiengruppe in dem zwölfmonatigen Untersuchungszeitraum ausschließlich von Rheumatologen betreut wurde, übernahmen in der anderen Studiengruppe RFAs zeitweilig zu 3 festgelegten Zeitpunkten die Betreuung – der Arztkontakt war hier nur kurz. Der Gesundheitszustand der Patienten wurde mit dem allgemein anerkannten Erfassungsbogen DAS28 (Disease Activity Score an 28 Gelenken) bewertet, der die Krankheitsaktivität auf einer aufsteigenden Werteskala von 2,0 bis 10,0 ermittelt. Werte zwischen 3,2 und 5,1 gelten als moderat.

Ergebnis der Studie: Die strukturierte Delegation von ärztlichen Aufgaben an eine RFA ist dem derzeitigen Versorgungsstandard nicht unterlegen. Während die Krankheitsaktivität für die von RFAs mitbetreute Gruppe im Durchschnitt bei DAS28 2,43 lag, betrug der Wert für die durchgängige Rheumatologen-Sprechstunde im Mittel DAS28 2,29. „Dieser Unterschied ist klinisch und statistisch nicht signifikant“, resümiert EULAR-Präsident Professor Dr. med. Iain B. McInnes aus Glasgow, Schottland, Großbritannien. „Damit kann erstmalig für Deutschland gezeigt werden, dass eine RFA-Sprechstunde eine sichere Ergänzung der Versorgung der Patienten mit Rheumatoider Arthritis darstellt“, ergänzt Professor Dr. med. John Isaacs aus Newcastle, Großbritannien, Vorsitzender des wissenschaftlichen Programm-Komitees beim EULAR.

Bessere Versorgung auf kosteneffiziente Weise

„Die Integration eines Teamansatzes aus Rheumatologen und anderen Gesundheitsexperten in die Behandlung von Patienten mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen bietet große Chancen“, betont McInnes. „RFAs können Ärzte entlasten, die wiederum freiwerdende Ressourcen für komplexere oder neue Patienten nutzen können“, ergänzt Hoeper. Die langen Wartezeiten auf einen Termin bei einem Rheumatologen würden sich dadurch verkürzen. „Indem sich Deutschland als weiteres europäisches Land an die internationalen EULAR-Empfehlungen zu RFAs anlehnt, führt dies auf kosteneffiziente Weise zu einer besseren Versorgung der Patienten“, stellt Hoeper abschließend fest.

Nach einer Pressemitteilung des Europäischen Rheumatologenkongresses.


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14 October 2020 (online)

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