Diabetes aktuell 2020; 18(04): 135
DOI: 10.1055/a-1161-3018
Editorial
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Covid-19 und kein Ende in Sicht

Antje Bergmann
1   Dresden
,
Peter E.H. Schwarz
2   Dresden
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Publication Date:
26 June 2020 (online)

Die Nachrichten in diesen Tagen haben immer noch ein Hauptthema: Corona. Die Berichte in den Medien, Podcasts, Talkshows, Zeitschriften, Tweets diskutieren Für und Wider der Lockerungen, Bundesländerunterschiede in den erlaubten Alltagsaktivitäten, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zu den immer lauter werdenden Verschwörungstheorien. Die Reaktionen unserer Berufsgruppe reichen vom ängstlichen Abwarten bis hin zu mutigem Weiterarbeiten, vom eingeschränkten Sprechstundenverhalten bis zu leeren Krankenhausbetten, von engagierten und sich einsetzenden Intensivmedizinern bis hin zu Kollegen, die Parteien gegen die vermeintlich eingeschränkten Bürgerrechte durch Covid-19 und gegen das Grundgesetz verstoßenden Beschränkungen gründen.

Wie soll sich ein Patient, hochbetagt, multimorbide und ohne Kontakte nach „außen“ informieren, der neuen Medien nicht aufgeschlossen gegenübersteht, vielleicht Seh- und Höreinschränkungen aufweist, für den also der öffentlich-rechtliche Fernsehsender oder die Tagespresse keine Alternativen darstellen? Wie werden sich die Kinder, die jetzt seit mehreren Wochen weder Kindergärten noch Schulen besuchen konnten, an diese Zeit erinnern? Einige Eltern berichten über eine Zunahme der Ängste und Sorgen schon kleinerer Kinder. Der Schritt, alle Kindereinrichtungen in Sachsen wieder zu öffnen, ist aus unserer Sicht richtig und wichtig in der stufenweisen Wiedererlangung einer Art „Normalität“. Was werden größere Schüler über dieses Schulhalbjahr erzählen?

Unsere Medizinstudierenden erleben aktuell ein Sommersemester fast ohne direkten Dozentenkontakt, viel über Webinare, Onlinemodule und – was noch schlimmer ist – ohne direkten Patientenkontakt. Wie werden die nächsten Generationen von Ärzten auf solche Krisenzeiten vorbereitet, wenn sie nicht aktiv teilhaben können? Wie kann man in dieser Zeit Patienten entängstigen, aufklären und an der richtigen Stelle gut versorgen?

Viele Fragen stellen sich und es ist kein wirkliches Ende dieser Krisensituation in Sicht. Zum heutigen Tag existieren 357 Originalpublikationen in der US National Library of Medicine National Institutes of Health (PubMed), täglich kommen neue Arbeiten hinzu. Unsere Fachgesellschaften reagieren mit gezielten Informationen für Behandler und Patienten. Beispielsweise aktualisiert die deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) fast wöchentlich ihre Leitlinie „Neues Coronavirus (SARS-CoV-2) – Informationen für die hausärztliche Praxis. DEGAM S1-Handlungsempfehlung AWMF-Register-Nr. 053-054“ [1] und gibt damit einen Handlungskorridor vor. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat ein Positionspapier erarbeitet und bezieht sich auf Diabetespatienten und die Auswirkungen einer Covid-19-Infektion [2].

Auf viele dieser Fragen im Editorial haben wir keine passgenaue Antwort. Wir bitten Sie aber: Bleiben Sie aufmerksam, kritisch und vor allem empathisch.