Prof. Dr. Ralph Gaulke
Dr. Christian Sturm
Liebe Leserinnen und Leser der „arthritis + rheuma“,
Sie halten heute das Themenheft „Physikalische Therapie bei rheumatischen Erkrankungen“
in Händen. Durch die sehr erfolgreiche medikamentöse Therapie der letzten 20 Jahre
sind glücklicherweise die operativen Therapien in der Anzahl deutlich zurückgegangen.
Dennoch ist es bisher nicht gelungen, die entzündlich rheumatischen Erkrankungen zu
heilen. Diese werden lediglich deutlich in ihrer Aktivität gemindert.
Der möglichst lange Erhalt stabiler Gelenke mit einer guten Funktion und die möglichst
lange Vermeidung einer operativen Therapie stehen in der modernen rheumatologischen
Therapie neben der Vermeidung der Schädigung innerer Organe im Vordergrund. Die physikalische
Therapie, welche vor Beginn der Biologika-Therapie bereits ihren Stellenwert, vor
allen Dingen zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Stabilisierung von Gelenken
postoperativ oder zur Vermeidung von Gelenkeinsteifungen, beispielsweise bei der Spondylitis
ankylosans hatte, hat durch die verlängerten Krankheitsverläufe deutlich an Bedeutung
gewonnen. Deshalb ist es wichtig, dass jeder internistische Rheumatologe, aber auch
jeder Orthopäde und Unfallchirurg und letztlich jeder Hausarzt über die Möglichkeiten
der konservativen Therapie entzündlich rheumatischer Erkrankungen informiert ist.
Insbesondere müssen neben den Indikationen und zu erwartenden Therapieerfolgen auch
die Grenzen der physikalischen Therapie beachtet werden, um den richtigen Zeitpunkt
für notwendige operative Maßnahmen, welche noch einen Gelenkerhalt bewirken könnten,
nicht zu verpassen. Es ist also wichtig, dass die physikalische Therapie sowohl als
passive und aktive Therapie, aber auch als Anleitung zur lebenslangen Eigentherapie
des Patienten verstanden wird.
Aufgrund dessen, dass die physikalische Therapie ebenso mannigfaltig ist wie die operative
Therapie, haben wir in diesem Heft versucht, speziell die physikalischen Therapien
näher zu beleuchten, die bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen zur Anwendung
kommen und deren Anwendung sich möglicherweise auch von derer bei Arthrosepatienten
unterscheidet. Aufgrund der zentralen Stellung der Physiotherapeuten im Rahmen der
physikalischen Behandlung haben wir 2 Artikel, die sich schwerpunktmäßig diesem Thema
widmen, aufgenommen: Prof. Uwe Lange und sein Team aus Gießen berichten über die Evidenz
der physikalischen Therapie bei rheumatischen Erkrankungen. Aufgrund der starken Kontrakturen
an Haut und Gelenken haben wir darüber hinaus der physikalischen Therapie der Sklerodermie
ein eigenes Kapitel gewidmet. In diesem stellt Privat-Dozent Gerald Küther aus Hannover
die Besonderheiten der physikalischen Therapie bei diesem Krankheitsbild dar. Frau
Heike Fuhr, selbst Ergotherapeutin, und Dr. Christian Sturm aus Hannover berichten
über die vielseitige Anwendung der Ergotherapie inklusive der wichtigen Hilfs- und
Arbeitsmittelversorgung.
Neben diesen aktiven und passiven Therapien hat die Kälte- und niedrig dosierte Radontherapie
eine lange Tradition in der Behandlung entzündlich rheumatischer Erkrankungen. Zunehmend
erscheinen Studien, welche die langanhaltenden Effekte dieser beiden Therapieformen
bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen belegen. Dr. Gabriel Dischereit aus Bad
Endbach berichtet mit seinem Team über die Wirkung der Kälte bei entzündlich rheumatischen
Erkrankungen, Prof. Markus Ritter aus Salzburg erläutert sehr ausführlich die Auswirkungen
der niedrig dosierten Radontherapie sowohl auf das klinische Wohlbefinden als auch
auf messbare Veränderungen von Zytokinen, welche durch zahlreiche neuere Studien belegt
wurden.
Wir danken allen Autorinnen und Autoren und wünschen Ihnen, unseren Leserinnen und
Lesern, viel Freude und zahlreiche Erkenntnisse bei der Lektüre dieses Heftes.
Ihre
Prof. Dr. Ralph Gaulke, Hannover
Dr. Christian Sturm, Hannover