Leclair V.
et al.
Acute Coronary Syndrome in Idiopathic Inflammatory Myopathies: A
Population-based Study.
J Rheumatol 2019;
46: 1509-1514. doi: 10.3899/jrheum.181248
Dieser Frage gingen schwedische Wissenschaftler im Rahmen einer
bevölkerungsbasierten Kohortenstudie nach. Mithilfe des nationalen
Patientenregisters identifizierten sie 655 Personen, die zwischen 2002 und 2011 an
einer idiopathischen inflammatorischen Myopathie erkrankt waren. Das
Vergleichskollektiv bildeten 6813 bezüglich des Alters, des Geschlechts
sowie des Wohnorts gematchte gesunde Personen der Allgemeinbevölkerung. Als
primären Studienendpunkt definierten die Forscher das erstmalige Auftreten
eines akuten Koronarsyndroms (instabile Angina, akuter Nicht-ST-Hebungs- bzw.
ST-Hebungs-Myokardinfarkt) während der Nachbeobachtungszeit. Personen mit
einem vorbestehenden akuten Koronarsyndrom schlossen sie von der Analyse aus.
Ergebnisse
53 Patienten mit einer idiopathischen inflammatorischen Myopathie und 313
Vergleichspersonen erlitten ein akutes Koronarsyndrom. Die entsprechenden
Inzidenzraten betrugen in diesen beiden Gruppen 15,6 bzw. 7,5 pro 1000
Personenjahre. Insgesamt wiesen die Patienten mit einer idiopathischen
inflammatorischen Myopathie im Vergleich zu den Kontrollen eine bezüglich
des Alters, des Geschlechts sowie des Wohnorts adjustierte Hazard Ratio von 2,4
(95% KI 1,8–3,2) auf. Das höchste Risiko hatten
diesbezüglich Frauen, Patienten der Altersgruppe 68–90 Jahre sowie
Patienten mit einer anderen idiopathischen inflammatorischen Myopathie als einer
Dermatomyositis. Die Zeitanalyse ergab: Das höchste Risiko für ein
akutes Koronarsyndrom bestand innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnosestellung
(Hazard Ratio 3,6; 95% KI 1,9–6,7). Berücksichtigten die
Wissenschaftler bei der Auswertung das konkurrierende Ereignis „Tod“
(Patienten mit einer idiopathischen inflammatorischen Myopathie weisen eine
erhöhte frühe Mortalitätsrate auf), persistierte das
erhöhte Risiko für ein akutes Koronarsyndrom: Die kumulativen 1-, 5-
und 10-Jahres-Inzidenz betrug diesbezüglich 2, 7 und 12%, in der
Allgemeinbevölkerung dagegen nur 0,62, 3,3 und 6,9%.
Patienten mit einer idiopathischen inflammatorischen Myopathie haben im Vergleich
zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes relatives Risiko, an einem
akuten Koronarsyndrom zu erkranken, schlussfolgern die Wissenschaftler.
Innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose scheinen sie diesbezüglich
am stärksten gefährdet zu sein. Zukünftige Studien
müssen ihrer Ansicht nach die diesen Beobachtungen zu Grunde liegenden
Pathomechanismen klären.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell