Z Orthop Unfall 2020; 158(01): 23-25
DOI: 10.1055/a-1045-3160
Junges Forum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

DKOU 2019 – Bericht des Jungen Forums O und U

Marie Samland
,
Stefanie Weber
,
Lisa Wenzel
,
Gina Grimaldi
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Publication History

Publication Date:
13 February 2020 (online)

 

Auf dem DKOU 2019 – Wissen braucht Werte war das Junge Forum O und U erneut mit zahlreichen Aktivitäten vertreten. Die Autoren wollen Ihnen im Folgenden einen Überblick über die spannende Woche in Berlin vermitteln.


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Etablierung von Qualität in der Weiterbildung

Die durch Professor M. Schütz (Brisbane) gemeinsam mit dem Jungen Forum (S. Weber, Berlin) ausgerichtete Sitzung beschäftigte sich mit den Strukturen der Weiterbildung in Deutschland. Verglichen wurden die möglichen Wege eines Assistenzarztes, der eine Weiterbildung an einer Universitätsklinik bzw. einem städtischen Krankenhaus durchläuft. Hervorgehoben wurde, dass die Weiterbildung eines Assistenzarztes – trotz der offensichtlichen Unterschiede in der Struktur der verschiedenen Standorte – doch letztendlich zu derselben Qualifikation, dem Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, führt. Der Vergleich ins Ausland zeigte ebenfalls große Unterschiede. Sowohl Kanada als auch Australien haben strukturierte und verschulte Ausbildungskonzepte, wobei sich die Anzahl der auszubildenden Ärzte nach dem Bedarf richtet. Das ist in Deutschland anders. „Weiterbildung ist das Abfallprodukt eines Arbeitsprozesses“ so Professor h. c. A. Tempka, Berlin. Gemeint ist, unsere Assistenzärzte sind in erster Linie in den Arbeitsprozess der Klinik eingebunden, der vor allem wirtschaftlichem Druck ausgesetzt ist sowie eine hohe Qualität für den Patienten sicherstellen soll, und müssen entsprechend funktionieren. Was darüber hinaus an (Lehr-)Zeit und Erfahrung übrig bleibt, ist unsere Weiterbildung. Nur „See One, Do One“ funktioniert heute nicht mehr, was den zunehmenden Zertifizierungen und Qualitätskontrollen sowie geringeren Anwesenheitszeiten in den Kliniken geschuldet ist. Werden wir aufgrund des wirtschaftlichen und sozialen Druckes in den nächsten Jahren gezwungen sein, das Konzept der Weiterbildung zu überarbeiten?


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Praktikable Lösungen für Familie und Beruf

Gemeinsam mit dem BVOU wurde diese Sitzung ebenfalls durch das Junge Forum O und U ausgerichtet (G. Grimaldi, Köln). Ziel war es, nach den vielen Jahren der Diskussion über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf jetzt Lösungen aufzuzeigen. Die Kolleginnen und Kollegen mit Familie sollen als wertvolle Ressource betrachtet werden, vor allem in Zeiten von Personalmangel. Betont wurde dabei der Wille der betroffenen Kolleginnen und Kollegen mit Kindern, nicht etwa zu Hause zu bleiben, sondern im Rahmen der Möglichkeiten weiter arbeiten zu gehen. Dazu wurde ein Modell zum Arbeiten während der Elternzeit erläutert sowie das Operieren in der Schwangerschaft nochmals thematisiert. Eine anschließende Diskussion zeigte die Brisanz des Themas mit vielen Wortbeiträgen aus dem Publikum. Es sei weder fair, seine Elternzeit 2 Wochen vor Beginn anzukündigen, noch, den Weiterbildungsvertrag nach der Elternzeit nicht zu verlängern. Das Fazit: Für eine Einigung in diesem Konflikt der Generationen werden sich beide Seiten aufeinander einlassen müssen.


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Wissen braucht Werte – auf welche Soft Skills kommt es an

Diese Highlight Session wurde durch die Kongresssekretäre von Herrn Prof. Grützner aus Ludwigshafen (Dr. M. Münzberg) und das Junge Forum (Dr. L. Wenzel, Murnau) ausgerichtet. Bei dem rapiden Wissenszuwachs der heutigen Gesellschaft brauche es vor allem menschliche Werte, um eine ethisch korrekte Anwendung des neuen Wissens zu garantieren. In den Zeiten von Arbeitsverdichtung und zunehmender Wirtschaftlichkeit seien sowohl die Resilienz des Einzelnen als auch die Struktur und Stimmung im Team von größter Wichtigkeit. Starke Nerven braucht es in O und U, denn der ärztliche Beruf zählt zu den besonders die eigene Gesundheit gefährdenden Tätigkeiten, stellte Dr. A. Bühren, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, im abschließenden Vortrag fest und wartete mit Vorschlägen auf, um die eigene Resilienz zu stärken. Auch das Erlernen von Soft Skills sollte in die Weiterbildung integriert werden, dabei wurde erneut der Vergleich zur Ausbildung in der Luftfahrt gezogen. Neben der Vermittlung von technischen und prozeduralen Fähigkeiten ist hier seit Jahrzehnten eine dritte Säule in der Ausbildung etabliert, die sog. „interpersonelle Kompetenz“. Diese Fertigkeit wurde in ausgiebigen Analysen von Flugunfällen zur Fehlervermeidung als absolut unentbehrlich erkannt. Dass die Medizin in vielen Dingen nicht mit der Luftfahrt zu vergleichen ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden. Ob jedoch der Medizin etwas Schulung bezüglich interpersoneller Kompetenz mit Inhalten wie Mitarbeiterführung etc., wie es auch in wirtschaftlichen Betrieben durchgeführt wird, schadet?


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Tag der Studierenden

Der 11. Tag der Studierenden wurde auch dieses Jahr wieder am Mittwoch, den 23.10., im Rahmen des DKOU durch das Junge Forum ausgerichtet. Einhundert Studierenden aus ganz Deutschland wurde durch die DGOU und den BVOU ein Reisestipendium gewährt. Den Teilnehmern wurde ein ganzer Tag Orthopädie und Unfallchirurgie geboten, mit „Hands On“-Kursen der AO, Gesprächsrunden mit erfahrenen Orthopäden und Unfallchirurgen („Meet the Professor“) und wissenschaftlichen Sitzungen sowie einem gemeinsamen Besuch der Industrieausstellung. In diesem Jahr möchten wir uns herzlich bei Priv.-Doz. Dr. J. Schüttrumpf (Magdeburg) bedanken, der nach vielen Jahren nun die Organisation des Projektes nächstes Jahr an Dr. A. Hättich (Hamburg) weitergibt.


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Science Slam

Ein besonderer Höhepunkt auf dem diesjährigen DKOU war der Science Slam, der bereits zum zweiten Mal ausgerichtet und durch Dr. M. Samland (Leipzig) und Dr. R. Seemann (Berlin) vom Jungen Forum O und U organisiert wurde ([Abb. 1]).

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Abb. 1 Fröhliche Stimmung – auch unter den Organisatorinnen des Jungen Forums: Dr. R. Seemann, Dr. M. Samland, M. Herbolzheimer (von links). (Quelle:© Intercongress)

In einem Science Slam begeben sich junge und jung gebliebene Wissenschaftler auf die Bühne, um ihre Forschungsergebnisse dem Publikum so unterhaltsam zu präsentieren, dass sie den lautesten Applaus erhalten. Denn die Applausstärke ist neben Wissenschaftlichkeit und Ideenreichtum eines der 3 Kriterien, die nachher über den Sieg entscheiden können. Das Publikum war dieses Jahr herausragend begeisterungsfähig und klatschfreudig. Die Jury, bestehend aus den Incoming Presidents Prof. M. Raschke, Prof. D. Wirtz und Dr. B. Lembeck sowie dem Ideengeber und Begründer der neuen Tradition Science Slam Prof. J. Windolf und Priv.-Doz. Dr. M. Kalbitz aus dem Nichtständigen Beirat der DGU, hatte die Aufgabe, sich aus den Bewertungskriterien ein Gesamtbild zu machen und 2 Finalisten zu ermitteln. Sämtliche Slammer haben dieses Jahr das Publikum prächtig verzückt, zum Lachen gebracht und mit ihrer guten Laune angesteckt ([Abb. 2]).

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Abb. 2 Jury und Slammer auf der Bühne: J. Ueberberg, Dr. L. Heilmann, Prof. Dr. P. Grützner, T. Schöbel, Univ.-Prof. Dr. C. Perka, Priv.-Doz. Dr. M. Kauther und Dr. P. Westerhoff (von links).(Quelle: © Intercongress)

Gleich zu Beginn kam ein richtiges Slam-Team auf die Bühne, die Assistenzärzte J. Ueberberg und Dr. L. Heilmann von der Uniklinik Münster. Sie lieferten sich einen fröhlichen, stichelnden Schlagabtausch, ob nun das Schulter- oder eher das Handgelenk die herausragenden Trümpfe in puncto Forschungsergebnisse, Klassifikation oder OP-Techniken liefert. Eine herrlich einfallsreiche Darbietung, die dem Publikum viele Lacher entlockte.

Der 2. Slammer, Priv.-Doz. Dr. M. Kauther von der Uniklinik Essen wurde von Samland mit einem Schmunzeln als „Quoten-Klinikdirektor“ auf die Bühne gebeten. Er brachte dem Publikum die Risikosportart Unterwasserrugby amüsant näher. Die einfallsreiche Umsetzung einer Video-Live-Schaltung kam beim Publikum sehr gut an, zudem trumpfte er mit umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Verletzungsmustern dieser Risikosportart auf.

Der 3. Slammer, Dr. P. Westerhoff, Biomechaniker und Ingenieur vom Julius-Wolff-Institut in Berlin, trat souverän auf die Bühne und brachte dem Publikum sein Forschungsgebiet zu „Instrumented Implants“ näher. Aufgrund seiner humorvollen Darbietung applaudierte das Publikum nach fast jedem Satz begeistert.

In einer entsprechend fröhlich aufgeheizten Stimmung betrat der letzte Slammer die Bühne: T. Schöbel, seit 3 Monaten frisch gebackener Assistenzarzt an der Uniklinik Leipzig ([Abb. 3]).

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Abb. 3 T. Schöbel gewinnt den Science Slam mit seiner humorvollen Darstellung über Podcasts in der orthopädischen Lehre. (Quelle: © Intercongress)

Mit seiner Darstellung, ob Podcasts in der orthopädischen Lehre ein sinnvolles Tool oder eher eine günstige Netflix-Alternative seien, präsentierte er seine Forschungsergebnisse auf eine so sympathische Art, dass die Zuhörer gebannt an seinen Lippen hingen. Die Jury-Vorsitzende K. Götz vom Jungen Forum O und U verkündete die Kandidaten, die ins Stechen gehen: das erste Team Ueberberg und Heilmann sowie der letzte Slammer Schöbel. Nochmals applaudierte das Publikum, und hier kam es zu einem eindeutigen Ergebnis zugunsten Schöbel, der sein Glück sichtlich kaum fassen konnte. Immerhin ist das Slam-Stipendium mit großzügigen 1000 € dotiert. Auch stellt der Springer Medizin Verlag allen Slammern großzügige Preise zur Verfügung, so ging keiner ohne Geschenk von der Bühne. Ein Dank an dieser Stelle dem Springer Medizin Verlag. Zudem danken wir M. Herbolzheimer für die Bereitstellung eines Dezibelometers zur Messung der Applauslautstärke, und natürlich allen Helfern vor und hinter der Bühne. Im Namen des Jungen Forums O und U sagen wir Danke für die Unterstützung und das Vertrauen, die uns die DGOU und der BVOU stets gewähren. Und natürlich danken wir allen Slammern für ihren Mut, sich der Herausforderung des Science Slams gestellt und das Rampenlicht so fantastisch gemeistert zu haben! Lassen Sie sich auch im kommenden Jahr vom Science Slam begeistern. Fragen zum Science Slam auf dem DKOU 2020 können jederzeit an scienceslam_dkou@web.de gerichtet werden.

Marie Samland, Stefanie Weber, Lisa Wenzel, Gina Grimaldi


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Abb. 1 Fröhliche Stimmung – auch unter den Organisatorinnen des Jungen Forums: Dr. R. Seemann, Dr. M. Samland, M. Herbolzheimer (von links). (Quelle:© Intercongress)
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Abb. 2 Jury und Slammer auf der Bühne: J. Ueberberg, Dr. L. Heilmann, Prof. Dr. P. Grützner, T. Schöbel, Univ.-Prof. Dr. C. Perka, Priv.-Doz. Dr. M. Kauther und Dr. P. Westerhoff (von links).(Quelle: © Intercongress)
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Abb. 3 T. Schöbel gewinnt den Science Slam mit seiner humorvollen Darstellung über Podcasts in der orthopädischen Lehre. (Quelle: © Intercongress)