Z Orthop Unfall 2020; 158(01): 22
DOI: 10.1055/a-1041-3907
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss der präoperativen Symptomdauer auf das postoperative Ergebnis nach ACDF

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Dr. Elina Venjakob, Hannover


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Publication Date:
13 February 2020 (online)

 

    Bei bestehender zervikaler Radikulopathie ist die operative Versorgung mittels ventraler zervikaler Diskektomie und Fusion (ACDF) eine gängige Methode. In der vorliegenden retrospektiven Studie wurde der Einfluss der Dauer der neurologischen Symptomatik auf das postoperative Ergebnis nach ACDF untersucht.

    Insgesamt wurden 379 Patienten mit Radikulopathie oder Myeloradikulopathie mittels ACDF versorgt und retrospektiv untersucht. Die Patienten wurden in 3 Gruppen abhängig der präoperativen Symptomdauer präoperativ eingeteilt: < 6 Monate (118 Patienten, 31,1%), 6 – 12 Monate (80 Patienten, 21,1%) und > 1 Jahr (181 Patienten, 47,8%). Es wurden der Schmerz im Nacken und im Arm mittels VAS und die klinische Funktion über den Neck Disability Index (NDI) bestimmt.

    Der präoperative Nackenschmerz zeigte sich signifikant erhöht bei einer Beschwerdedauer > 6 Monate (VAS > 12 Monate 8,1 ± 2,3 vs. VAS 6 – 12 Monate 7,6 ± 2,7 vs. VAS < 6 Monate 4,8 ± 4,0; p = 0,000 und p = 0,004). Ebenfalls zeigte sich die präoperative Funktion bei einer Symptomdauer > 1 Jahr signifikant schlechter als bei Patienten mit einer Dauer < 6 Monate (NDI > 12 Monate 53,1 ± 20,4 vs. NDI < 6 Monate 42,8 ± 21,7; p = 0,009). Die Erhebung des Nackenschmerzes und die klinische Funktion ergaben jedoch in der postoperativen Nachuntersuchung keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

    Eine signifikante Reduktion des Nackenschmerzes prä- zu postoperativ wurde bei einer Dauer > 6 Monate im Vergleich zu der Gruppe < 6 Monate beobachtet (absolute VAS-Differenz 6 – 12 Monate 6,28, p = 0,006; absolute VAS-Differenz > 12 Monate 5,75, p = 0,002).

    Es erfolgte eine weitere Differenzierung zwischen den Gruppen nach vorliegendem Hauptsymptom (Schmerz, Sensibilitätsstörungen oder Schwäche). Bei vorwiegenden Schmerzen zeigte sich bei Patienten mit Symptomen > 1 Jahr ein signifikant erhöhter präoperativer Nacken-VAS (p = 0,001) und Arm-VAS (p = 0,008) im Vergleich zu Patienten mit einer Beschwerdedauer < 6 Monate. Ebenfalls zeigte sich die präoperative klinische Funktion in dieser Gruppe signifikant schlechter (p = 0,000) im Vergleich zur Gruppe mit Beschwerdedauer < 6 Monate. Bei führender Sensibilitätsstörung zeigte sich ebenfalls der präoperative Nackenschmerz signifikant erhöht bei einer Beschwerdedauer von > 1 Jahr (p = 0,015) gegenüber < 6 Monate.

    Fazit

    In dieser Studie konnte nach Meinung der Autoren gezeigt werden, dass die Dauer der präoperativ bestehenden Symptome keinen Einfluss auf die postoperativen Ergebnisse nach ventraler zervikaler Diskektomie und Fusion (ACDF) besitzt. Daher ist ein Behandlungsversuch mittels konservativer Therapie vor operativer Versorgung möglich und sinnvoll. Für eine höhere Aussagekraft werden Studien mit längerer Nachuntersuchungsdauer und prospektivem Studiendesign benötigt.


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    Dr. Elina Venjakob, Hannover