Akt Rheumatol 2019; 44(04): 238
DOI: 10.1055/a-0953-6137
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schmerzen und Funktionsdefizite nach Kniegelenkersatz

Contributor(s):
Judith Lorenz
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Publication Date:
13 August 2019 (online)

 

Nicht bei allen Patienten verläuft eine Kniegelenkersatzoperation erfolgreich: Einige Betroffene leiden nach dem Eingriff an persistierenden Schmerzen und/oder funktionellen Einschränkungen. Wie häufig muss mit einem ungünstigen Verlauf gerechnet werden? Wie häufig treten Schmerzen und Funktionsdefizite gemeinsam bzw. isoliert auf? Und anhand welcher Parameter lassen sich Patienten mit postoperativen Komplikationen identifizieren?


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Diesen Fragen ist ein Team von US-Wissenschaftlern nachgegangen. Sie werteten die Daten von 384 Teilnehmern einer randomisierten Multicenterstudie aus, die sich mit Strategien zum Coping nach Kniegelenkersatz beschäftigte. Alle Patienten waren mindestens 45 Jahre alt, litten an einer Kniegelenkarthrose und wurden mittels Gelenkersatzoperation behandelt. Zwei Wochen vor dem Eingriff sowie 2, 6 und 12 Monate danach objektivierten die Wissenschaftler Schmerzen sowie die Gelenkfunktion mithilfe des „WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index) Pain and Physical Function Scales“. Ferner prüften sie, anhand welcher präoperativen Variablen (z. B. Schmerz-Katastrophisierung, Anzahl schmerzhafter Körperregionen, depressive Symptome, Alter, Geschlecht, Bodymassindex, Einkommen, Komorbiditäten, Opioid-Anwendung) sich der postoperative Verlauf vorhersagen ließ.

Ergebnisse

Im Hinblick auf die Schmerzen nach dem Kniegelenkersatz verlief die Operation bei 82% der Studienpatienten erfolgreich, in 18% der Fälle dagegen nicht erfolgreich. Bezüglich des funktionellen Outcomes beobachteten die Wissenschaftler identische Ergebnisse. In den meisten Fällen korrelierten das Schmerz- und das funktionelle Ergebnis, das heißt bei den meisten Patienten verlief die Operation unter beiden Aspekten erfolgreich bzw. nicht erfolgreich. Allerdings traten in einem signifikanten Anteil der Fälle (9%) Outcome-Kombinationen (gutes Schmerz- aber schlechtes funktionelles Ergebnis und umgekehrt) auf. Bezüglich der Vorhersage des postoperativen Verlaufs zeigte sich: Ein geringes Einkommen, eine starke Schmerz-Katastrophisierung sowie eine höhere Zahl schmerzhafter Körperregionen prädisponierten für ein ungünstiges WOMAC-Schmerzergebnis. Starke Schmerzen vor dem Eingriff, junges Alter, eine starke Schmerz-Katastrophisierung sowie eine höhere Zahl schmerzhafter Körperregionen stellten ferner unabhängige Risikofaktoren für funktionelle Einschränkungen nach der Operation dar.

Fazit

Etwa 20% der mittels Kniegelenkersatz behandelten Patienten leiden auch nach dem Eingriff an Schmerzen und/oder funktionellen Einschränkungen, so die Autoren. Obwohl bei einem ungünstigen postoperativen Verlauf meist Schmerzen und Funktionsdefizite gleichzeitig persistieren, treten in vielen Fällen beide Komplikationen unabhängig voneinander auf. Interventionsstrategien zur Verbesserung des postoperativen Outcomes sollten sich, so ihre Empfehlung, auf die identifizierten Risikofaktoren konzentrieren.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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