Zs.f.Orthomol.Med. 2019; 17(02): 1
DOI: 10.1055/a-0862-3434
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Uwe Gröber
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Uwe Gröber
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45130 Essen

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Publication Date:
19 July 2019 (online)

 
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    Uwe Gröber

    die Prävalenz von Autoimmunerkrankungen ist in den zurückliegenden 4 Jahrzehnten stark angestiegen. Aktuell leiden weltweit bis zu 8 % der Menschen an einer von ungefähr 90 verschiedenen Autoimmunerkrankungen. Dabei beobachten Experten typische Altersgipfel, prinzipiell können Autoimmunerkrankungen aber in jedem Lebensalter auftreten. Zu den häufigsten zählen unter anderem Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Psoriasis, rheumatoide Arthritis, Vitiligo und Colitis ulcerosa. Dementsprechend ist die vorliegende Ausgabe der Zeitschrift für Orthomolekulare Medizin den Autoimmunerkrankungen gewidmet.

    In Deutschland hat sich die Zahl der Menschen mit Multipler Sklerose in den zurückliegenden 40 Jahren nahezu verdoppelt. Neben einer höheren Lebenserwartung sind dabei vor allem multiple Umweltfaktoren für die steigende Prävalenz relevant. Derzeit wird die Zahl der Betroffenen in unserem Land auf etwa 220 000 geschätzt, jährlich kommen ungefähr 5000 Neuerkrankungen hinzu. In einem Grundlagenbeitrag werden ausgewählte Umweltfaktoren (z. B. Darmmikrobiom) und der Stellenwert von Mikronährstoffen (z. B. EPA/DHA, Biotin, Vitamin A) in der Prävention und Therapie der Multiplen Sklerose vorgestellt. Auf die zentrale Bedeutung von Vitamin D bei Multipler Sklerose wurde an dieser Stelle verzichtet, da wir dieses Thema bereits ausführlich in Form von Fachbüchern und Kongressen mit Prof. Cicero Coimbra und Prof. Michael Holick besprochen haben.

    In einem sehr lesenswerten Beitrag beschreibt der Umweltmediziner Dr. Kurt Müller die Assoziation zwischen unnatürlichen Umweltfaktoren und Entzündungsprozessen. Bei chronischer Einwirkung von Umweltstressoren werden entzündliche Reaktionen im Körper induziert, die über Wechselwirkungen mit dem Neuroendokrinoimmunsystem (NEIS) beispielweise in der Entstehung von neuroinflammatorischen Erkrankungen wie Depressionen münden. Therapeutisches Ziel der klinischen Umweltmedizin ist es, die krankheitsauslösenden Noxen aufzuspüren und zu eliminieren. Zudem werden dabei individuell geeignete natürliche Entzündungshemmer wie S-Adenosylmethionin (SAM) eingesetzt.

    Der Zusammenhang zwischen Schwermetallbelastungen und der Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) wird in einem sehr interessanten Beitrag von Dr. Joachim Mutter dargestellt. Die ALS hat bekanntlich eine ausgesprochen ungünstige Prognose. Kurative Therapieoptionen existieren bislang nicht. Immer wieder sind dabei in der Diskussion Zahnfüllungen aus Amalgam, die in Deutschland trotz zahlreicher wissenschaftlicher Belege noch immer nicht als schädlich eingestuft werden. So hat die WHO bereits 1991 Zahnfüllungen aus Amalgam als Hauptquelle für Quecksilberbelastungen eingestuft. Eine Ausleitungstherapie von Quecksilber und anderen Schwermetallen ist bei vielen dieser Krankheiten wirksam, sicher und sinnvoll.

    Der zentrale Stellenwert von langkettigen maritimen Omega-3-Fettsäuren in der Therapie der rheumatoiden Arthritis wird in einem Praxisbeitrag von Dr. Volker Schmiedel hervorgehoben. Die in Studien gefundene Wirkung der Fettsäuren ist umso deutlicher, je höher die Omega-3-Dosis ist und je mehr EPA im Verhältnis zu DHA eingesetzt und je länger die Therapie durchgeführt wird. In der Diagnostik chronisch entzündlicher Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis kann eine Fettsäureanalyse dazu beitragen, die benötigte Dosis festzulegen.

    Schließlich beleuchtet Dr. Wilfried Bieger in seinem Beitrag wichtige labormedizinische Grundlagen bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow.

    Dank der tatkräftigen Hilfe unserer Autoren können wir Ihnen erneut ein spannendes Heft präsentieren, das hoffentlich ihren Geschmack trifft. Das Herausgeberteam der Zeitschrift für Orthomolekulare Medizin wünscht Ihnen wie immer viel Spaß beim Lesen und beim Umsetzen der gewonnen Erkenntnisse in die Praxis.

    Ihr

    Uwe Gröber


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