Aktuelle Urol 2019; 50(06): 574
DOI: 10.1055/a-0841-8430
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Penistraktionstherapie bei Induratio penis plastica: Vakuumsystem effektiv und sicher

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Publication Date:
26 November 2019 (online)

 

Ziel der Penistraktionstherapie bei Patienten mit einer Induratio penis plastica (Peyronie-Krankheit) ist es, durch kontinuierlichen Zug einen Gewebeumbau zu induzieren, der letztlich zu einer Begradigung sowie zu einer Verlängerung des Penis führt. Ein Team internationaler Wissenschaftler hat untersucht, wie effektiv und sicher sich dies mithilfe eines Vakuumsystems erreichen lässt.


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Die ersten zur Penistraktionstherapie zugelassenen Produkte basieren auf einem Silikonband, das um den Sulcus coronarius der Glans geschlungen wird. Viele Patienten klagen jedoch über Schmerzen während der Behandlung. Ein neues System, das die Zugwirkung über eine Vakuumkappe auf die gesamte Oberfläche der Glans verteilt, soll die Therapie erträglicher machen. Ob dies tatsächlich so ist, prüften die Forscher im Rahmen einer prospektiven Studie. An der zwischen 2016 und 2017 an 6 Universitätskliniken durchgeführten Untersuchung nahmen 93 Männer teil, die seit mindestens einem Jahr an einer Induratio penis plastica litten. Alle Patienten befanden sich seit mindestens 3 Monaten in einer klinisch stabilen Phase (keine erektile Dysfunktion, unidirektionale Verkrümmung ≥ 45 Grad, keine wesentlichen Schmerzen). Patienten mit komplexen Deformitäten oder vorangegangenen Injektionsbehandlungen schlossen die Forscher von der Analyse aus. Etwa die Hälfte der Probanden wendete über 12 Wochen den Penisexpander täglich über 3 bis 8 Stunden an. Die Männer erhielten eine Schulung zur schrittweisen Steigerung der Zugkraft und wurden instruiert, die Behandlung alle 2 Stunden sowie bei Beschwerden zu unterbrechen. Die Patienten der Kontrollgruppe erhielten während des Studienzeitraums keine aktive Therapie. Primärer Studienendpunkt war die Veränderung des Penis-Krümmungswinkels im erigierten Zustand (nach intrakavernöser Injektion von Alprostadil) 1, 2 sowie 3 Monate nach Behandlungsbeginn. Ferner erfassten die Forscher die Krümmungsart sowie die gestreckte Penislänge und befragten die Patienten mithilfe des Peyronieʼs Disease Questionnaire (PDQ) und des International Index of Erectile Function (IIEF-EF). Auch unerwünschte Nebenwirkungen waren Teil der Analyse.

Ergebnisse

Von 41 der Patienten der Interventionsgruppe und von 39 Kontrollen konnten vollständige Behandlungsdaten ausgewertet werden. Die Penistraktionstherapie führte innerhalb des dreimonatigen Studienzeitraums zu einer signifikanten Verringerung des Penis-Krümmungswinkels um durchschnittlich 31,2 Grad (Variationsbreite 15 bis 50 Grad), was einer Verbesserung im Vergleich zum Ausgangsbefund um 41,1 % entsprach. Das Ausmaß der Begradigung korrelierte dabei signifikant mit der täglichen Anwendungsdauer: Je länger die Patienten den Expander pro Tag nutzten, desto deutlicher nahm die Verkrümmung ab. In der Kontrollgruppe veränderten sich dagegen die Penis-Krümmungswinkel nicht signifikant. Ferner beobachteten die Wissenschaftler in der Interventionsgruppe eine deutliche Zunahme der gestreckten Penislänge, und zwar sowohl im Vergleich zu den Kontrollen als auch im Vergleich zur Ausgangslänge (durchschnittlicher Längenzuwachs 1,8 cm, Variationsbreite 0,5 bis 3 cm). Hinsichtlich der mittels PDQ erfassten Beschwerden erwies sich die Expanderanwendung ebenfalls als vorteilhaft. Auch der IIEF-EF-Score verbesserte sich nach der Penistraktionstherapie, statistische Signifikanz war diesbezüglich jedoch nicht gegeben. 43 % der Patienten berichteten über – meist leichtgradige und kurz andauernde – therapiebedingte Nebenwirkungen. Hierbei handelte es sich überwiegend um lokale Beschwerden oder Taubheitsgefühl in der Glans.

Fazit

Eine dreimonatige Penistraktionstherapie mit dem Vakuumsystem, so die Autoren, korrigiert bei Patienten mit einer Induratio penis plastica den Penis-Krümmungswinkel in klinisch relevantem Umfang, verbessert die Penislänge und lindert die Symptomatik. Diese relativ gut verträgliche nicht invasive Therapieoption sollte Betroffenen mit seit mindestens 3 Monaten stabiler Erkrankung angeboten werden. In vielen Fällen kann so möglicherweise eine Operation verhindert oder ihr Ausmaß minimiert werden.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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