Aktuelle Dermatologie 2018; 44(12): 533
DOI: 10.1055/a-0768-6775
Derma-Fokus
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Herzkreislauferkrankungen: Atopisches Ekzem als Risikofaktor?

Silverwood RJ. et al.
Severe and predominantly active atopic eczema in adulthood and long term risk of cardiovascular disease: population based cohort study.

BMJ 2018;
DOI: 10.1136/bmj.k1786.
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Publication Date:
05 December 2018 (online)

 

Etwa 10 % aller Erwachsenen leiden am atopischen Ekzem, die Tendenz ist steigend. Da autoimmun vermittelte Entzündungsprozesse für die Beschwerden verantwortlich gemacht werden, gibt es Parallelen zur Pathogenese kardiovaskulärer Erkrankungen. Ob Patienten mit atopischem Ekzem aber tatsächlich ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkte und Schlaganfälle mit sich tragen, haben Silverwood und Team nun in einer Kohortenstudie genauer untersucht.


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Obgleich einige Studien bereits Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Hauterkrankung des atopischen Ekzems und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko geben, bleibt es unklar, inwieweit die typische Fluktuation der Schwere des Ekzems diese Verbindung beeinflusst. Silverwood und Kollegen haben daher in ihrer klinischen Kohortenstudie nicht nur untersucht, ob ein atopisches Ekzem in der Anamnese das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Myokardinfarkte oder Schlaganfälle erhöht, sondern haben zusätzlich den möglicherweise moderierenden Effekt der Krankheitsschwere betrachtet.

Dazu griffen sie auf die Inhalte der Datenbank UK Clinical Practice Research Datalink (CPRD) zurück, die Gesundheitsinformationen eines breiten Spektrums von etwa 9 % der Bevölkerung Großbritanniens umfasst. Einschlusskriterien für die Bildung der Studienkohorte waren:

  • atopisches Ekzem,

  • Alter über 18 Jahre,

  • Registrierung zwischen Januar 1998 und März 2015,

  • Daten und Statistiken zu Krankenhausaufenthalten und

  • keine kardiovaskulären Ereignisse in der Anamnese.

Jedem geeigneten Patienten wurden bis zu 5 altersgleiche Kontrollpersonen ohne atopisches Ekzem zugeordnet. Als primärer klinischer Endpunkt diente das erste Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses:

  • Myokardinfarkt,

  • instabile Angina,

  • Herzinsuffizienz,

  • Schlaganfälle sowie

  • kardiovaskulär-bedingter Tod.

Als sekundäre Endpunkte definierten die Autoren Maßnahmen der Revaskularisation sowie Daten zur Weiterbehandlung. Für Patienten der Studiengruppe mit atopischem Ekzem schätzen die Untersucher den Schweregrad der Erkrankung auf Basis der Eskalationsstufe der Behandlung ein. Für die statistische Analyse des Zusammenhangs diente ein Regressionsmodell.

Florierendes Ekzem erhöht Risiko

Die Gesamtkohorte umfasste 2 636 006 Patienten, davon 466 883 mit atopischem Ekzem und 2 169 123 anhand des Alters zugeordnete gesunde Kontrollpersonen. 66 % waren weiblich, die meisten Patienten (20,1 %) gehörten in die Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren und die mittlere Nachbeobachtungszeit lag bei 5,1 Jahren.

Mit Ausnahme von kardiovaskulär-bedingten Todesfällen konnten die Autoren für jede Ereigniskategorie des primären Endpunktes einen positiven Zusammenhang zwischen der Diagnose eines atopischen Ekzems und dem jeweiligen Ereignis feststellen. Diese Ergebnisse blieben auch nach Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Asthma-Status stabil. In der Subgruppenanalyse stellten Silverwood und Team weiterhin fest, dass das Risiko vor allem durch die Krankheitsschwere beeinflusst wurde. So lag das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit schwerem Ekzem um 20 % höher als bei gesunden Kontrollen. Entsprechende Angaben für instabile Angina und Herzinfarkt bzw. für Herzinsuffizienz entfielen auf 40 % bzw. 70 %.

In ihrer Diskussion bezeichnen die Autoren Patienten mit atopischem Ekzem daher in Hinblick auf kardiovaskuläre Erkrankungen als Risikogruppe und wünschen sich für diese Patienten eine engmaschige Betreuung inklusive der Minimierung weiterer typischer Risikofaktoren und präventive Maßnahmen.

Fazit

Patienten mit stark ausgeprägtem atopischen Ekzem haben im Vergleich zu Gesunden ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. So stieg die Wahrscheinlichkeit für Schlaganfälle um 20 % und die für Myokardinfarkte sogar um bis zu 50 % an. Die Autorinnen/Autoren empfehlen daher unbedingt präventive Maßnahmen sowie die Reduktion weiterer Risikofaktoren für diese vulnerable Patientengruppe.

Dipl.-Psych. Annika Simon, Hannover


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