Aktuel Ernahrungsmed 2008; 33 - A2_3
DOI: 10.1055/s-2008-1079404

Überschätzt die Anwendung Pal-Wert basierter Energieumsatzberechnungen den Energiebedarf junger Sporttreibender?

A Carlsohn 1, A Barthelmes 2, F Pilz 1, M Cassel 1, F Schweigert 2, F Mayer 1
  • 1Universität Potsdam, Inst. für Sportmedizin und Prävention, Abt. Sportmedizin und Sportorthopädie
  • 2Universität Potsdam, Inst. für Ernährungswissenschaft, Abt. Physiologie & Pathophysiologie

Einleitung: Die Bestimmung des Energieumsatzes anhand einfach zu handhabender, validierter Methoden ist grundlegender Bestandteil der angewandten Ernährungsbetreuung. Die Verwendung fachverbandsübergreifend einheitlicher, empirisch ermittelter Aktivitätsfaktoren (PAL) kann jedoch in spezifischen Populationen zu systematischen Fehlinterpretationen des Energiebedarfs führen.

Methoden: Zur Überprüfung der Anwendbarkeit PAL-Wert basierter Energieumsatzbestimmungen bei jugendlichen Leistungssportlern (N=91, 16.3±2.0 Jahre) und altersgematchten Kontrollen (N=20, 16.3±2.1 Jahre) wurden Energieumsatzberechnungen nach D-A-CH-Richtlinien (PAL-Methode) mit den Daten eines DLW-validierten 7-Tage Aktivitätsprotokolls (AP) verglichen (alpha=0.05). Ergänzend wurden Energiezufuhr mittels 4-Tage Ernährungsprotokoll sowie anthropometrische Daten (BMI, Körperfett) erfasst.

Ergebnisse: Die Ergebnisse aus PAL- und AP-Methode zeigten bei weiblichen und männlichen Sportlern (-23.3% und -15.8%), nicht jedoch in der Kontrollgruppe (-2.6% und +2.8%) statistisch signifikante Differenzen im Methodenvergleich. Während die PAL-Methode in allen Untersuchungsgruppen auf eine deutlich negative Energiebalance schließen ließ, zeigten die Aktivitätsprotokolle eine hohe Kongruenz zwischen Energieumsatz und Energiezufuhr (±50kcal/d). Lediglich bei weiblichen Sportlerinnen zeigte sich sowohl bei Anwendung der PAL-Methode (-896±635kcal/d) als auch des Aktivitätsprotokolls (-491±762kcal/d) eine ernährungsphysiologisch relevante negative Energiebalance.

Schlussfolgerung: Die Berücksichtigung von Energiezufuhr und anthropometrischen Daten lässt den Rückschluss zu, dass eine PAL-Wert basierte Berechnung den Energieumsatz von Nachwuchssportlern systematisch überschätzt. Bei differenzierender Analyse stellt sich ein signifikant niedrigerer Energieverbrauch der Athleten in der Freizeit verglichen mit Nichtsportlern als mögliche Ursache heraus. Ob auch bei erwachsenen Trainierenden eine kumulative Berücksichtigung sportbedingter Energieumsätze zur Überschätzung des Gesamt-Energiebedarfs führt, bleibt zu prüfen.